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Staatsaffäre: Domenech vor Nationalversammlung

Raymond Domenech muss vor der französischen Nationalversammlung aussagen
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Raymond Domenech muss vor der französischen Nationalversammlung aussagen

Paris - Mit der Anhörung der wichtigsten Akteure will die französische Nationalversammlung Klarheit in den Skandal um die Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika bringen.

Nach Protesten des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter wurden die Medien jedoch am Mittwoch von der Anhörung des gescheiterten Nationaltrainers Raymond Domenech und des scheidenden Verbandschefs Jean-Pierre Escalettes ausgeschlossen. Der Fußballverband FFF habe darum gebeten, erklärte der zuständige Kulturausschuss.

Der Ausschuss hatte Domenech und Escalettes gleichzeitig geladen. Abgeordnete der Regierungsfraktion UMP verlangten die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Blatter hatte am Dienstag gewarnt: “Politische Einmischung wird von der FIFA geahndet werden.“ Er hatte auch Escalettes angekündigten Rücktritt bedauert. Sportministerin Roselyne Bachelot hatte den Rücktritt des 75-Jährige für unvermeidlich erklärt. Die FIFA hat bereits Fußballverbände wegen politischer Einmischung suspendiert.

Frankreichs WM-Aus und andere Blamagen

Die größten WM-Sensationen seit 1990

WM 2010: Frankreich sorgte für die erste große Blamage des Turniers: Nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Spielen gegen Uruguay und Mexiko benötigte die Equipe Tricolore in der abschließenden Partie gegen Gastgeber Südafrika unbedingt einen Sieg, um die Chancen aufs Weiterkommen zu wahren. Doch Ribéry & Co. unterlagen sang- und klanglos 1:2. Aus in der Vorrunde! © AP
WM 2010: Neuseeland trotzte dem Titelverteidiger Italien in der Vorrunde ein 1:1 ab. © AP
Und es kam sogar noch schlimmer für Italien: Das Aus für den Titelverteidiger in der Vorrunde! Und das als Tabellenletzter hinter Paraguay, der Slowakei und Neuseeland! Eine der größten Sensationen bei WM-Turnieren. © AP
WM 2010: Die Schweiz besiegte völlig überraschend im ersten Gruppenspiel Europameister Spanien mit 1:0. In den vorangegangenen 54 Spielen hatten die Iberer nur einmal verloren. © AP
WM 2006: Die Party-Boys von Trinidad & Tobago feierten ihr WM-Debüt mit einem sensationellen Unentschieden gegen Schweden. Nach dem 0:0 zum Auftakt gab es dann aber gegen England und Paraguay (jeweils 0:2) nicht viel zu holen. © Getty
WM 2002: Der Senegal war eine der großen Überraschungen bei der WM in Japan und Südkorea. Erst besiegten die Afrikaner im Auftaktspiel den Titelverteidiger Frankreich mit 1:0 ... © Getty
... später gab es im Achtelfinale einen 2:1-Sieg n.V. gegen die favorisierten Schweden. Im Viertelfinale kam das Aus gegen die Türkei (0:1 n.V.). © Getty
Auch Co-Gastgeber Südkorea war eine der Überraschungen bei der WM 2002. Das Weiterkommen im Achtelfinale gegen Italien (2:1 n.V.) kam einer Sensation gleich, wenngleich die Asiaten das eine oder andere Mal krass vom Schiedsrichter bevorzugt wurden. © Getty
Auch gegen Spanien im Viertelfinale gab es so manch zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidung. Südkorea kam ins Elfmeterschießen und gewann dort nach torlosen 120 Minuten mit 5:3. Der Halbfinaleinzug der Südkoreaner - sicher eine der bisher größten Sensationen bei Weltmeisterschaften. © Getty
