Kaum Interesse an Leichtathletik-EM

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Kaum gefüllt: Das Olympiastadion in Barcelona während der Leichtatheltik-EM.

Barcelona - Wenn Europas beste Leichtathleten ihre Meister ermitteln, schaut kaum jemand zu. Die EM in Barcelona leidet unter halbleeren Zuschauer-Rängen und schlechten Einschaltquoten im Fernsehen.

Halbleere Ränge, schlechte Stimmung, wenig Fernseh-Zuschauer: Das öffentliche Interesse an der Leichtathletik-EM in Barcelona ist bislang eine Enttäuschung. “Niemand kann zufrieden sein, wenn das Stadion nicht voll ist“, sagte der Marketingexperte und Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Helmut Digel.

Egal, nach welchen Kriterien man die Resonanz auch bemisst, sie bleibt überall hinter den Erwartungen zurück. Im bei dieser EM 33 000 Zuschauer fassenden Olympiastadion waren bislang immer ganze Blöcke leer. Am Dienstagabend kamen nach offiziellen Angaben 16 400 Besucher, am Mittwochabend 22 250. So entsteht noch nicht einmal ein Funken der Begeisterung, der irgendwo überspringen könnte. Auch wenn der Vergleich hinkt, wird diese EM ständig an den Olympischen Spielen von 1992 gemessen. Die waren ein Publikumsmagnet mit Gänsehaut- Atmosphäre und vollen Tribünen. Bei der EM ist es eher leise.

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“Am liebsten würden wir natürlich vor ausverkauftem Haus springen“, sagte Stabhochsprung-Finalist Raphael Holzdeppe. “Aber in einer Stadt wie Barcelona wird an Wochentagen gearbeitet.“

Die Einschaltquoten im deutschen Fernsehen sind ebenfalls noch nicht berauschend: Nach Angaben des ZDF sahen am Mittwochabend 4,60 Millionen Zuschauer (16,6 Prozent Marktanteil) den 100-Meter-Sieg des Franzosen Christophe Lemaitre. Zum Vergleich: Usain Bolts Triumph bei der WM in Berlin vor einem Jahr verfolgten 9,92 Millionen.

“Es kommen dabei mehrere Elemente zusammen“, sagte Experte Digel der Nachrichtenagentur dpa. “Sowohl die deutschen als auch die spanischen Athleten haben einen schlechten Start gehabt.“ Zuschauer ließen sich nunmal zu allererst über Erfolge und große Namen locken. Bei dieser EM fehlen Stars wie Bolt oder Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa. “Dazu ist die öffentliche Wahrnehmung in Deutschland immer zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“, meinte Digel. “Wenn man am ersten Tag Erfolge hat, sprechen die Medien von einem Wunder. Wenn nicht, von einer Krise.“

Die halbleeren Ränge im Stadion lassen sich auch dadurch erklären, dass Spanien insbesondere in diesen Wochen kein Leichtathletik-Land ist. Die Iberer sind Weltmeister im Fußball, sie haben einen Rafael Nadal im Tennis, einen Fernando Alonso in der Formel 1, einen Alberto Contador im Radsport - aber keinen Weltstar im Laufen oder Werfen. Vier Sportzeitungen erscheinen in Spanien jeden Tag. Die in Barcelona erscheinende “Sport“ berichtete am Donnerstag auf den ersten 15 Seiten über “Barca“, dann über den Rest der Fußball-Welt, über die Formel 1 und erst von Seite 33 an kurz über die EM in ihrer Stadt.

Um das Interesse an der Leichtathletik zu steigern, schlägt Digel ein “kompakteres Wettkampf-Programm“ vor. “Das würde alles für die Zuschauer im Stadion und am Fernseher attraktiver machen. Noch haben wir zu wenige Entscheidungen an einem Abend“, sagte er. Die Hoffnungen der Veranstalter und Athleten ruhen auf den letzten drei Abenden am Freitag, Samstag und Sonntag. Dann finden 30 von insgesamt 47 Entscheidungen statt und dann haben sowohl Deutsche als auch Spanier einige Medaillenanwärter im Rennen. “Am Wochenende kommen sicherlich mehr Zuschauer“, sagte Holzdeppe.

dpa

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