French Open: Görges mit Energieleistung weiter

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Julia Görges steht in Runde 3

Paris - Nach einer Energieleistung hat Julia Görges bei den French Open in Paris als erster deutscher Tennisprofi die dritte Runde erreicht. Gegen Lucie Safarova fand sie zunächst kein Mittel.

Julia Görges im Freudentaumel, Sabine Lisicki im Gefühlschaos: Die Power-Frauen haben am vierten Tag der French Open für reichlich Emotionen gesorgt. Eine große Überraschung verpasste dabei Qualifikantin Lisicki, die nach dem Spiel weinend zusammenbrach und mit der Trage vom Court gebracht werden musste. Die Berlinerin konnte beim 6:4, 5:7, 5:7 in der zweiten Runde gegen die Weltranglistendritte Wera Swonarewa (Russland) einen Matchball und eine 5:2 Führung im entscheidenden Satz nicht nutzen.

Nach einer zweistündigen Achterbahnfahrt der Gefühle ging Julia Görges kurz in die Knie und schrie dann ihre Freude heraus: Die Hoffnungsträgerin zog bei den French Open in Paris als erste aus dem Kreis der deutschen Tennisprofis in die dritte Runde ein und stellte dabei ihre neu gewonnene mentale Stärke eindrucksvoll unter Beweis. Mit 2:4 hatte die Weltranglisten-18. Görges im zweiten Satz bereits zurückgelegen, ehe sie das Blatt noch wenden konnte und mit 2:6, 7:5, 6:2 gegen Lucie Safarova (Tschechien) gewann.

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„Meine Leistung war am Anfang eines Grand Slams nicht würdig. Ich war gar nicht auf dem Platz und habe mich gefragt, was machst du hier eigentlich“, sagte Görges mit Blick auf ihre verschlafene Anfangsphase. Auf den rechten Weg führte die 22-Jährige auch ihr selbst entworfenes Mental-Buch zurück, das sie bei den Seitenwechseln immer wieder zur Hand nahm: „Darin steht, was ich spielen soll. Mit Textmarker unterstrichen.“

Um einen Platz im Achtelfinale spielt Görges am Freitag gegen Lokalmatadorin Marion Bartoli (Franreich/Nr. 11) oder Qualifikantin Olga Gowortsowa aus Weißrussland. Am Mittwoch und Donnerstag hatten noch sieben weitere deutsche Profis die Chance, in die dritte Runde von Roland Garros einzuziehen. „Zu den Turnierfavoriten zähle ich mich aber nicht“, erklärte die Stuttgart-Siegerin.

Görges fand zunächst kein Mittel gegen das aggressive Spiel von Linkshänderin Safarova, die in der Rangliste 19 Plätze hinter der Fed-Cup-Spielerin steht. Immer wieder haderte Görges mit ihrem fehlerhaften Spiel. Erst nach dem 2:4-Rückstand im zweiten Durchgang gelang der jetzt immer sicherer spielenden Bad Oldesloerin die Wende. „Ich habe mir selbst noch die Chance gegeben, das Match zu gewinnen. Das war der Knackpunkt“, meinte Görges. Im letzten Durchgang führte sie schnell mit 3:0 und verwandelte nach 2:01 Stunden den zweiten Matchball.

In den vergangenen Wochen hatte Görges mit zwei Siegen über die Branchenführerin Caroline Wozniacki (Dänemark) sowie ihrem Coup in Stuttgart und der Halbfinal-Teilnahme in Madrid große Erwartungen geschürt. Vor Roland Garros hatte die 22-Jährige allerdings die Turniere in Brüssel und Rom wegen einer Rückenverletzung absagen müssen. Bei einem Grand-Slam-Tournament ist Görges bislang noch nie über die dritte Runde hinausgekommen.

Großen Anteil am Aufstieg der hochaufgeschossenen Powerspielerin hat Trainer Sascha Nensel. Der frühere Coach von Nicolas Kiefer machte Görges fitter und flexibler. „Ich konnte früher nur von der Grundlinie draufhauen und 'Bum-Bum' spielen. Heute warte ich länger ab, bis ich die Gewinnschläge probiere“, meinte Görges, die auch viel im mentalen Bereich mit der früheren Profispielerin Eva Pfaff gearbeitet hat.

Ihre Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic indes freute sich auch am Tag nach ihrem Auftakterfolg in der „Stierkampfarena“ über ihre neue Coolness. Vor einem Jahr noch hatte sie in Paris im Zweitrundenmatch gegen die damalige Titelverteidigerin Swetlana Kusnezowa (Russland) vier Matchbälle vergeben und verloren. „Der Unterschied zu damals ist, dass ich jetzt in wichtigen Phasen ruhig bleibe. Früher bin ich nervös geworden“, meinte die Weltranglisten-Zwölfte Petkovic, die am Donnerstag auf Lucie Hradecka trifft.

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Gegen die Tschechin hat „Petko“ die bisherigen drei Duelle verloren. Das letzte im Februar 2010 im Fed Cup in Brünn, als sie sich nach eigener Aussage „vor Angst in Hose gemacht“ hatte. Die Petkovic des Jahres 2011 aber hat einen Plan B in der Tasche, weiß inzwischen auch knifflige Situationen zu überstehen. Obwohl der Druck auf die Australian-Open-Viertelfinalistin nach dem Aufstieg in der Weltrangliste enorm gestiegen ist. „Es ist definitiv eine neue Situation“, sagte die Hessin, dankt aber wie immer positiv: „Aber wenn man ganz nach oben will, muss man lernen, damit umzugehen.“

Petzschner ausgeschieden

Philipp Petzschner aus Bayreuth hat derweil den Sprung in die dritte Runde verpasst. Der Weltranglisten-70. verlor nach schwacher Leistung gegen den Qualifikanten Steve Darcis (Belgien) in 1:56 Stunden mit 5:7, 4:6, 4:6. Wimbledon-Doppelsieger und Mannschafts-Weltmeister Petzschner war beim zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres noch nie über die zweite Runde hinausgekommen. Darcis ist in der Bestenliste 65 Ränge schlechter platziert als Petzschner.

Favoritinnen geben sich keine Blöße

Keine Blöße gaben sich Vorjahresfinalistin Samantha Stosur (Australien) beim 6:0, 6:2 gegen die Rumänin Simona Halep und Caroline Wozniacki. Die dänische Weltranglistenerste, die noch auf ihren ersten Grand-Slam-Titel wartet, bezwang Aleksandra Wozniak (Kanada) 6:3, 7:6 (8:6). Auch Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer (Schweiz) steht nach einem klaren 6:3, 6:0, 6:2 gegen Wildcard-Inhaber Maxime Teixeira (Frankreich) in der dritten Runde.

sid

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