Hambüchen: "Muss mich nicht schämen"

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Fabian Hambüchen ist sein Buch nicht peinlich

Berlin - Die Ablehnung seiner Turn-Gefährten war heftig. Doch Fabian Hambüchen gibt sich unbeeindruckt und hofft, dass seine Autobiografie ein Erfolg wird.

Spott der Teamgefährten juckt ihn wenig: Für Turn-Star Fabian Hambüchen ist das Gefühl, künftig als “Autor“ zu gelten, einfach nur “Wahnsinn“. “Nichts ist banal. Nie kamen bei mir Zweifel auf, dass es ein missglücktes Projekt werden könnte“, erklärte der 22-jährige Ex-Weltmeister bei der Vorstellung seiner 235-seitigen Autobiografie, die natürlich nicht er selbst, sondern die Co-Autoren Kai Psotta und Sandra Beckedahl aufgeschrieben haben. “Es war schön, so intensiv über viele Sachen zu reden und sich auch Frust von der Seele zu schreiben“, sagte Hambüchen in Berlin.

Am Rande der deutschen Meisterschaften, bei denen Hambüchen nur mit dem Titel am Reck überzeugte, seine einstige Führungsposition aber eingebüßte, war sein “Werk“ das Gesprächsthema Nummer 1. Da seinen Gefährten aus dem Europameister-Team aber bislang nur Vorabdrucke bekannt waren, wo bizarre Sex-Beichten dominierten, kam der einstige Leitwolf nicht gut dabei weg.

“Da schreibt einer mit 22 sein Leben auf, das kann doch nur schnulli sein“, lästerte Doppel-Europameister Matthias Fahrig. Ob er sich das Buch kaufen wolle? “Nein, so einen Groschenroman muss ich mir nicht geben.“ Und auf Hambüchens Frage nach seinem Gesundheitszustand konterte Fahrig schmunzelnd: “Wie es mir geht, kannst du in meinem nächsten Buch lesen.“

Hambüchen entschuldigte sich am Montag fast für die flachen Passagen zu seinem Liebesleben. “Das sind Dinge, die fast jeder in diesem Alter erlebt hat. Dafür brauche ich mich nicht zu schämen, das muss mir auch nicht peinlich sein“, meinte er.

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Obwohl er vorab ankündigte, in seinem Buch mit einigen Feinden abzurechnen, spart er kritische Worte an den Deutschen Turner-Bund (DTB) nach der spannungsgeladenen Funkstille in Peking geflissentlich aus. Hambüchen hatte 2008 den Olympiasieg verpasst und “nur“ Bronze gewonnen. “Wir haben die Situation lange an Hambüchens Küchentisch diskutiert. Aber dann war die Familie der Meinung, dass es da um hoch-politische Fragen geht, die den Leser nicht so interessieren“, schilderte Kai Psotta die Situation nach dem in Peking eskalierten Streit zwischen Hambüchen und DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam.

Dafür bekommt eine Lehrerin im Buch ihr Fett weg, die für Hambüchen noch im Jetlag nach der Rückreise von der Turn-WM 2005 in Melbourne eine Geschichts-Klausur ansetzte. “Ich war kurz davor, die Schule zu schmeißen“, schilderte er. “Null Punkte Fabian. Ja, der Kopf ist nicht nur dazu da, um Medaillen umzuhängen“, zitiert er die Reizworte der Lehrerin. “Ich kochte vor Wut“, gibt er zu.

Ein Schmunzeln ringt Hambüchen dem Leser ab, als er schildert, wie er mit Hilfe der Schule den Verband austrickste. Es habe Lehrgänge und Veranstaltungen gegeben, zu denen ihn der DTB schicken wollte, sein Trainer und Vater Wolfgang Hambüchen aber wenig Notwendigkeit für sein Erscheinen sah. “Also ging meine Mutter zum Direktor, zeigte ihm die Anfrage, aber sagte: 'Ich möchte nicht, dass Fabian dafür freigestellt wird'.“ Der Direktor habe nur gelacht und sein Einverständnis erteilt.

dpa

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