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Zwanziger gegen Koch: DFB vor Zereißprobe

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Theo Zwanziger (li.)ist im Klinsch mit DFB-Vize-Präsident Reiner Koch.

Frankfurt - Die Affäre um den ehemaligen Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell belastet nun auch das DFB-Präsidium. Vizepräsident Rainer Koch traf sich überraschend mit Amerell, das wiederum gefällt DFB-Boss Theo Zwanziger überhaupt nicht.

Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) droht im Zuge der Affäre um den früheren Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell eine Zerreißprobe auf Präsidiumsebene. DFB-Boss Theo Zwanziger scheint erzürnt und hat seinen Vize-Präsidenten Rainer Koch zum Rapport bestellt. Koch hatte sich zuletzt mit Amerell zu einem geheimen Gespräch getroffen, ohne Zwanziger in Kenntnis gesetzt zu haben.

„Es stimmt, dass ich mich mit Herrn Amerell getroffen habe. Ich werde in der nächsten Präsidiumssitzung meine Gründe nennen“, sagte Koch der Bild-Zeitung. Worum es in dem Gespräch mit Amerell ging, wollte Koch jedoch nicht öffentlich sagen: „Aber es war im Sinne des DFB.“ DFB-Präsident Zwanziger habe er nach dem Treffen über das Gespräch informiert.

Koch, der im Februar 2010 seinen Aufgabenbereich im Schiedsrichterwesen aufgegeben hatte, muss nun jedoch bereits vor der Präsidiumssitzung Stellung zu seinem verbandsintern nicht abgestimmten Treffen beziehen. Amerell wird vom DFB vor allem wegen der Sex-Affäre mit dem ehemaligen FIFA-Referee Michael Kempter als „unerwünschte Person“ geführt. Zwanziger fühlt sich nun anscheinend von Koch hintergangen und will über die Hintergründe des Gesprächs informiert werden.

Die seit fast zwei Jahren schwelende Affäre Amerell/Kempter ist auch Auslöser des jüngsten Schiedsrichterskandals beim DFB. Prominente deutsche Schiedsrichter sollen massiv Steuern hinterzogen haben. Amerell hat bereits zugegeben, dass er mit einer Anzeige die Steueraffäre ausgelöst hatte. Die Staatsanwaltschaft München I hat Ermittlungen aufgenommen und am Montag vor einer Woche bereits zahlreiche Häuser und Wohnungen durchsucht.

Unter anderem sollen sich deutsche Referees ihre internationalen Honorare von der FIFA auf Konten in Liechtenstein und der Schweiz überweisen lassen haben. Die Einnahmen sollen anschließend nicht ordnungsgemäß versteuert worden sein. Es soll sich nach Angaben von Steuerfahndern um sechsstellige Beträge handeln. Dennoch gibt sich DFB-Präsident Zwanziger vorerst weiter gelassen: „Ich gehe davon aus, dass bei den allermeisten Fällen eher wenig oder überhaupt nichts herauskommen wird“, sagte Jurist Zwanziger und unterstrich, dass „Verdacht und Beweis noch lange nicht das Gleiche“ seien.