WM 1998: Schon wieder eine Sensation, bei der die Spanier beteiligt waren: Nigeria besiegte die haushoch favorisierten Iberer im ersten Gruppenspiel mit 3:2 - auch der damalige Kölner Sunday Oliseh (l.) gehörte zu den Torschützen. Nigeria kam später ins Achtelfinale, Spanien schied aus. © Getty
WM 1994: Die WM in den USA hatte gleich in den ersten Tagen ihre ganz große Sensation, als Italien den tapferen Iren mit 0:1 unterlag (Tor: Ray Houghton). Irland scheiterte später im Achtelfinale an Holland, Italien verlor das Fionale gegen Brasilien im Elfmeterschießen. © Getty
Saudi-Arabien sorgte nicht nur für eine der größten Sensationen des Turniers 1994, sondern auch für das schönste Tor: Ali Owairan erzielte im Vorrundenspiel gegen Belgien einen Traum-Treffer nach einem Alleingang über gefühlte 100 Meter. Die Saudis zogen ins Achtelfinale ein (Aus gegen Schweden), genau dort war auch für Belgien Schluss (2:3 gegen Deutschland). © Getty
Ein Jahrhundert-Spiel mit sensationellem Ausgang war das Achtelfinale zwischen Argentinien und Rumänien. Die Osteuropäer zauberten gegen Batistuta & Co. und gewannen 3:2. Ilie Dumitrescu (Bild) erzielte zwei Tore. Rumänien schied dann im Viertelfinale gegen Schweden nach Elfmeterschießen aus. © Getty
Eine Sensation, auf die wir gerne verzichtet hätten: Bulgarien warf die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale 1994 mit 2:1 aus dem Turnier. Bundesliga-Legionär Yordan Letchkov (Hamburger SV) köpfte die Stars um Stoichkov, Balakov und Kostadinov ins Halbfinale, wo aber gegen Italien Endstation war (1:2). © Getty
WM 1990: Paukenschlag zum Auftakt der WM 1990 in Italien! Kamerun besiegte Weltmeister Argentinien durch einen Kopfballtreffer von Francois Omam-Niyik mit 1:0. Argentiniens Keeper Nery Pumpido durfte nach seinem kapitalen Patzer im Turnier nicht mehr ran. Argentinien kam ins Endspiel - scheiterte dort aber an Deutschland (0:1). © Getty
Kamerun sorgte für weitere Sensationen und zog als erste afrikanische Mannschaft überhaupt ins Viertelfinale einer WM ein. Roger Millas zwei Treffer gegen Kolumbien (2:1 n.V.) ebneten den Weg dazu. Im Viertelfinale schieden die "Unzähmbaren Löwen" dann unglücklich gegen England aus (2:3 n.V.) © Getty

Bachelot hatte am Dienstagabend vor dem Kulturausschuss erklärt, Es sei “niemals darum gegangen, den FFF unter Aufsicht zu stellen“. Sie habe niemals Druck auf Escalettes ausgeübt und nie den Rücktritt des demokratisch gewählten Funktionärs gefordert. Bachelot warf Domenech vor, “keine Autorität“ bei den Spielern mehr gehabt zu haben. Mannschaftskapitän Patrice Evra habe die Charta der Spielerpflichten nicht gekannt, die 2008 nach dem Debakel bei der Europameisterschaft formuliert worden sei. Hauptverantwortlich für das Drama seien die Spieler, die “verrückte Summen“ verdienten. Nicht Frankreichs Fußball sei in der Krise, sondern die Nationalelf.

Im FFF tobt derweil ein Machtkampf. Schatzmeister Bernard Desumer forderte den Rücktritt der gesamten Führung und erklärte sich bereit, als Interimspräsident einzuspringen. Das Vorstandsmitglied Bernard Saules erklärte dagegen: “Meine Solidarität hat Grenzen.“ Die Spiele müssten bestraft werden. Er sei nicht Domenechs Chef gewesen und sehe nicht ein, warum alle abtreten sollten, damit einige die Geschäfte dann übernähmen.

dpa

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