Entscheidung am Samstag

Wer kriegt Olympia 2020? Auch Messi mischt mit

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Lionel Messi wirbt für Madrid 2020

Buenos Aires - Madrid, Istanbul und Tokio liefern sich ein enges Rennen um die Austragung der Olympischen Spiele 2020. Die Spanier scheinen vor der Wahl am Samstag die besten Chancen zu haben.

Der Überraschungscoup mit Lionel Messi war ein weiteres Zeichen der Stärke, das Madrid seiner Konkurrenten demonstrierte. Die Spanier präsentierten ausgerechnet den argentinischen Fußball-Weltstar, als Spieler des FC Barcelona eigentlich automatisch ein Madrid-Gegner, als offiziellen Unterstützer ihrer Bewerbung um die Olympischen Spiele 2020. Damit leitete Madrid im Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Widersachern Tokio und Istanbul vor der Wahl am Samstag eindrucksvoll den Endspurt ein.

Doch das Ziel ist noch lange nicht erreicht. Immer wieder ist aus dem Kreis der IOC-Mitglieder vor der richtungweisenden Vollversammlung in Buenos Aires zu hören, dass die letzten Präsentationen der Städte wenige Stunden vor der Wahl entscheidenden Charakter haben könnten. Das weiß auch Prinz Felipe, der es sich nicht nehmen ließ, selbst nach Buenos Aires zu reisen, um an der Madrider Präsentation mitzuwirken. Der spanische Thronfolger sah siegessicher aus, als er nach der Ankunft in der riesigen Lobby des gastgebenden Hilton-Hotels ein paar Hände schüttelte.

Im Untergeschoss der Nobelherberge fällt am Samstag die Entscheidung, wenn voraussichtlich 98 IOC-Mitglieder (Japaner, Spanier und Türken dürfen im ersten Wahlgang nicht mitwirken) aufgerufen sind, den Gastgeber von 2022 zu wählen. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass es drei sehr starke Kandidaturen gibt“, sagt IOC-Präsidentschaftskandidat Thomas Bach, der natürlich für keinen Bewerber Partei ergreift: „Sie müssen alle unterschiedliche Herausforderungen bewältigen.“

Den Madrilenen scheint dies bislang am besten gelungen zu sein. Sie machten aus der (Finanz-) Not eine Tugend und unterbreiteten den IOC-Mitgliedern, von denen viele dem olympischen Gigantismus Einhalt gebieten wollen, ein überzeugendes Konzept. Nur vier permanente und drei vorübergehende Sportstätten müssten die Spanier neu bauen. Weil der Rest schon fertig ist, würde das Bau-Budget mit 1,5 Milliarden Euro geringer ausfallen als der Haushalt des Organisationskomitees - das hat es in der Geschichte moderner Olympischer Spiele noch nie gegeben.

Die Konkurrenten hat offensichtliche Prombleme. Der japanische Bewerbungschef, IOC-Mitglied Tsunekazu Takeda, musste in Buenos Aires fast im Minutentakt Fragen nach der potenziellen Bedrohung Tokios durch Tsunamis, Erdbeben und die Atomkatastrophe von Fukushima beantworten.

Er tat dies mit stoischer Ruhe, trug aber auch selbst dazu bei, dass die schwierige Thematik mitten in der entscheidenden Phase des Wahlkampfes noch mal an Bedeutung gewann. In Buenos Aires räumte Takeda vor der Weltpresse ein, dass er in der vergangenen Woche allen IOC-Mitgliedern einen Brief geschrieben habe. Darin betonte er, Tokio sei in jeder nur erdenklichen Hinsicht sicher.

Olympia skurril

Olympia skurril

Tokios großen Vorteil brauchte er nicht extra zu betonen. Hinsichtlich wirtschaftlicher Stärke und politischer Verlässlichkeit bieten die Japaner das beste Paket aller Bewerber. Man garantiere dem IOC „ein sicheres Händepaar und einiges mehr“, sagte Takeda.

Für Istanbul wird am Samstag Recip Tayyip Erdogan vor Ort sein. Der Ministerpräsident, der noch vor ein paar Wochen auf dem Taskim-Platz und im Gezi-Park im Herzen der Stadt auf Demonstranten einknüppeln ließ, will ganz offensichtlich verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen.

Vielleicht vergeblich, denn Erdogan könnte mit seinem weltweit kritisierten Vorgehen im eigenen Land der Bewerbung längst den entscheidenden Schlag versetzt haben. Dabei hat Istanbul, das sich in den vergangenen 13 Jahren nicht weniger als viermal vergeblich bewarb, eine Menge zu bieten: Eine faszinierende Metropole, die gleichzeitig Spiele in Europa und Asien ausrichtet und zudem erster muslimisch geprägter Gastgeber wäre - das hätte Symbolkraft.

sid

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