Extremboßler aus Bayern verlieren gegen Friesen

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Um die bis zu 800 Gramm schwere Gummikugel dreht sich beim Boßeln alles.

Schillig - Im „Kampf der Kulturen“ besiegten die Küstenbewohner im ersten sportlichen Nord-Süd-Duell im Boßeln die süddeutsche Mannschaft.

Selbstbewusst steht das bayerische Team mit Trachtenhosen und Fahne an der Nordseeküste. Ihm gegenüber haben sich die Kontrahenten, sieben Männer und zwei Frauen, allesamt Friesen, aufgebaut. Die Süddeutschen haben die Herausforderung für das erste sportliche Nord-Süd-Duell im Boßeln am Samstag im niedersächsischen Schillig angenommen. Auf ungewohnt flachem Terrain wollen die Bayern nach anstrengender Reise und nur drei Stunden Schlaf die Küstenbewohner in ihrem “Nationalsport“ schlagen. Vom “Kampf der Kulturen“ sprechen die Teams spaßeshalber, bevor sie im Wettstreit die rund 900 Gramm schweren roten Boßelkugeln über das flache Land treiben.

Boßeln hat im Norden eine lange Tradition und seine Wurzeln in der Wehrertüchtigung. Auch in der Literatur findet sich der Sport. Im “Schimmelreiter“ beschreibt der Dichter Theodor Storm (1817-1888) den spannenden Kampf zwischen Deichgraf Hauke Haien und dem Großknecht Ole Peters. “Da flog es wie eine Stahlkraft in Haukes Arm; er neigte sich ein wenig, er wiegte die Kugel, man hörte ihr Sausen, wie sie die Luft durchschnitt.“ 

Heute kommen auch im Süden zwei Mal im Jahr bis zu 100 Menschen zusammen, um den norddeutschen Traditionssport zu spielen. Sie nennen sich Extremboßler, weil sie nicht auf ebener Strecke spielen, sondern die Kugel Berghänge hochwerfen und rollen. Da kann es nach Ohners Aussage schon passieren, dass man die selbe Strecke 15 oder 16 Mal spielen muss, weil die Kugel immer wieder runterrollt. Bei allem Spaß wird am Samstag an der Wettkampfstrecke auch gefachsimpelt. “Tiefer laufen, nach oben antreiben“ oder “nicht hoch genug angesetzt“ kommentieren die Teams die Würfe ihrer Mitstreiter.

Einige Schritte Anlauf, dann wird die Kugel geworfen und muss möglichst lange auf der geraden Strecke am Deich entlang rollen. Einige Würfe gelingen meisterlich, andere landen schon nach wenigen Metern in der nassen Wiese mit Schafkötteln. Die Regeln des Sports mit historischen Wurzeln sind einfach. Die Strecke wird festgelegt und wer die wenigsten Würfe braucht hat gewonnen“, sagte der Kapitän der Norddeutschen, Friedo Gerdes.

Am Schluss siegen die erfahrenen Friesen über die bayerischen Bergboßler. Doch grämen will sich niemand. “Es geht einfach nur um den Spaß“, sagt Gabi Ohner aus München. “Ich muss das auch üben, ich habe alles gegeben“, sagt der Teamführer der Bayern, Walter Lidschreiber, noch während des Wettstreits. Er entdeckte das Boßeln 1995 in Schleswig-Holstein für sich. “Ich habe dann sofort Kugeln gekauft und Leute gesucht.“

Die Idee für das Duell hatte der Tourismusverband Nordsee GmbH. “Die Idee steht seit Anfang des Jahres“, sagt Geschäftsführer Oliver Melchert. Man habe dann die Extremboßler im Internet gefunden und eingeladen. Man wolle den Süddeutschen zeigen, was das Schöne im Norden ist, und künftig auch mehr solche Aktionen starten.

Beim weniger ernsten Nord-Süd-Duell haben die Teams in jedem Fall Lust auf Mehr bekommen. Für den Friesen Thorsten Sassen wäre es eine neue Erfahrung, auch einmal am Berg zu Boßeln. “Ich würde mit nach Bayern fahren.“

dpa

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