"Frechheit, Tour de France nicht zu zeigen"

+
Tony Martin

Hamburg - Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin hat ARD und ZDF heftig für ihre Entscheidung kritisiert, die Tour de France nicht zu übertragen.

„Für mich ist das eine Frechheit. Das Interesse der Leute ist da. Es wäre die Pflicht der öffentlich-rechtlichen Sender, den Wünschen der breiten Masse zu entsprechen. Umso unverständlicher wird das Ganze, wenn man sieht, dass ARD und ZDF hundert Millionen Euro in den Fußball stecken“, sagte der Cottbuser vom Team Quickstep der Sport Bild im Vorfeld der 99. Frankreich-Rundfahrt (30. Juni bis 22. Juli), die am Samstag in Lüttich startet.


Die Gewinner der Tour de France seit 1989

1989: Greg LeMond (USA, auf dem ersten Platz stehend) © Getty Images
1990: Greg LeMond (USA) © Getty Images
1991: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1992: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1993: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1994: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1995: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1996: Bjarne Riis (Dänemark) Riis gab später zu, gedopt zu haben . Die Disqualifikation ist nicht möglich, da die Verwendung von Doping nach acht Jahren verjährt. Die Organisatoren der Tour de France hatte Riis zunächst aus ihrer Siegerliste gestrichen. Mittlerweile wird er dort wieder geführt. © Getty Images
1997: Jan Ullrich (Deutschland) © Getty Images
1998: Marco Pantani (Italien) © Getty Images
1999: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2000: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2001: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2002: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2003: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2004: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2005: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2006: Floyd Landis (USA). Landis wurde aber am 21. September 2007 der Titel aberkannt. Er war positiv auf Testosteron getestet worden. © Getty Images
Dafür wurde Oscar Pereiro nachträglich zum Gewinner der Tour de France 2006 erklärt. © Getty Images
2007: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2008: Carlos Sastre (Spanien) © Getty Images
2009: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2010: Alberto Contador (Spanien) © dpa
2011: Cadel Evans (Australien) © ap
2012: Bradley Wiggins (Großbritannien) © ap

Für ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz ist die Kritik nicht nachvollziehbar. „ARD und ZDF konnten bei ihrer Entscheidung die Dopingdiskussionen in den letzten Jahren und das damit verbundene abnehmende Interesse der deutschen Fans nicht negieren. Außerdem ist für die Fans durch Eurosport eine Liveübertragung gewährleistet“, sagte Gruschwitz dem SID.


ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky ergänzte: „Die Glaubwürdigkeit des Radsports hat bei unseren Zuschauern durch die Dopingthematik in den vergangenen Jahren massiv gelitten. Allein seit 2006 wurde zwei ursprünglichen Tour-Siegern, Floyd Landis 2006 und Alberto Contador 2010, der Titel wegen Einnahme verbotener Mittel aberkannt. Der Radsport muss nun zeigen, dass der Tour-Sieger in Zukunft auch Monate und Jahre nach der Siegerehrung noch genauso heißt wie am letzten Tag der Tour in Paris.“

ARD und ZDF hatten Anfang 2011 nach zahlreichen Dopingskandalen ihren Ausstieg aus den Live-Übertragungen angekündigt und die Tour im Vorjahr letztmals übertragen. Zuvor hatten die beiden Sender über viele Jahre mit großem Aufwand berichtet, die ARD war zudem als Sponsor des Team Telekom/T-Mobile um Jan Ullrich aufgetreten.

Für Tony Martin richtet sich derweil der Blick in den kommenden drei Wochen bereits auf die Olympischen Spiele. „Für mich steht das Zeitfahren in London ganz klar im Mittelpunkt. Aber ich bin meinem Teamsponsor gegenüber in der Pflicht. Für den ist die Tour das Allerwichtigste. Also muss ich versuchen, bei der Tour Ausrufezeichen zu setzen und trotzdem nicht alle Körner zu verschießen.“

sid

Kommentare