DSV-Springer als krasse Außenseiter zur Tournee

+
Die deutschen Skispringer Martin Schmitt (l.) und Michael Uhrmann bei den Olympischen Spielen 2010. Die Routiniers führen die deutschen Skispringer zur Vierschanzentournee, doch die großen Hoffnungsträger sind zwei Youngster.

Oberstdorf - Die Wettquoten bei den Buchmachern sind so hoch wie nie, die Aussichten auf Siege gering wie seit Jahren nicht. Bonjour Tristesse bei den deutschen Skispringern, kurz vor Start der Vierschanzentournee.

Nach einem schwachen Saisonstart gehen Deutschlands Skispringer als krasse Außenseiter in die 59. Vierschanzentournee, die am Dienstag mit der Qualifikation in Oberstdorf beginnt. Bundestrainer Werner Schuster schreibt seine Schützlinge dennoch nicht ab und traut vor allem Severin Freund und Pascal Bodmer weite Flüge zu. “Natürlich würden wir lieber als Favoriten anreisen. Aber mit einem guten Start kann uns die eine oder andere Überraschung gelingen“, sagte Schuster.


Wer beim Wettenanbieter bwin 1 Euro auf einen Auftaktsieg von Martin Schmitt, Michael Neumayer oder Stephan Hocke setzt, kassiert im unwahrscheinlichen Erfolgsfall 151 Euro. Die Quoten sind mehr als bloße Zahlenspielerei, spiegeln sie doch den Saisonverlauf im Weltcup wieder. Kein Podestplatz, nur drei Top-Ten-Resultate durch Neumayer in Kuopio sowie Hocke und Freund in Engelberg - die deutschen Springer waren im WM-Winter bisher nur Mittelmaß.

Und doch sieht Schuster vor Beginn der Traditionsveranstaltung Licht am Ende des Tunnels. “Ich fahre mit einem deutlich besseren Gefühl hin als im Vorjahr. Da hatten wir als Team im Weltcup zwar mehr Punkte gesammelt, aber der Trend ging abwärts. Dieses Mal geht es bergauf. Das Potenzial ist deutlich größer“, verkündete der Chefcoach zuversichtlich.


Von seinem ambitionierten Ziel ist er deshalb nicht abgerückt. “Wir wollen mit ein, zwei Athleten unter den Top Ten präsent sein. Das bleibt der Anspruch. Wenn die Springer, allen voran Freund und Bodmer, mit dem richtigen Feuer reingehen, bin ich zuversichtlich, dass wir das schaffen“, erklärte Schuster. Er weiß allerdings auch: “Wenn es in Oberstdorf in die Hose geht, haben wir bis Garmisch wenig Zeit, etwas zu korrigieren.“

Bodmer, der bei der Generalprobe in Engelberg seine ersten Weltcup-Punkte im WM-Winter sammelte, fühlt sich bereit: “Ich mag die Schanze in Oberstdorf und daher kommt mir der Auftakt hier entgegen“, meinte der 19-Jährige. Schuster wähnt den Youngster auf dem richtigen Weg: “Er kann für eine Überraschung sorgen.“

Neuer Hoffnungsträger im Team ist aber Freund, in dieser Saison bisher bester DSV-Springer. “Ich habe mich in den vergangenen Jahren permanent steigern können und in diesem Winter ist mir ein größerer Schritt gelungen. Es wäre natürlich schön, wenn ich mein Potenzial bereits bei der Tournee voll ausschöpfen könnte“, sagte der 22-Jährige aus Rastbüchl.

Beim ersten Saison-Höhepunkt soll das Duo den tausenden Fans, die trotz der seit knapp vier Jahren anhaltenden Sieglosigkeit im Weltcup wieder an die Schanzen pilgern werden, und einem Millionenpublikum vor den Fernsehgeräten ein Spektakel bieten. “Freund hat das Potenzial für die Top Ten. Er muss da nur mental reinwachsen. Bodmer war zuletzt mit ihm auf Augenhöhe“, meinte Schuster.

Der eloquente Österreicher steht erstmals seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2008 richtig unter Druck, denn bislang war es stets bergauf gegangen. In seiner ersten Saison als Bundestrainer feierte Schmitt ein großartiges Comeback, das er mit WM-Silber krönte. Und in der Vorsaison wurde so manches Problem durch Team-Silber bei den Olympischen Winterspielen übertüncht. “Für mich ist das eine neue Situation, weil ich in all meinen Trainerjahren mehr auf der Sonnen- als auf der Schattenseite war“, bekannte Schuster.

Er hat daher im Vorfeld vor allem gegenüber den Routiniers Schmitt, Neumayer und Michael Uhrmann eine härte Gangart angeschlagen, denn “an meiner sportlichen Kompetenz zweifle ich nicht. Wir haben keine großen Fehler gemacht.“ Die jahrelangen Leistungsträger seien nun gefordert. “Speziell auf den ersten zwei Tourneestationen müssen die Leute Farbe bekennen“, forderte Schuster.

Von Eric Dobias, dpa

Kommentare