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Gold-Evi: Ihr junges Glück, ihr alter Ärger

Evi Sachenbacher-Stehle (l.) und Claudia Nystad liebkosen ihre Goldmedaillen
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Evi Sachenbacher-Stehle (l.) und Claudia Nystad liebkosen ihre Goldmedaillen

Whistler - Johannes Stehle verlor am Ende die Geduld. Kurzerhand umschlang er seine leichtgewichtige Ehefrau Evi im Stile seines Möbelpackers und trug sie aus der Mixed-Zone.

Die Dopingkontrolle stand kurz bevor, und der junge Mann mit den breiten Schultern wollte seine Liebste wenigstens noch in den verbleibenden Minuten ganz für sich haben. Evi Sachenbacher-Stehle wehrte sich denn auch nicht weiter gegen den entschlossenen Zugriff, säuselte noch ein freudiges „Schatzi“ und küsste im Beisein der Journalistenschar den rustikalen Charmeur.

Medaillenregen für Deutschland: Bilder des Glücks

Medaillenregen für Deutschland

In den Einzelrennen abgehängt, im Duett völlig unverhofft auf den Olymp gestürmt: Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad bescherten den deutschen Langläuferinnen am Montag in Whistler mit Sensations-Gold im Teamsprint das erste Edelmetall der Vancouver-Spiele. © dpa
“Es ist einfach nur geil“, sprudelte es aus der 29-jährigen Bayerin Sachenbacher-Stehle (rechts) heraus, die ihre drei Jahre ältere Partnerin beim Zieleinlauf innig umarmte und dabei ein paar Freudentränen verdrückte. © dpa
Sachenbacher Stehle (rechts): “Es war ein perfektes Rennen. Wir haben perfekt harmoniert, dann kommt so etwas dabei heraus“, stellte Nystad zufrieden fest. Dabei sei sie im Halbfinale “ganz schön blau gewesen“. © dpa
Das deutsche Frauen-Duo hatte sich vom hohen Anfangstempo der Schwedinnen Charlotte Kalla und Anna Haag nicht beeindrucken lassen und das Tempo stets mitgehalten. © dpa
“Ich habe von Anfang an versucht, an Kalla dranzubleiben. Das war unsere Taktik. Es ging viel leichter als gedacht“, erklärte Sachenbacher-Stehle (rechts), die bei jeder Attacke ihrer Gegnerin mitzog. © dpa
Auf der Zielgeraden zog dann Nystad (vorne) ihrer Kontrahentin Haag auf und davon. © dpa
Jubel bei Nystad (links) und Sachenbacher-Stehle. © dpa
Claudia Nystad beim Zieleinlauf. © dpa
Eine halbe Stunde nach den Frauen machten Axel Axel Teichmann (hinten) und Tim Tscharnke das deutsche Langlauf-Wunder im Callaghan Valley mit Sprint-Silber hinter den Norwegern perfekt. © dpa
Auch das Männer-Duo konnte sein Glück kaum fassen. “Bei Olympia auf dem Podest zu stehen, ist einfach sensationell und das auch noch gemeinsam mit dem Axel. Ich freue mich so für ihn. Er hatte ja immer nur Pech“, sagte der 20-jährige Tscharnke (rechts) über seinen zehn Jahre älteren Partner Teichmann, der bei der dritten Olympia-Teilnahme die erste Medaille einheimste. © dpa
Sensations-Erfolfg für die Skisprung-Adler: Sie haben am frühen Abend (deutscher Zeit) Silber im Teamspringen geholt. Von links jubeln Michael Neumayer, Andreas Wank, Martin Schmitt und Michael Uhrmann. © dpa
Strahlende Gesichter bei Michael Neumayer, Andreas Wank, Martin Schmitt und Michael Uhrmann. © dpa
Michael Uhrmann landet. © dpa
Michael Uhrmann jubelt. © dpa

Galt es doch gemeinsam ein ganz spezielles Glück auszukosten, ein sportliches Glück, mit dem wohl auch die Skilangläuferin aus Reit im Winkl nicht mehr gerechnet hatte. Zusammen mit Claudia Nystad gewann die 29-Jährige im Olympic Parc von Whistler den Teamsprint und sorgte damit – aus deutscher Sicht - für die bisher größte Überraschung dieser Winterspiele.

„Gold ist geil“, rief sie. Schon 2002 bei den Winterspielen in Salt

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Lake City war Evi Sachenbacher vorübergehend zur Gold-Evi aufgestiegen. Als Schlussläuferin der deutschen Staffel, die die gesamte Langlauf-Welt verblüffte. Auch Claudia Nystad, damals noch unter ihrem Mädchennamen Künzel, war mit von der Partie. „Das war etwas ganz Besonderes, weil die deutschen Langläuferinnen zuvor noch nie etwas gerissen hatten“, erinnert sich die Sportsoldatin.

Als Frohnatur aus den Bergen brachte sie es zu einiger Berühmtheit, holte in der Folgezeit noch sechs Medaillen bei Olympia und Weltmeisterschaften. In den vergangenen Jahren wurde es aber zusehends ruhiger um Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad. So dass Bundestrainer Jochen Behle nun in Whistler erklärte: „Wenn ich vor dem Rennen von Gold gesprochen hätte, hätte jeder gesagt: ,Der ist doch nicht in der Realität.'“

Er persönlich aber, so merkte der Chefcoach an, habe sich schon leise Hoffnungen gemacht, „dass die beiden um die Medaillen mitmischen können.“ Im Finale war dann Evi Sachenbacher-Stehle frühzeitig an die Spitze gelaufen. „Evis Leistung hat mich motiviert“, sagte Claudia Nystad, die auf der Zielgeraden die Schwedin Anna Haag sicher niederkämpfte.

