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Doping-Probe positiv - aber Cielo darf starten

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Daumen hoch! Cesar Cielo darf starten

Shanghai - Mit einer Hypothek starten bei der Schwimm-WM in Shanghai die Becken-Wettbewerbe. Trotz einer positiven Dopingprobe darf Freistil-Olympiasieger Cesar Cielo starten.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigte am Donnerstag die Verwarnung des brasilianischen Verbandes. Dagegen war der Weltverband FINA vor den CAS gezogen, um das Startrecht des Doppel-Weltmeisters von 2009 klären zu lassen.

Cielo, hinter dem Frankfurter Marco di Carli der Zweitschnellste in diesem Jahr über 100 Meter Freistil, hatte einen Furosemid-Befund mit verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln erklärt. Für zwei weitere brasilianische Schwimmer blieb es ebenfalls bei einer Verwarnung. Vinicius Waked wurde als Wiederholungstäter hingegen für ein Jahr gesperrt. Alle drei waren allerdings nicht für eine WM-Teilnahme vorgesehen.

Eine Urteilsbegründung will der CAS erst in einigen Wochen liefern. Von Seiten der FINA gab es am Donnerstag zunächst keinen Kommentar. Es wurde lediglich auf eine ohnehin für Samstag geplante Pressekonferenz verwiesen. Am Mittwoch hatte es in Shanghai eine sechsstündige Anhörung des brasilianischen Schwimmer-Quartetts gegeben.

Der deutsche Leistungssportdirektor Lutz Buschkow wollte sich mit einer Bewertung zurückhalten und erst die Urteilsbegründung abwarten. “Meiner Ansicht nach müsste die Begründung schon sehr treffend sein. Ein klares Urteil wäre besser gewesen, auch für den Weltverband, damit jeder weiß, woran er ist“, sagte er.

Vor Bekanntwerden des Urteils war Cielos Fall bereits wochenlang in der Schwimm-Szene diskutiert worden. Viele Spitzenathleten äußerten ihr Unverständnis ob der Milde des brasilianischen Verbandes. Freistil-Olympiasieger Alain Bernard (Frankreich) und Australiens Ass Geoff Huegill bezeichneten in Sozialen Netzwerken die Verwarnung als “zu weich“ und “unglaublich“.

Der Hamburger Steffen Deibler hatte zuvor erklärt: “Man macht sich natürlich seine Gedanken, ich will natürlich hoffen, dass sie nicht kollektiv dopen.“ Über 50 Meter Schmetterling ist Deibler (“Ich würde gesperrt werden in Deutschland, definitiv.“) einer der Konkurrenten des Weltjahresbesten Cielo. Für Rückenschwimmer und Medizinstudent Helge Meeuw ist “in letzter Konsequenz jeder Sportler dafür verantwortlich, was in ihm gefunden wird“. Diese Argumentation verfolgte auch die FINA, die erst vor kurzem eine Kehrtwende ihrer zuletzt als zu lasch geltende Anti-Doping-Politik vollzogen hatte.

Cielo, Nicholas dos Santos, Henrique Barbosa und Waked waren im Mai bei bei den brasilianischen WM-Ausscheidungen in Rio de Janeiro positiv auf das Diuretikum Furosemid getestet worden. Dieses Mittel kann Doping verschleiern. Cielo, Olympiasieger über 50 Meter Freistil und WM-Titelverteidiger über 50 und 100 Meter Freistil, hatte dies mit verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln erklärt. Der brasilianische Verband belegte ihn daraufhin nur mit einer Verwarnung. Möglich, und bei vergleichbaren Fällen auch schon vorgekommen, wäre auch eine Sperre von bis zu zwei Jahren gewesen.

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
Doping - die dümmsten Ausreden
Ex-Sprinter Dennis Mitchell nutzte seinen positiven Dopingbefund, um sich als Sexprotz zu outen. Das viele Testosteron komme von einer wilden Partynacht, in der er seine Frau verwöhnt habe. „Fünf Flaschen Bier und mindestens vier Mal Sex mit seiner Frau. Es war ihr Geburtstag. Die Lady hatte es verdient“, so lautete sein Statement. © Getty
Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
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Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
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Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
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Die wohl abgefahrenste Ausrede für Blutdoping hatte Radsportler Tyler Hamilton: “Ich bin ein Mischwesen. Die fremden Zellen in meinem Körper werden von den Stammzellen meines vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert." © Getty
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Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Johann Mühlegg soll eine Spezial-Diät gemacht haben, wegen der in seinem Kreislauf eine EPO-ähnliche Substanz nachgewiesen wurde... © Getty
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Auf den Hund gekommen: Frank Vandenbroucke behauptete, als bei ihm Anabolika und EPO sichergestellt wurden, die Mittel seien für seinen asthmakranken Hund bestimmt gewesen. © Getty
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Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Ex-T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler nahm angeblich Präparate zu sich, auf denen chinesische Schriftzeichen standen. Nur doof, dass er kein Chinesisch kann. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey © Getty
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Keiner war über einen positiven Dopingtest so verwundert wie Patrik Sinkewitz: "Ich? Das kann nicht sein", wunderte er sich. Und das ist noch nicht mal eine Ausrede... © Getty
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Ex-Radprofi Rolf Aldag gibt dem System die Schuld. Ohne EPO-Missbrauch hätte er im T-Mobile-Team keinen neuen Vertrag bekommen. © Getty
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Erik Zabel sagte, er habe nur einmal EPO probiert. Die Substanz habe aber nicht mit seinem Körper und Geist harmoniert. © Getty
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400-Meter-Olympiasieger LaShawn Merritt wurde nach positiven Dopingproben gesperrt. Die positiven Tests ließen sich mit der Einnahme eines frei erhältlichen Produkts zur Vergrößerung des männlichen Geschlechtsteils erklären, sagte sein Berater. © dpa
Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

Daraufhin hatte die FINA beim CAS Widerspruch erhoben und ein Schnellverfahren bis zum Beginn der WM-Beckenwettbewerbe am kommenden Sonntag angestrengt. Die FINA wollte einen möglichen Weltmeister unter Vorbehalt und eine Hängepartie wie im Fall des Doping-belasteten spanischen Radprofis Alberto Contador bei der Tour de France verhindern. Offensichtlich folgte aber der CAS der Erklärung Cielos. Obwohl der Hersteller des Nahrungsergänzungsmittels beteuert hatte, aus seinem Produkt könne das Diuretikum nicht stammen.

Auf völliges Unverständnis ist bei Dopingjäger Werner Franke das Urteil gestoßen. „Das hat eine neue Qualität. Ab jetzt wäre ja jeder dumm, wenn er nicht Furosemid nimmt“, sagte der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke dem SID. Für Franke ist „das alles nicht nachvollziehbar, zumal die Einnahme anderer Diuretika schon zu Strafen geführt haben.

Er könne das alles nur noch ironisch und sarkastisch nehmen, meinte Franke. Die Begründung Cielos, Furosemid mit einer Koffeinkapsel eingenommen zu haben, wundert ihn: „Koffein ist doch auch nicht erlaubt, es ist ein Aufputschmittel. Aber die Dopingkenner wissen ja, wieviel sie von beiden Mitteln gemeinsam nehmen müssen.“

dpa/sid

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