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Unmut bei Referee-Medientag: "Nicht in Nordkorea"

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Der Uruguayer Jorge Larrionda musste nach seiner Fehlentcheidung getröstet werden

Johannesburg - Ein Maulkorb für die Referees, Plattitüden vom Obmann und ein Massenauflauf der Medien: Der Pressetag der WM-Unparteiischen in Pretoria geriet am Dienstag zur Farce.

Der Spanier Aranda, Leiter der FIFA- Schiedsrichter-Abteilung, bezeichnete die Leistungen seiner Spielleiter, die weltweit in die Kritik geraten sind, erneut als “exzellent“ und meinte: “Es gab nur vier, fünf Fehlentscheidungen in insgesamt 54 Spielen.“ Fragen zu Einführung von elektronischen Hilfsmitteln wollte er nicht beantworten: “Das ist Sache der FIFA und des International Football Association Boards.“

Der Uruguayer Jorge Larrionda, der beim Deutschlands-Sieg das “Wembley-Tor“ von Frank Lampard nicht gegeben hatte, sowie sein italienischer Kollege Roberto Rosetti, der beim Achtelfinalerfolg Argentiniens gegen Mexiko ein klares Abseitstor von Carlos Tevez anerkannte, waren “aus persönlichen Gründen“ (Aranda) erst gar nicht erschienen. Der ZDF-Experte und frühere FIFA-Unparteiische Urs Meier aus der Schweiz zeigte vor allem mit Larrionda Mitleid: “So etwas hat man die nächsten zehn Jahren immer vor Augen. Das ist, wie wenn man als Spieler im WM-Finale einen Elfmeter verschießt.“

Die größten Schiri-Pannen bei WM-Turnieren

Die größten Schiri-Pannen bei WM-Turnieren

1934: Beim zweiten WM-Turnier hat die Bevorzugung von Gastgeber Italien offenbar System. Im Viertelfinale gegen Spanien (1:1) wird ein reguläres Tor der Iberer von Schiedsrichter Louis Baert aus Belgien nicht anerkannt. (Foto: Guiseppe Meazza) © dpa
Die Italiener können ungestraft foulen. Im notwendigen Wiederholungsspiel sind sieben Spanier verletzt. Der Siegtreffer zum 1:0 der Italiener ist irregulär, zwei reguläre Tore der Spanier werden vom später international gesperrten Schweizer Referee Rene Mercet nicht anerkannt. (Foto: Italien-Keeper Ricardo Zamora) © dpa
1966: Das Wembley-Tor. Die Mutter aller Fehlentscheidungen. Im WM-Finale schießt Geoff Hurst den Ball an die Unterkante der Latte. Damals war nicht klar erkennbar, ob sein Schuss zum 3:2 hinter der Torlinie aufgeprallt war. © dpa
Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst gab den Treffer nach Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter Tofik Bachramow dennoch. England wurde durch ein 4:2 Weltmeister. Diskutiert wird über Jahrzehnte. Erst dann lassen wissenschaftliche Analysen vermuten: Es war wohl kein Tor. © dpa
1982: Der deutsche Fußball zeigt sein hässliches Gesicht. Im WM- Halbfinale gegen Frankreich rammt Torwart Toni Schumacher den auf ihn zueilenden Patrick Battiston außerhalb des Strafraums rabiat um. Battiston erleidet Wirbelverletzungen, eine Gehirnerschütterung und verliert mehrere Zähne. © dpa
Schiedsrichter Charles Corver ahndet das rüde Foul nicht. Es gibt Tor-Abstoß für Deutschland. Schumacher zeigt sich zunächst wenig einsichtig. “Ich zahle ihm seine Jacketkronen“, merkt er unsensibel an. Später versöhnen sich die Profis - und die Zähne kommen ins Museum (Foto). © dpa
1986: Die “Hand Gottes“ greift in die Fußball-Geschichte ein. Diego Armando Maradona springt im WM-Viertelfinale höher als der englische Torwart Peter Shilton und köpft den Ball ins Tor - meint man. In der Zeitlupe wird klar, was Schiedsrichter Ali Ben-Naceur aus Tunesien nicht gesehen hat. Mit der Faust bugsierte “der Göttliche“ den Ball ins Netz. Der Tor-Betrug wirft England aus dem Turnier. © Getty
Argentinien wird später Weltmeister und Maradona nicht nur in seiner Heimat kulthaft verehrt. Dem Genie wird der Hand-Streich nachgesehen. © Getty
1990: Ein Duell voller Emotionen. Deutschland gegen die Niederlande im WM-Achtelfinale in Mailand. Einer verliert die Nerven (der Holländer Frank Rijkaard) und einer den Überblick (Schiedsrichter Juan Carlos Lousteau aus Argentinien). Nach den Spuck-Tiraden Rijkaards gegen Rudi Völler stellt er beide Spieler vom Platz. © dpa
Der unschuldige Völler kann die Ungerechtigkeit nicht fassen. Seine Teamkollegen kämpfen auch für ihn und siegen 2:1. Völler und Rijkaard versöhnen sich später und machen gemeinsam Butter-Werbung. © Getty
2006: Im WM-Finale verliert Zinedine Zidane nach einer üblen verbalen Provokation durch Marco Materazzi die Nerven. Der Kopfstoß des Franzosen bekommt Kult-Charakter. Die Rote Karte für Zidane durch Schiedsrichter Horacio Elizondo ist regelkonform. © dpa
Aber wie wurde der Referee auf die Tätlichkeit aufmerksam. Bis heute halten sich Gerüchte, dass der vierte Unparteiische nur durch Ansicht der TV- Bilder am Spielfeldrand das Vergehen sah. Dann hätte der bei der FIFA noch verpönte Video-Beweis durch die “Hintertür“ Einzug gehalten. © dpa
2010: Wiedergutmachung für Wembley! Im Achtelfinale erzielt Frank Lampard den 2:2-Ausgleich für England. © dpa
Trainer Capello jubelt schon, aber Schiedsrichter Jorge Larrionda gibt das Tor nicht, obwohl der Ball von der Unterkante der Latte deutlich hinter der deutschen Torlinie aufprallt. Auch nicht nach Wayne Rooneys Protesten (Foto) Deutschland siegt mit 4:1. Verteidiger Per Mertesacker merkt in Anspielung auf 1966 süffisant an: “Man sieht sich immer zweimal“. England leckt seine Wunden und die Schiri- Diskussion bei der WM in Südafrika entbrennt richtig. © dpa
2010: Keine fünf Stunden nach der Panne von Bloemfontein gibt es die nächste gravierende Schiedsrichter-Fehlleistung. Der bis dahin schon durch affektierte Pfeiferei aufgefallene Italiener Roberto Rosetti übersieht wie sein Linienrichter eine klare Abseitsstellung des Argentiniers Carlos Tevez vor dessen 1:0. © AP
Wütende Proteste der Mexikaner nützen nichts. Rosetti bleibt beim Fehlurteil. Argentinien gewinnt 3:1 und bucht das Viertelfinale gegen Deutschland. © dpa

