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Bruckmühler für Paralympics nominiert

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Bruckmühl - Seit vier Jahren ist Franz Hanfstingl querschnittsgelähmt. Jetzt ist er für die Paralympics in Vancouver nominiert.

Ehemals Freerider mit wilden Sprüngen über Schanzen im Funpark, ist Franz Hanfstingl nun Monoski-Spezialist und hat sich diesem Winter mit Top-Platzierungen bei Europacuprennen das "Paralympics-Ticket" im Ski-alpin-Kader erkämpft.

Mit strahlenden Augen sitzt Franz Hanfstingl am Esstisch in Thalham, kann die Entwicklung kaum realisieren: Vergangene Woche die überraschende Nominierung ins Paralympics-Team, jetzt heißt es schon Koffer packen. Denn: heute, Freitag, geht es bereits los, vor den Spielen in Vancouver (12. bis 21. März) steht noch das Weltcup-Finale in Aspen/USA auf dem Programm.

"Ich habe zwar auf die Nominierung gehofft, fest gerechnet habe ich angesichts der Konkurrenz im Kader allerdings nicht damit", so der junge Bruckmühler, der seit einem tragischen Skiunfall am Wendelstein im Rollstuhl sitzt. An jenem Schicksalstag war Franz Hanfstingl, damals noch keine 25 Jahre alt, im frisch verschneiten Wendelsteingebiet unterwegs, abseits der Piste, verfuhr sich im immer dichter werdenden Wald, verlor sämtliche Spuren aus den Augen. Dann der verhängnisvolle Schritt: "Ich dachte, ein paar Meter weiter wäre die Piste, doch plötzlich war vor mir eine Kante und ich stürzte nach unten", erinnert sich der junge Skifahrer. Sechs, sieben Meter freier Fall, vermutet er, direkt auf die Gleise der Wendelsteinbahn - etwa 100 Meter oberhalb der Mittelstation. Sofort waren Helfer zur Stelle, per Hubschrauber wurde der Verunglückte in die Unfallklinik nach Murnau geflogen - Hanfstingl: "Ich spürte sofort, dass etwas nicht stimmt." Diagnose: Fraktur des zweiten Lendenwirbels, ein "inkompletter Querschnitt".

Drei Monate lang verbrachte der junge Bruckmühler in der Klinik, Rehamaßnahmen schlossen sich an. "In der Klinik sagte mir ein Pfleger, ich solle nicht aufgeben, ich könnte doch bei den Paralympics starten", blickt Franz Hanfstingl zurück. "Damals wollte ich so etwas weder hören noch glauben."

Doch Zufall und Willensstärke führten den jungen Bruckmühler auf den Weg nach "Vancouver 2010": Im Winter 2006/07, dem ersten nach dem Unfall, probierte Hanfstingl zum ersten Mal einen Monoski aus - "in Ostin, beim Nachtskifahren, damit mich keiner sieht." Nach anfänglichen Schwierigkeiten fand er sich schnell mit dem neuen Sportgerät zurecht - und nahm im darauf folgenden Winter das Training auf. Seine Ziele: Sudelfeld und Spitzing. Zum Ende des Winters kam ihm der Zufall zu Hilfe, die Aufforderung eines Kaderfahrers zur Teilnahme an einem Ländercuprennen. "Mein erster Riesenslalom, den ich dann gleich gewonnen habe", freut sich der 29-Jährige noch heute.

Damit war seine Karriere vorgezeichnet: die Aufnahme ins Nachwuchsteam des Deutschen Paralympics-Skiteams (DPS), erste Sichtungslehrgänge und gemeinsame Trainingsfahrten im Herbst 2008. Als Nationalfahrer und Ratgeber immer mit dabei: Martin Braxenthaler aus Traunstein (Monoski), mehrfacher Olympiamedaillengewinner, Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger.

Franz Hanfstingl ist für Paralympics nominiert

 © Mangfall-Bote
 © Mangfall-Bote
 © Mangfall-Bote
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 © Mangfall-Bote
 © Mangfall-Bote

Und schon stand der erste Rennwinter vor der Tür: Europacuprennen im Pitztal, in Schweden, internationale Rennen in Tschechien und Österreich - wobei Hanfstingl gar die österreichische Meisterschaft für sich entschied. Die Disziplinen: Slalom, Riesenslalom, Abfahrt, Super G und Super-Kombi (Slalom und Super G).

Nach einem harten Trainings-Sommer - inklusive eines Handbike-Marathons in Köln - folgte nun der "Olympia-Winter": Top-Ten-Platzierungen bei Europacuprennen, gar zwei dritte Plätze zuletzt in La Molina/Spanien und Arta Terme/Italien, sicherten dem Bruckmühler (inzwischen im DPS-Förderkader) nun mehr oder weniger überraschend das "Vancouver-Ticket": "Ich dachte eigentlich, ich hätte keine Chance mehr, weil es bei zwei Weltcuprennen diesen Winter nicht so toll gelaufen ist", so Hanfstingl - wohl aus Nervosität, vermutet er. Umso glücklicher ist er, nun doch den Sprung in den Nationalkader geschafft zu haben.

Und ein weiteres Erfolgserlebnis konnte der Bruckmühler diesen Winter für sich verbuchen: Er schaffte als erster Monoskifahrer überhaupt einen "360"-Sprung (komplette Drehung) vom "großen Kicker", einer Funpark-Schanze. "Dabei ist mir mein Training von früher zugute gekommen, ich habe es noch im Gefühl, wie schnell ich die Schanze anfahren muss", so Hanfstingl. Dennoch: Viele Stürze hätten seinen Weg bis dahin gepflastert - "man muss schon die Zähne zusammenbeißen." Hinsichtlich seiner Leidenschaft, dem Fun-Skifahren, hat der Bruckmühler bereits ein weiteres Ziel im Visier: die X-Games in den USA.

Abfahrtsrennen auf dem "Franz's Run"

Nun heißt es für Franz Hanfstingl aber erst einmal, zusammen mit seinen Monoski-Kaderkollegen Braxenthaler, Thomas Nolte und Anna Schaffelhuber (plus drei "Steher" und ein Sehbehinderter) olympische Luft in Vancouver zu schnuppern: Startschuss ist am 13. März mit dem Abfahrtsbewerb, dann folgen Super G (15. März), Super-Kombi (16. März), Riesenslalom (19. März) und Slalom (21. März). Hanfstingl hofft nun auf möglichst viele Starts, um sich beweisen zu können - speziell die Abfahrt läge ihm am Herzen: Sie findet auf der Damenstrecke (verkürzt) statt, dem "Franz's Run". Angst vor der schnellen, sturzgefährlichen Strecke hat der Bruckmühler nicht: "Bei den Sprüngen käme mir meine Erfahrung aus dem Funpark zugute."

"Nie aufgeben", hat sich Franz Hanfstingl seit seinem Unfall auf die Fahne geschrieben - seine Willenskraft hat ihn nun zum Ziel geführt. "Ich kann deshalb nur jedem nach einem solchen Unglück raten, das wieder zu machen, was einem früher schon Spaß gemacht hat", spricht der 29-Jährige aus Erfahrung.

Gantner/Mangfall-Bote

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