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Der Star ist die Mannschaft

Mit „Highspeed-Handball“ zur Medaille?

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Mit Teamgeist kämpfte sich das deutsche Team ins Viertelfinale.

Barcelona - Ohne Superstars, aber mit großem Teamgeist sind die deutschen Handballer ins WM-Viertelfinale gestürmt. Bundestrainer Martin Heuberger lässt tollen Tempo-Handball spielen.

Es war eher eine Verlegenheit. Doch der Bundestrainer brachte es mit nur einem Wort auf den Punkt: „Highspeed-Handball“. Der brasilianische Journalist staunte nicht schlecht, als ihm Martin Heuberger den Charakter des deutschen Spiels in englischer Sprache erklärte.

Heuberger hat die Nationalmannschaft seit seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren nicht nur personell umgekrempelt, er hat auch einen neuen Stil implementiert: Nach dem Vorbild von Europameister Dänemark wechselt Heuberger viel - und erntet dafür nun den Erfolg. Die körperliche Frische der Spieler könnte bei der WM in Spanien gepaart mit dem außerordentlichen Teamgeist zum entscheidenden Faktor auf dem Weg zur Medaille werden.

„Die Dänen haben das in den letzten Jahren vorgemacht. Ich habe immer das Gefühl, wenn sie im Halbfinale oder Finale stehen, dann sind sie noch frisch“, sagte Kapitän Oliver Roggisch: „Und genau das merkt man bei uns auch. Wir können 60 Minuten Vollgas geben, das ist schon beeindruckend - und richtig gut anzugucken.“

Der 28:23-Erfolg im WM-Achtelfinale gegen Mazedonien lieferte ein Musterbeispiel für die Funktionalität der Heubergerschen Wechselspiele. Als der Gummersbacher Adrian Pfahl in der 23. Minute zur ersten Sechs-Tore-Führung traf (11:5), hatte das schwer auszurechnende deutsche Team schon neun verschiedene Torschützen - eine im internationalen Handball bemerkenswerte Bilanz. Die vorentscheidenden Treffer in der zweiten Halbzeit gegen Mazedonien erzielten die kurz zuvor eingewechselten Wetzlarer WM-Debütanten Tobias Reichmann und Kevin Schmidt.

