107. Frankreich-Rundfahrt

Ewan widmet Tour-Etappensieg Degenkolb und Co

Caleb Ewan feiert seinen Sieg auf der 3. Etappe der Tour de France. Foto: Benoit Tessier/Reuters Pool/AP/dpa
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Caleb Ewan feiert seinen Sieg auf der 3. Etappe der Tour de France. Foto: Benoit Tessier/Reuters Pool/AP/dpa

Mit drei Siegen war Ewan 2019 der Sprintstar bei der Tour. Am Montag schlägt er erstmals zu und widmet den Sieg Sturzopfer Degenkolb. Ewans Vorgänger Greipel quält sich ins Ziel. Die Franzosen feiern die Triumphfahrt 2.0 von Alaphilippe.

Sisteron (dpa) - Caleb Ewan und Roger Kluge klatschten sich vor der schmucklosen Häuserwand in Sisteron kurz ab, dann galt der erste Gedanke bereits den Sturzopfern John Degenkolb und Philippe Gilbert.


«Den Sieg möchte ich den beiden Jungs widmen. Wir hatten so viele Stürze und zwei Fahrer eingebüßt. Aber wir haben den Kopf oben behalten», sagte Ewan, nachdem er unter Mithilfe von Lokomotive Kluge auf dem dritten Teilstück nach 198 Kilometer von Nizza nach Sisteron den Sieg vor dem Iren Sam Bennett und dem Italiener Giacomo Nizzolo geholt hatte.

Eine schöne Entschädigung für das Lotto-Soudal-Team, nachdem am ersten Tag Ewans prominente Kollegen Degenkolb und den Belgier Gilbert das Rennen nach Sturzverletzungen verlassen hatten. Mit sechs Mann ging die Reise weiter, doch auf Ewan war Verlass - mal wieder. Wie ein Slalom-Fahrer schoss er durch das Feld nach vorne. «Sieg ist Sieg. Er hat es öfter bewiesen, er findet seinen Weg», sagte Kluge, der die Vorarbeit geleistet hatte. «Ein Gläschen Champagner wird es geben, aber morgen warten schon die Berge.»


Ewan, der klein gewachsene Mann aus Sydney, hatte 2019 Greipel beim belgischen Rennstall abgelöst. Für den deutschen Altstar ist der Traum vom zwölften Tour-Etappensieg dagegen ganz weit weg. «An Sprinten ist momentan nicht zu denken. Ich muss sehen, dass ich ins Ziel komme», sagte der 38-Jährige, der nach seinem Sturz am Samstag mit vier Stichen genäht worden war und nun auf Platz 134 ins Ziel trudelte. Und Kollege Nils Politt fügte hinzu: «Wir hoffen, dass sich sein Knie erholt, damit wir wieder für André sprinten können.»

Die Ovationen am Straßenrand gehörten aber vornehmlich dem französischen Liebling Julian Alaphilippe, der am Sonntag triumphiert hatte und wie im Vorjahr ins Gelbe Trikot geschlüpft war. «Die Fete kann beginnen», schrieb das Tour-Organ «L'Equipe» und rechnete bereits vor, wie lange diesmal die Reise in Gelb andauern könnte. 2019 hatte Alaphilippe 14 Tage lang das Gelbe Trikot getragen, diesmal könnte es zumindest bis zu den Pyrenäen reichen. Auch wenn die Gesamtwertung nicht das Ziel sei, werde er das Gelbe Trikot mit Ehre verteidigen.

Am Montag war sein Spitzenrang - Alaphilippe liegt vier Sekunden vor dem Briten Adam Yates - nicht in Gefahr. Der Franzose erreichte mit dem Hauptfeld das Ziel, genauso wie die Topfavoriten um Vorjahressieger Egan Bernal aus Kolumbien. Auch Emanuel Buchmann konnte für die erste Bergankunft am Dienstag Kräfte sammeln. «Bei 100 Prozent bin ich noch nicht, aber ich bin zufrieden. Von den Schmerzen merke ich fast nichts mehr. Ich bin optimistisch», sagte der Vorjahresvierte, der den vielen Stürzen an den ersten beiden Tagen aus dem Weg gegangen ist.

Diesmal lief alles glatt, auch wenn die Fahrer auf dem Weg nach Sisteron wieder Regen begleitete. Nachdem der letzte Ausreißer Jérôme Cousin 16 Kilometer vor dem Ziel eingeholt war, kam es zum erwarteten Sprint. Dort konnte Greipel, mit 156 Siegen immerhin der erfolgreichste Fahrer im Feld, nicht mitmischen. Sein letzter Tour-Etappensieg liegt inzwischen schon vier Jahre - damals in Paris - zurück. Überhaupt wartet der Mann vom Team Israel Start-Up Nation nun schon seit 19 Monaten auf einen Erfolg.

Am Dienstag wird es erstmals für die Favoriten richtig ernst, wenn die erste Bergankunft ansteht. Nach 160,5 Kilometern geht es zur 1825 Meter hoch gelegenen Skistation in Orcières-Merlette hinauf. Der Berg der ersten Kategorie weist über 7,1 Kilometer eine durchschnittliche Steigung von 6,7 Prozent auf. Entscheidende Minuten werden die Topstars hier zwar nicht rausholen, aber bei einem schlechten Tag können durchaus die Tour-Träume beendet sein.

© dpa-infocom, dpa:200831-99-377955/5

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