Neureuther gewinnt Slalom - "Auf einmal stehe ich ganz oben"

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Felix Neureuther auf dem Weg zum Sieg

Kitzbühel - Es ist das Ende einer langen Durststrecke: Felix Neureuther hat den ersten Sieg für die deutschen Alpin-Herren seit 2005 geholt - und das auch noch in Kitzbühel. Die Reaktionen, die Bilder.

Erst feierten Christian und Felix Neureuther Arm in Arm, doch bei den Klängen der Nationalhymne genoss der Sohn seinen großen Tag dann zum ersten Mal ganz allein. Der 25-Jährige schloss kurzzeitig die feuchten Augen, stimmte den Text an und war glücklich wie noch nie in seinem Ski-Leben. “Das ist die Vollendung des größten Traumes, den ich als Kind schon hatte. Einmal ganz oben zu stehen“, schwärmte der WM-Vierte. Dass ihm der erste Weltcup-Erfolg dann auch noch im Wintersport-Mekka Kitzbühel glückte, wo sein Vater drei Jahrzehnte zuvor gewonnen hatte, machte den Tag rundum perfekt. “Das ist irre“, sagte der nun siebenmalige Podestfahrer, der auch den Papa und Mutter Rosi Mittermaier verzückt hatte. “Es ist viel schöner als selbst zu gewinnen“, befand Christian Neureuther.

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Felix der Glückliche: Neureuther triumphiert in Kitzbühel

Erstmals seit fünf Jahren, dem Erfolg von Alois Vogl beim Slalom in Wengen, stand am Sonntag beim Slalom-Klassiker in Tirol wieder ein deutscher Alpiner auf dem Siegerpodest. “In Kitzbühel zu gewinnen, kommt gleich hinter einer Medaille bei einer WM oder Olympischen Spielen“, hob Alpin-Direktor Wolfgang Maier den Stellenwert des Erfolgs hervor. Und mit breiter Brust blickte Herren-Cheftrainer Karlheinz Waibel nun Richtung Vancouver: “In Kitzbühel zu gewinnen nach dem schwierigen Saisonstart, das ist sensationell. Er muss jetzt keinem mehr etwas beweisen. Jetzt kann Olympia kommen für die Deutschen.“

Dabei hatte der Olympia-Winter für den Partenkirchener alles andere als berauschend angefangen. Zäh kämpfte sich Felix Neureuther durch die mittlerweile erfolgreiche Qualifikation, beim Torlauf auf dem Ganslernhang ging dann plötzlich alles wie von selbst. “Ich war wirklich am Boden, die Motivation war weg. Ich habe mich zurückgekämpft. Und auf einmal stehe ich ganz oben. Unfassbar“, meinte der 25-Jährige, der durch den Erfolg auch Ansprüche auf Edelmetall beim Saisonhöhepunkt anmeldete. “Es geht so schnell in Deutschland. Entweder man ist der Depp oder der König.“

70 000 Euro verdiente sich der stärkste deutsche Skirennfahrer beim Torlauferfolg, 120 000 Euro kassierte Didier Cuche durch die Siege in Abfahrt und Super-G bei der 70. Auflage der Hahnenkammrennen. Dass Stephan Keppler sich als erster deutscher Abfahrer seit Zeiten eines Markus Wasmeier und Hansjörg Tauscher ein reguläres Olympia-Ticket sicherte, ging im Jubeltrubel um den neuesten Weltcup-Sieger fast unter. “Es ist schön, dass ich da drüben nicht alleine bin“, sagte Neureuther. Und die Eltern sind als Glücksbringer auch wieder an der Seite.

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Arm in Arm mit dem zweitplatzierten Julien Lizeroux verfolgte Neureuther im Ziel die Läufe der nach dem ersten Durchgang noch führenden Manfred Mölgg (Italien) und Reinfried Herbst (Österreich). Beide brachten sich durch Fehler um die Siegchance und ermöglichten Neureuther den Coup, den ihm viele Kritiker nicht zugetraut hatten. “Den Jungs habe ich's heute gezeigt, dass ich sehr wohl gewinnen kann. Aber es standen immer so viele Leute hinter mir, das hat gut getan“, sagte er nach seinem ersten Podest nach über zehn Monaten Pause. In Kitzbühel beendete er eine seit 1989 währende Durststrecke und war erster deutscher Gewinner seit Armin Bittner. Für die österreichischen Gastgeber war es kaum Trost, dass Benjamin Raich den Kombinations-Weltcup gewann.

In Regionen eines Neureuther konnte Keppler erwartungsgemäß nicht vordringen. Aber das erste nach offiziellen Kriterien gelöste Olympia-Ticket eines deutschen Abfahrers seit 1994 war auch aller Ehren wert. Nach diesem Erfolg durch Platz 14 am Freitag sorgte der 26-Jährige am Samstag bei der traditionellen Abfahrt auf der Streif für einen bangen Moment, als er stürzte und in den Fangzaun knallte. “Das war mehr als eine Schrecksekunde, da hat man die Olympia- Qualifikation gerade und so ein Sturz birgt immer ein Verletzungsrisiko“, sagte Waibel. Keppler nahm es kämpferisch. “Jetzt bin ich ausgeschieden, dann werde ich bei der Olympia-Abfahrt mehr Gas geben.“

dpa

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