„Mit der eigenen Angst kämpfen wollen“

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Lorraine Huber - eine der besten Freeriderinnen der Welt - geht auf ihren Skiern ans Limit.

München - Mit drei Jahren stand Lorraine Huber das erste Mal auf Skiern. Jetzt gehört die 29-Jährige zur Weltspitze der Freerider. In München präsentierte sie den neuen Warren Miller-Film „DYNASTY“.

Pulverschnee, stahlblauer Himmel und spektakuläre Freestyleaction: Der Film „Dynasty“ von Warren Miller zeigt Snowboarder und Skifahrer, die absteits aller Pisten ans Limit gehen. Mit dabei: Lorraine Huber. Die 29-Jährige wuchs in Österreich und in Australien auf. Als Tochter eines Skilehrers war ihr das Talent wohl in die Wiege gelegt. Mittlerweile gehört sie zu den besten Freeridern der Welt.

Skifahren am Limit: Bilder aus dem Film „Dynasty“

Weißt du, wie man eine Steuererklärung macht?

Lorraine Huber: Ich habe BWL in Insbruck studiert. Ich weiß also, wie man eine Steuererklärung macht.

Man glaubt ja immer, Extremsportler leben in ihrer eigenen Welt, sind Freigeister oder Aussteiger. Wie falsch oder richtig ist das Bild?

Lorraine: Freeskiing gehört sicher zu den Extremsportarten und man muss schon seine Grenzen ausloten und auch mit der eigenen Angst kämpfen wollen. Wenn man das nicht möchte, ist man in diesem Beruf falsch.

Du hast dein BWL-Studium angesprochen. Hast du dich dann für ein „Karriere“ als Freeskierin entschieden?

Lorraine: Ich bin ja erst den normalen Lebensweg gegangen, also habe beispielsweise studiert. Erst später hat sich die Extremsportkarriere entwickelt. Erst nach einigen Jahren konnte ich mir vorstellen, meinen Lebensunterhalt mit Skifahren zu verdienen.

Wie muss man sich deinen Tagesablauf vorstellen?

Lorraine: Erstens ist es ein Nomandenleben. Ich reise sehr viel, bin selten lange an einem Ort. Gerade im Vorwinter, also Dezember, Januar, trainiere ich sehr viel, sowohl im Kraftraum, als auch am Berg. Ab Februar bin ich dann eigentlich nur noch unterwegs und nehme an Wettkämpfen teil. Im März kommen dann noch Filme und Fotoshoots dazu. Manche Freeskier machen im Sommer Pause. Ich war diesen Sommer in Neuseeland, also wieder Schnee. Erst dachte ich, es wird mir zu viel, aber es war einfach mal extrem lässig. Es hat mir so sehr getaugt, dass ich es nächstes Jahr wieder machen möchte.

Ein Traumjob also?

Lorraine: Ja. Definitiv.

Was sind beim Skifahren Momente, die du am liebsten ewig konservieren möchtest? 

Lorraine: Mit meinen Freunden zusammen gibt es oft stille Momente, in der Früh oder spät am Abend, wenn man eine gute Line gefahren ist, wenn man vielleicht eine selbst gestellte Herausforderung geschafft hat. Solche Momente mit Freunden teilen zu können, macht das Besondere aus. Diese Momente würde ich konservieren.

Skifahren am Limit: Bilder aus dem Film „Dynasty“

Nimmst du Zeit anders wahr?

Lorraine:Ich glaube schon. Ich hatte mit Glück vor Jahren einen Unfall überlebt. Das hat meine Realität schon etwas verändert. Das klingt zwar blöd, aber ich habe gelernt, mehr im hier und jetzt zu leben.

Wie schwierig ist so ein Filmdreh? Wie muss man sich einen Dreh-bzw. Arbeitstag vorstellen.

Lorraine: So toll es auch ist, so ein Drehtag ist schon hart, echte Knochenarbeit. Wir waren in den Lyngenalpen unterwegs, also sehr weit im Norden Norwegens. Dort war während unseres Drehs im April schon Mitternachtsonne. Wir hatten lange Drehtage, manchmal von fünf Uhr in der Früh bis zehn Uhr in der Nacht. Da man immer konzentriert sein muss, war es natürlich extrem hart. Auch physisch war es hart. Wir mussten viel gehen bis wir die Spots erreicht hatten. Aber trotz der Anstrengung: Spaß hat es immer gemacht.

Was ist das Besondere daran, in einem Warren Miller Film mitzuspielen?

Lorraine: Warren Miller dreht seit 60 Jahren Filme und hat vor allem jedes Jahr einen Skifilm gemacht. Es gibt keine anderen Skifilme, die die Leute so begeistern. Da ist es einfach etwas Besonderes, mitmachen zu dürfen.

Besteht auch bei so einem freien Sport wie Freeski ein finanzieller Druck und wenn ja, wird es dann eben auch nur wieder zu einem Job?

Lorraine: Ich mache es absolut nur deshalb, weil es mir Spaß macht. Man muss da schon auf sich hören und das machen, was einem gut tut. Wenn ich das nur machen würde, weil ich Geld brauche, wäre es schlimm.

Hast du nach dem ganzen Dreh noch Lust auf Skifahren? Der Winter steht schließlich vor der Tür.

Lorraine: Auf jeden Fall! Ich hab die Zwischensaison in Australien verbracht und war dort bereits wieder ganz heiß aufs Skifahren.

Interview: Martin Müller

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