Die größten Schiri-Pannen bei WM-Turnieren

Die größten Schiri-Pannen bei WM-Turnieren

1934: Beim zweiten WM-Turnier hat die Bevorzugung von Gastgeber Italien offenbar System. Im Viertelfinale gegen Spanien (1:1) wird ein reguläres Tor der Iberer von Schiedsrichter Louis Baert aus Belgien nicht anerkannt. (Foto: Guiseppe Meazza) © dpa
Die Italiener können ungestraft foulen. Im notwendigen Wiederholungsspiel sind sieben Spanier verletzt. Der Siegtreffer zum 1:0 der Italiener ist irregulär, zwei reguläre Tore der Spanier werden vom später international gesperrten Schweizer Referee Rene Mercet nicht anerkannt. (Foto: Italien-Keeper Ricardo Zamora) © dpa
1966: Das Wembley-Tor. Die Mutter aller Fehlentscheidungen. Im WM-Finale schießt Geoff Hurst den Ball an die Unterkante der Latte. Damals war nicht klar erkennbar, ob sein Schuss zum 3:2 hinter der Torlinie aufgeprallt war. © dpa
Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst gab den Treffer nach Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter Tofik Bachramow dennoch. England wurde durch ein 4:2 Weltmeister. Diskutiert wird über Jahrzehnte. Erst dann lassen wissenschaftliche Analysen vermuten: Es war wohl kein Tor. © dpa
1982: Der deutsche Fußball zeigt sein hässliches Gesicht. Im WM- Halbfinale gegen Frankreich rammt Torwart Toni Schumacher den auf ihn zueilenden Patrick Battiston außerhalb des Strafraums rabiat um. Battiston erleidet Wirbelverletzungen, eine Gehirnerschütterung und verliert mehrere Zähne. © dpa
Schiedsrichter Charles Corver ahndet das rüde Foul nicht. Es gibt Tor-Abstoß für Deutschland. Schumacher zeigt sich zunächst wenig einsichtig. “Ich zahle ihm seine Jacketkronen“, merkt er unsensibel an. Später versöhnen sich die Profis - und die Zähne kommen ins Museum (Foto). © dpa
1986: Die “Hand Gottes“ greift in die Fußball-Geschichte ein. Diego Armando Maradona springt im WM-Viertelfinale höher als der englische Torwart Peter Shilton und köpft den Ball ins Tor - meint man. In der Zeitlupe wird klar, was Schiedsrichter Ali Ben-Naceur aus Tunesien nicht gesehen hat. Mit der Faust bugsierte “der Göttliche“ den Ball ins Netz. Der Tor-Betrug wirft England aus dem Turnier. © Getty
Argentinien wird später Weltmeister und Maradona nicht nur in seiner Heimat kulthaft verehrt. Dem Genie wird der Hand-Streich nachgesehen. © Getty
1990: Ein Duell voller Emotionen. Deutschland gegen die Niederlande im WM-Achtelfinale in Mailand. Einer verliert die Nerven (der Holländer Frank Rijkaard) und einer den Überblick (Schiedsrichter Juan Carlos Lousteau aus Argentinien). Nach den Spuck-Tiraden Rijkaards gegen Rudi Völler stellt er beide Spieler vom Platz. © dpa
Der unschuldige Völler kann die Ungerechtigkeit nicht fassen. Seine Teamkollegen kämpfen auch für ihn und siegen 2:1. Völler und Rijkaard versöhnen sich später und machen gemeinsam Butter-Werbung. © Getty
2006: Im WM-Finale verliert Zinedine Zidane nach einer üblen verbalen Provokation durch Marco Materazzi die Nerven. Der Kopfstoß des Franzosen bekommt Kult-Charakter. Die Rote Karte für Zidane durch Schiedsrichter Horacio Elizondo ist regelkonform. © dpa
Aber wie wurde der Referee auf die Tätlichkeit aufmerksam. Bis heute halten sich Gerüchte, dass der vierte Unparteiische nur durch Ansicht der TV- Bilder am Spielfeldrand das Vergehen sah. Dann hätte der bei der FIFA noch verpönte Video-Beweis durch die “Hintertür“ Einzug gehalten. © dpa
2010: Wiedergutmachung für Wembley! Im Achtelfinale erzielt Frank Lampard den 2:2-Ausgleich für England. © dpa
Trainer Capello jubelt schon, aber Schiedsrichter Jorge Larrionda gibt das Tor nicht, obwohl der Ball von der Unterkante der Latte deutlich hinter der deutschen Torlinie aufprallt. Auch nicht nach Wayne Rooneys Protesten (Foto) Deutschland siegt mit 4:1. Verteidiger Per Mertesacker merkt in Anspielung auf 1966 süffisant an: “Man sieht sich immer zweimal“. England leckt seine Wunden und die Schiri- Diskussion bei der WM in Südafrika entbrennt richtig. © dpa
2010: Keine fünf Stunden nach der Panne von Bloemfontein gibt es die nächste gravierende Schiedsrichter-Fehlleistung. Der bis dahin schon durch affektierte Pfeiferei aufgefallene Italiener Roberto Rosetti übersieht wie sein Linienrichter eine klare Abseitsstellung des Argentiniers Carlos Tevez vor dessen 1:0. © AP
Wütende Proteste der Mexikaner nützen nichts. Rosetti bleibt beim Fehlurteil. Argentinien gewinnt 3:1 und bucht das Viertelfinale gegen Deutschland. © dpa

Allerdings sollen einige der betroffenen Schiedsrichter ihre Steuervergehen bereits zugegeben haben. Von den Fahndern verdächtigt werden unter anderem der FIFA-Referee Felix Brych (München) sowie Amerells früherer „Liebling“ Michael Kempter, der bereits wegen Steuerhinterziehung bereits vor zwei Jahren zu einer Geldstrafe in Höhe von 23.750 Euro verurteilt worden war. Nach Angaben von Kempter-Anwalt Christoph Schickhardt hat Kempter den Behörden alle Unterlagen zur Verfügung gestellt.

Unterdessen hält sich die Führung der Schiedsrichter-Kommission derzeit weiter bedeckt. DFB-Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel (Kyllburg) will sich zu den laufenden Ermittlungen nicht äußern. Insgesamt sollen 20 Referees im Verdacht stehen, Steuern hinterzogen zu haben. „Es gibt ja so etwas wie ein Steuergeheimnis. Ich gehe aber davon aus, dass die Schiedsrichter selbst ein Interesse daran haben, uns über diese Angelegenheit zu informieren“, sagte derweil Zwanziger.

Ausgelöst worden war die Schiedsrichter-Steueraffäre von Amerell, dem finanzielle Unregelmäßigkeiten bei Kempter aufgefallen waren. Beide liefern sich seit Monaten eine juristische Auseinandersetzung. Zwanziger rechnet damit, dass Amerell in Zukunft weitere unliebsame Dinge der Öffentlichkeit präsentiert. „Nach allem, was bislang geschehen ist, kann ich das beim besten Willen nicht ausschließen“, so der DFB-Boss, der fordert: „Wir müssen zumindest einen Versuch starten, dass es hier zu einer irgendwie gearteten Einigung kommt oder eben das Schlimmste verhindert wird.“

 SID

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