Behle befand: „Die Mädels haben an sich geglaubt.“ Solche Belobigungen waren im Lager der deutschen Langlaufdamen allerdings schon länger nicht zu hören. Vielmehr hatte Behle vor kurzem noch zu einem Rundumschlag ausgeholt, einen radikalen Neuaufbau angekündigt und mangelnden Eifer der DSV-Läuferinnen beklagt: „Sie ziehen in vielen Dingen nicht mit. Es fehlen 150 bis 200 Trainingsstunden.“

Deutschland top! Der ewige Medaillenspiegel

Deutschland top! Der ewige Medaillenspiegel

Auf Platz 1: Deutschland. Insgesamt 128 Goldmedaillen hat die Bundesrepublik seit 1924 geholt (Stand 1.März 2010). Mit fünf Goldmedaillen und je zweimal Silber und Bronze ist Claudia Pechstein Deutschlands Olympionikin Nummer 1. © dpa
Platz 2: Russland. Mit 123 Goldmedaillen ist Russland der Bundesrepublik dicht auf den Fersen. Der russische Gold-Hamster schlechthin ist Ljubow Jegorowa mit sechs Goldmedaillen und dreimal Silber im Langlauf. © dpa
Mit nur 107 Goldmedaillen und insgesamt 50 Medaillen weniger als Deutschland wird Norwegen auf Platz 3 2010 keine Konkurrenz mehr. Björn Daehlie hat seinem Land zwischen 1992 und 1998 acht Gold- und vier Silbermedaillen eingebracht. © dpa
Die USA liegen mit 87 Goldmedaillen auf Platz 4. Eric Heiden erlief 1980 insgesamt fünf Goldmedaillen auf dem Eis. © dpa
Die Alpenrepublik Österreich liegt mit 55 Goldmedaillen auf dem 5. Platz. Felix Gottwald errang in der Nordischen Kombination zweimal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze. © dpa
Der Gastgeber der Spiele 2010, Kanada, liegt insgesamt mit 52 Goldmedaillen auf Platz 6 - dank des Seiges 2010. Clara Hughes errang für ihr Land je einmal Gold, Silber und Bronze. © dpa
Platz 7: Schweden mit 48 Goldmedaillen. Gunde Svan gewann zwischen 1984 und 1988 vier Goldmedaillen und je einmal Silber und Bronze im Langlauf. © dpa
Auf Platz 8 mit 44 Goldmedaillen liegt die Schweiz. Vreni Schneider (l.) erreichte zwischen 1988 und 1994 auf ihren Skiern dreimal den ersten Platz, einmal den zweiten und einmal den dritten. © dpa
Skandinavien ist in den Top Ten mehrfach vetreten: Finnland liegt auf Platz 9. Samppa Lajunen erlief zwischen 1998 und 2002 dreimal Gold und zweimal Silber. © dpa
Mit 37 Goldmedaillen liegt Italien auf Platz 10. Alberto Tomba führt mit drei Goldmedaillen und zwei Silbermedaillen die Liste der italienischen Olympia-Sportler an.
Die Niederlande belegen mit bisher 29 Goldmedaillen Platz 11. Eisschnellläufer Sven Kramer erlief je eine Medaille in Gold, Silber und Bronze für sein Land. © dpa
Auf Platz 12 liegt Frankreich mit 27 Goldmedaillen. Der französische Biathlet Vincent Jay gewann eine goldene und eine bronzene olympische Medaille. © dpa
Auf Platz 13 liegt Südkorea. Die Eisschnellläuferin Lee Sang-Hwa gewann 2010 in Vancouver eine Goldmedaille. © dpa
Auf Rang 14 liegt China, die seit 1980 neun Goldmedaillen gewannen. Durch die besseren Silbermedaillen schieben sie sch vor Japan und Großbritannein. © getty
Japan liegt auf Platz 15 der Weltrangliste. Shizuka Arakawa gewann 2006 in Turin die erste olympische Goldmedaille für den japanischen Eislaufverband. © dpa
Auf Platz 16 liegt Großbritannien mit acht Goldmedaillen. Alain Baxters Goldmedaille wurde ihm wegen Doping aberkannt. © dpa

Nach dem Rennen wurde aber auch der Kritiker Behle kritisiert. Peter Schlickenrieder, der 2002 Langlauf-Silber gewann und nun bei Olympia als Co-Kommentator im Einsatz ist, erklärte: „Es ist für Behle an der Zeit, sich bei den Mädchen zu entschuldigen.“ Zugleich rühmte er den Auftritt des Sprint-Duos: „Die Frauen sind immer kritisiert worden für taktisch blinde Leistungen – aber das war eine Meisterleistung.“

Behle wollte die Seitenhiebe nicht auf sich sitzen lassen. Schlickenrieder bezeichnete er als „Außenstehenden, der sich zum Experten erklärt“ und keine Ahnung von Teaminternas habe. Nur ist es aber auch Tatsache, dass Behle schon seit Jahren auf Kriegsfuß mit einigen seiner Langläuferinnen steht, speziell mit Evi Sachenbacher-Stehle. „Es ist mir egal, was da einer sagt und was er für eine Meinung hat“, befand sie über den Bundestrainer, ohne seinen Namen zu nennen.

Sie rege sich schon längst nicht mehr auf, „weil ich ja weiß, dass vor jedem Höhepunkt was kommt“. Inzwischen hat die Olympiasiegerin offenbar eine eigene Technik entwickelt, Behles Nörgeleien zu ignorieren: „Das geht bei mir ins eine Ohr rein und aus dem anderen raus.“ Nach heiler Langlauf-Welt hörte sich das nicht gerade an. Auch wenn Behle sagte: „Für uns ist das ein genialer Traumtag.“

Armin Gibis

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