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Joachim "Jo" Deckarm wurde 1978 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Ein Jahr später verletzte sich der als bester Spieler der Welt geltende Rückraumriese bei einem Europapokalspiel des VfL Gummersbach in Ungarn. Nach einem Foul fiel Deckarm auf den Kopf und lag 132 Tage im Koma. Er kämpfte sich durch intensive Therapien zurück ins Leben, ist aber bis heute durch den Unfall gezeichnet. © dapd
Jochen "Scholle" Fraatz war einer der besten Linksaußen der Welt. Er spielte lange Jahre für TuSEM Essen, später für die HSG Nordhorn und den TBV Lemgo. 1984 gewann er mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Vor allem seine "Dreher" waren weltweit gefürchtet. Er ist mit 2.660 Toren Zweiter der ewigen Torschützenliste der Handball-Bundesliga. © getty
Florian Kehrmann wurde 2007 Weltmeister im eigenen Land. Der dynamsiche Rechtsaußen vom TBV Lemgo errang außerdem mit der "Goldenen Generation" um Daniel Stephan, Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Christian Schwarzer 2004 den EM-Titel. 2003, 2005 und 2006 wurde er zu Deutschlands Handballer des Jahres gewählt. 2006 wurde er außerdem Zweiter bei der Wahl zum Welthandballer des Jahres. © dapd
Bernhard Kempa prägte den Handball in Deutschland wie kaum ein anderer Spieler. Der Feld- und Hallenhandballspieler errang mit seinem Heimatverein Frisch Auf Göppingen elf Meistertitel. Legendär ist der "Kempa-Trick", der nach "Monsieur Handball" benannt wurde. Nach seiner aktiven Karriere feierte er auch als Trainer große Erfolge und war Welt- und Europameister im Tennis der Senioren. © dpa
Vielen Handballfans ist Wieland Schmidt kaum ein Begriff. Der Torhüter feierte mit der olympischen Goldmedaille 1980 in Moskau seinen größten Erfolg. Der langjährige Nationaltorhüter der DDR galt in den 70er und 80er Jahren als einer der besten Keeper der Welt. Mit seinem Heimatverein SC Magdeburg feierte er u.a. sechs Meistertitel und und zwei  Europapokalsiege. Er wurde dreimal zum Handballer des Jahres der DDR gewählt. © dpa
Christian Schwarzer feierte mit der deutschen Nationalmannschaft seine größten Erfolge. Neben dem WM-Titel 2007 und dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 wurde er 2003 bei der Weltmeisterschaft in Portugal als Kreisläufer zum wertvollsten Spieler gewählt. Während seines Engagements beim FC Barcelona wurde der überragende Abwehrspieler Champions-League-Sieger (2000). © dapd
Daniel Stephan gilt als "der Unvollendete". Er war 1998 der erste Welthandballer Deutschlands (2004: Henning Fritz). Der Rückraumspieler hatte während seiner Karriere mit etlichen Verletzungen zu kämpfen und spielte deshalb nie eine Weltmeisterschaft. 2004 errang der dreimalige Handballer des Jahres (1997-1999) mit der Nationalmannschaft den EM-Titel. Stephan war ein unglaublich vielseitiger Rückraumspieler. Neben seiner guten Übersicht zeichnete er sich als Spielmacher und Torjäger aus. © dapd
Andreas Thiel, genannt der "Hexer", gewann mit dem VfL Gummersbach fünf Deutsche Meisterschaften und zweimal den Europapokal der Landesmeister. Gefürchtet waren vor allem die Reflexe des siebenmaligen Handballer des Jahres. Er hielt in seiner Bundesligakarriere (528 Spiele) 430 Siebenmeterwürfe. © getty
Erhard Wunderlich ist Deutschlands "Handballspieler des Jahrhunderts". Im Alter von 21 Jahren gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft 1978 den Weltmeistertitel. Mit dem VfL Gummersbach sicherte er sich alle nationalen und internationalen Titel. In seiner Karriere wurde er dreimal mit der höchsten sportlichen Auszeichnung der BRD, dem "Silbernen Lorbeerblatt", ausgezeichnet.  1981 und 1982 wurde er außerdem zum Handballer des Jahres gewählt. © getty
Volker Zerbe steht für außergewöhnliche Vereinstreue. Der 2,11 große Linkshänder spielte seine gesamte Karriere (1986-2006) beim TBV Lemgo. Zerbe galt als einer der weltbesten Abwehrspieler und zeichnete sich in der Nationalmannschaft vor allem durch sein blindes Verständnis mit Kreisläufer Christian Schwarzer aus. In der DHB-Auswahl feierte er mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 seinen größten Erfolg. Den TBV Lemgo führte der langjährige Kapitän u.a. zu zwei deutschen Meisterschaften, drei Pokalsiegen und drei internationalen Titeln. © getty

Erfolg hatte Heuberger mit seiner Philosphie vom modernen Handball bereits in der Vergangenheit, als er die Junioren zwei Mal zum WM-Titel (2009 und 2011) führte. „Er hat sich von seinem Konzept überhaupt nicht geändert. Auch damals hatten wir einen breiten Kader und haben viel gewechselt. Das kam uns hinten raus entgegen und war unser Vorteil gegenüber anderen Mannschaften“, sagte Linksaußen Schmidt: „Das kann auch dieses Jahr unser großes Plus werden.“

Selbst der französische Ausnahme-Torhüter Thierry Omeyer hatte nach der überraschenden 30:32-Niederlage des Titelverteidigers zum Vorrundenabschluss gegen die deutschen Greenhorns ehrfurchtsvoll festgestellt: „Die Gefahr kann von überall kommen.“

Dies bestätigt auch die Statistik: In allen sechs bisherigen WM-Spielen gab es einen anderen deutschen Haupttorschützen. Über das Fehlen überragender Einzelspieler wie Holger Glandorf oder Uwe Gensheimer redet im deutschen Lager schon längst keiner mehr.

„Wir kompensieren das ganz gut mit einer wahnsinnigen Geschlossenheit. Das ist vom Teamgeist her die beste Truppe, die ich je erlebt habe“, sagt Oldie Roggisch, der schon seit elf Jahren dabei ist. Und auch Torhüter Silvio Heinevetter untertrich nach dem Viertelfinaleinzug noch einmal die einzigartige Atmosphäre in der Mannschaft: „Wir haben zwar keine Superstars, aber eine richtig geile Truppe.“

Und wenn es nach der Mannschaft geht, ist der Höhenflug noch lange nicht beendet. „Ich möchte das Turnier gerne mit einem Sieg beenden. Was das bedeutet, kann sich jeder denken“, sagte Dominik Klein und veraschiedete sich in den Bus nach Saragossa. Dort findet am Mittwoch das Viertelfinale gegen Gastgeber Spanien oder Vize-Europameister Serbien statt.

sid

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