WM: Handballer blamieren sich - Olympia-Quali in Gefahr

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Kapitän Pascal Hens (re.)

Jönköping - Das WM-Debakel ist perfekt: Für die deutschen Handballer ist nach dem verpassten Minimalziel bei der WM in Schweden die Teilnahme an den Olympischen Spiele 2012 in weite Ferne gerückt.

Den Ruf ramponiert, Olympia fast verspielt: Die deutschen Handballer flüchteten nach dem WM-Desaster vom Spielfeld und wollten sich nur noch verkriechen. Ein Jahr nach dem zehnten Platz bei der EM spielt das DHB-Team bei der Weltmeisterschaft in Schweden nur um Rang elf und damit die schlechteste Platzierung in der Ära von Bundestrainer Heiner Brand. In ihrem letzten Gruppenspiel der Hauptrunde verlor die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) am Dienstag in Jönköping nach einem weitgehend leblosen Auftritt gegen Norwegen mit 25:35 (13:17) und machte damit das Debakel perfekt.

Durch die vierte Niederlage im achten WM-Spiel ist zudem die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in weite Ferne gerückt. London ist nur noch über die EM 2012 in Serbien zu erreichen: Entweder als Europameister oder durch eine Platzierung vor den Teilnehmern eines Ausscheidungsturniers.

“Das ist alles sehr, sehr bitter“, klagte Brand. Vor rund 2700 Zuschauern war Michael Kraus (6/1) bester Torschütze in der deutschen Mannschaft, die nun am Donnerstag in Kristianstad gegen Serbien oder Argentinien um den elften Platz spielt. Bislang schlechteste WM- Platzierung unter Heiner Brand war 2005 in Tunesien Rang neun. Der Bundestrainer will erst nach dem Turnier in Ruhe über seine persönliche Zukunft entscheiden.

“Wir müssen uns jetzt darum kümmern, damit wir wieder auf die Beine kommen. Wir haben heute eine gekriegt, das tut weh“, meinte Torhüter Johannes Bitter.

Die bittere 25:27-Schlappe gegen Ungarn am Vortag schien den deutschen Handballern noch nachzuhängen. “Ich hoffe, dass wir besser spielen“, hatte Brand sich und seinen Mannen noch Mut gemacht. Doch eine kurze Nacht und nur wenig Zeit zur Erholung hatten kaum Raum für Regeneration gelassen. “Ich denke, dass aufgrund unseres aufwendigen Spiels eine gewisse Ermüdung da war. Vielleicht ist das alles an die Substanz gegangen“, vermutete der Bundestrainer.

In seiner Startformation gegen Norwegen verzichtete er auf die Hamburger Rückraumspieler Pascal Hens und Michael Kraus, die gegen Ungarn einmal mehr nicht als Führungsspieler überzeugt hatten. “Das ist eine Situation, die ich akzeptieren muss. Solche Spieler kann man sich nicht basteln, die entwickeln sich im Laufe der Zeit“, meinte Brand.

Wie am Vortag lief die deutsche Mannschaft von Beginn an einem Rückstand hinterher. Zwar kämpfte sich die DHB-Auswahl nach einem 2:4 (7.) wieder auf 8:8 (18.) heran. Doch die frischer wirkenden Norweger setzten sich sich danach wieder ab. Beim 9:12 (22.) lag der Weltmeister von 2007 erstmals mit drei Toren hinten, beim 10:15 (25.) gar mit fünf Treffern und zur Pause noch mit 13:17.

Das Aufbäumen nach Wiederanpfiff blieb halbherzig. Mit zähem Kombinationsspiel statt des angestrebten Tempo-Handballs brachten die deutschen Spieler die norwegische Deckung nicht in Bedrängnis. Stattdessen wuchs der Rückstand wieder auf fünf Tore an (18:23/41.) und anschließend sogar auf 18:24 (43.). “Es waren Abschlüsse dabei ohne Vorbereitung. Wir haben in Überzahl drei, vier Tore kassiert und sind dadurch in Rückstand geraten. In der zweiten Halbzeit war auch kein Aufbäumen da und das ist schon ganz bitter“, monierte Brand.

Für Verwirrung sorgten zwischenzeitlich die Schiedsrichter Bogdan Stark und Romeo Stefan (Rumänien), die Kreisläufer Sebastian Preiß nach dessen zweiter Zeitstrafe versehentlich die Rote Karte zeigten. Im bislang einzigen schwachen WM-Spiel des deutschen Torhüter-Duos Johannes Bitter und Silvio Heinevetter trafen die Norweger fast nach Belieben. Zwar stellte Coach Brand nach einer Auszeit beim Stand von 20:27 (48.) die Abwehr noch einmal, um neue Impulse zu setzen. Doch nutzte dies nichts mehr, um das Debakel abzuwenden.

dpa

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