Offener Brief nach Fan-Wut

Watzke: "Es geht nicht darum, ob man Bier miteinander trinkt"

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Borussia Dortmund - Thomas Tuchel
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Dortmund - Am Dienstagmittag kam es zum Gespräch zwischen der Vereinsführung und Thomas Tuchel. Es war rasch beendet. 

UPDATE 16.20 Uhr: Watzke schreibt Offenen Brief an die Fans

Angesichts der Fan-Wut im Netz über den Rauswurf von Trainer Thomas Tuchel (siehe weiter unten) hat BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nun mit einem Offenen Brief an die Fans reagiert. Dieser wurde am Nachmittag auf der BVB-Homepage veröffentlicht. 

In dem Brief räumt Watzke ein, dass das sportliche Abschneiden des Teams mit Platz 3 und dem DFB-Pokalsieg "bemerkenswert" gewesen sei. Er könne daher das Unverständnis vieler Fans verstehen, die auf die Erfolge unter Tuchel verweisen. Jedoch seien auch Vertrauen, Respekt und Kommunikationsfähigkeiten wichtig. 

Die wichtigsten Zitate aus dem Offenen Brief: 

  • "Der BVB hatte mit Thomas Tuchel zwei erfolgreiche Jahre (...). Allerdings haben wir – Michael Zorc als Sportdirektor und ich – uns in dieser Zeit in der Zusammenarbeit mit dem Trainerteam auch aufgerieben." 
  • "Es geht bei der Wahrnehmung von Führungsverantwortung (...) nicht ausschließlich um das Ergebnis. Es geht immer auch um grundlegende Werte wie Vertrauen, Respekt, Team- und Kommunikationsfähigkeit, um Authentizität und Identifikation. Es geht um Verlässlichkeit und Loyalität."
  • "Mir ist wichtig, deutlich zu machen, dass es bei der Entscheidung nicht um die Frage ging, ob man ein Bier miteinander trinken oder Skat miteinander spielen kann. Wenn wir die Dinge derart banalisieren würden, wären wir verantwortungslose und schlechte Entscheider."
  • "Das sehr spezielle Verhältnis, das wir, insbesondere Michael Zorc und ich, zu Jürgen Klopp hatten, war nie der Maßstab für die Zusammenarbeit mit Thomas Tuchel und wird nicht der Maßstab bei künftigen BVB-Trainern sein."

Zum Abschluss erinnert Watzke daran, dass er mit Sportdirektor Michael Zorc und Präsident Dr. Reinhard Rauball den Verein schon durch andere schwierige Phasen geführt habe. Stets habe er dabei auf das Vertrauen der Fans bauen können. Er wirbt darum, es erneut zu bekommen. 

Den ganzen Offenen Brief können Sie hier lesen

UPDATE 13.22 Uhr: Statement vom BVB 

Kurz nachdem zuerst die BILD-Zeitung und dann Thomas Tuchel auf Twitter die Trennung vermeldeten, verkündete der BVB nun selbst über Facebook das Aus für den Pokalsieger-Trainer. 

Man gehe "ab sofort getrennte Wege". Dies sei das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc, Thomas Tuchel und dessen Berater Olaf Meinking. Laut BILD hat dieses Gespräch lediglich 21 Minuten gedauert. 

Die Klubführung bedankt sich in der Mitteilung bei Tuchel und seinem Trainerstab für die "sportlich erfolgreiche Arbeit", will aber zu den Hintergründen der Trennung im Detail schweigen. 

Nur so viel: Es sei ein längerer Prozess gewesen und der Rauswurf werde "von allen Klubgremien getragen". 

Weiter heißt es, offenbar um Geschäftsführer Hans-Joachim Watze zu schützen: "Der BVB legt großen Wert auf die Feststellung, dass es sich bei der Ursache der Trennung keinesfalls um eine Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Personen handelt. Das Wohl des Vereins Borussia Dortmund, den viel mehr als nur der sportliche Erfolg ausmacht, wird grundsätzlich immer wichtiger sein als Einzelpersonen und mögliche Differenzen zwischen diesen."

Erstmeldung: Tuchel bedauert das Aus - Fans entsetzt 

Wie die BILD Zeitung berichtet, dauerte das Abschlussgespräch lediglich 21 Minuten. Um 12.08 Uhr trat Tuchel mit seinem Berater Olaf Meinking im Hotel „L'Arrivée“ ein. 

Kurz darauf kam der Pokalsieger-Trainer wieder heraus. Zu einem BILD-Reporter sagte er: "An der Kürze der Saison-Analyse kann man sich denken, wie es ausgegangen ist."

Später meldete sich der Trainer über Twitter. Erst am Dienstag richtete Thomas Tuchel den Account ein. Hier bestätigte Tuchel seine Entlassung und bedankte sich bei den Fans und der Mannschaft für "zwei schöne, ereignisreiche und aufregende Jahre." Zudem bedauerte er, dass er für ihn beim BVB nicht weitergeht. 

Der Trainer und sein Stab erhalten eine vertraglich festgelegte Summe von 2,9 Millionen Euro. 

"Nicht mehr alle Tassen im Schrank"

In den Sozialen Netzwerken wird nun heftig über das Aus für Tuchel diskutiert. "Watze hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank! Da muss man sich echt schämen BVB-Fan zu sein", kommentierte etwa Dominik N. auf Twitter. "Kann nur mit dem Kopf schütteln", stimmt Ines L. zu. 

Twitter-Nutzer Dennis vergleicht in seinem Kommentar den BVB mit dem verhassten Reviernachbarn, der als Chaos-Klub gilt: "Hat schon Züge von S04!" Andere bedanken sich bei Thomas Tuchel für die Arbeit und Erfolge in den letzten beiden Jahren. 

Auch auf Facebook werden Watzke und Zorc für diese Entscheidung stark kritisiert. Unter dem Post zum Rauswurf auf der Vereinsseite gab es nach kurzer Zeit schon Hunderte Kommentare wie diese: 

Selbst Rote mischen sich in die Debatte ein: "Auch als Bayern-Fan bin ich sprachlos. Super Saison unter den Bedingungen. Großes Kompliment aus München", schrieb "OnTourAgain" auf Twitter. 

Die Fürsprecher für die Vereinsführung sind zumindest in den Sozialen Netzwerken klar in der Minderheit. Doch es gibt sie. Mancher erinnert daran, dass es auch eine Entfremdung zwischen dem Trainer und der Mannschaft gegeben haben muss: 

Punktbester Trainer und Pokalsieger

Tuchel muss nach zwei Jahren den Verein verlassen, obwohl er punktbester Coach der BVB-Geschichte ist (2,09 Punkte pro Partie) und mit den Borussen erstmals seit fünf Jahren wieder einen Titel gewann. 

Jedoch galt das Vertrauensverhältnis zwischen ihm und den BVB-Bossen Watzke und Zorc nachhaltig gestört. Am Samstag äußerte sogar BVB-Kapitän Marcel Schmelzer (29) öffentlich Kritik, weil sein Freund und Mannschaftskamerad Nuri Sahin nicht für den Kader des Pokalfinales nominiert wurde. 

Als heißester Kandidat für die Tuchel-Nachfolger wird der ehemalige Gladbach-Erfolgscoach Lucien Favre (59) gehandelt. Er trainiert momentan noch den OGC Nizza. 

Quelle: rosenheim24.de

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