Die Schiedsrichter waren kurz vor der Fragerunde auf dem Trainingsplatz offensichtlich noch einmal von den FIFA- Verantwortlichen auf deren Linie eingeschworen worden. So lauteten die stereotypen Aussagen zur möglichen Einführung des Chips im Ball, die FIFA-Präsident Joseph Blatter Stunden zuvor zum Thema gemacht hatte: Das sei eine Entscheidung des Weltverbandes und des IFAB. “Kein Kommentar. Das müssen andere entscheiden“, sagte auch Wolfgang Stark, der einzige deutsche Referee in Südafrika.

Der 40-Jährige aus Ergolding und seine Assistenten Mike Pickel (Mendig) und Jan-Hendrik Salver (Stuttgart) haben trotz des Viertelfinal-Einzugs der deutschen Mannschaften die Hoffnung auf einen vierten WM-Einsatz nicht aufgegeben. “Es gibt noch keine Informationen. Wir müssen abwarten, wie es weitergeht“, sagte Stark. “Wir sind jedenfalls sehr zufrieden mit unseren Spielen. Alles, was jetzt noch kommen sollte, wäre eine Zugabe.“ Das Trio hatte die Begegnungen Argentinien - Nigeria, Slowenien - England und Uruguay - Südkorea souverän gepfiffen. Am Mittwoch sollen die ersten der insgesamt 29 Schiedsrichter-Gespanne die Heimreise antreten.

Der englische Referee Howard Webb erzählte, dass Larrionda “extrem enttäuscht“ von seinem Fauxpas war. Der Mexikaner Rodriguez Morena hatte den Uruguayer mit folgenden Worten getröstet: “Das Leben geht weiter. Wir sind Profis.“ Nur der Brasilianer Carlos Simon zeigte seinen Frust über die Schiedsrichter-Diskussionen: “Ihr müsst mehr arbeiten und weniger reden“, herrschte er die Journalisten an. Die wiederum wollten sich die unverständliche Medienpolitik der FIFA nicht gefallen lassen. “Wir sind hier nicht in Nordkorea. Warum sagen Sie nicht einfach ihre Meinung“, sagte einer zu FIFA-Obmann Aranda.

dpa

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