Spielergewerkschaft warnt vor Wechsl

Spieler werden vor Hoffenheim und HSV gewarnt

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Der Fall Derdiyok könnte für Hoffenheim und den HSV unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen.

Duisburg - Die Abschiebung von ungeliebten Spielern könnte für die Bundesligisten 1899 Hoffenheim und den Hamburger SV zu einem klassischen Eigentor bei der Verpflichtung von Neuzugängen werden.

Ausländische Profis werden offenbar von ihren nationalen Gewerkschaften sogar vor Wechseln zu 1899 dem HSV gewarnt. Dies bestätigte Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VDV, dem SID. „Wir hören aus anderen Ländern, dass die Spieler, die sich für die betreffenden Klubs interessieren, aus Gewerkschaftskreisen auf diese Problematik in Hoffenheim und auch beim Hamburger SV hingewiesen werden“, sagte Baranowsky und antwortete auf die Frage, ob dies eine konkrete Wechsel-Warnung sei: „Das ist sehr zugespitzt formuliert. Aber im Kern trifft es zu. Die Vorgänge werden international wahrgenommen und mit großer Verwunderung beurteilt.“ Auch die VDV informiert Spieler, die sich bei ihr über die betreffenden Vereine kundig machen wollen. „Wenn sich ein Spieler direkt mit einer entsprechenden Anfrage bei uns melden würde, würden wir ihm diese Infos natürlich nicht vorenthalten“, sagte Baranowsky.


Im Kraichgau und in der Hansestadt wurden zahlreiche Spieler vom Trainingsbetrieb der Profimannschaft ausgeschlossen. In Hoffenheim wurde die umstrittene „Trainingsgruppe 2“ eingerichtet, der unter anderem Ex-Nationaltorhüter Tim Wiese angehört.

Die Tops und Flops der Bundesliga-Saison 2012/2013

Es war eine Saison mit vielen Überraschungen, vielen persönlichen Auf- und Absteigern. Wir haben die Tops und Flops der 50. Bundesliga-Spielzeit aufgelistet. © dpa
Die Tops: CHRISTIAN STREICH: Als großer Zampano sieht sich Freiburg-Coach Streich nicht. Auch wenn der Bundesliga-Trainer des Jahres 2012 den SC Freiburg in dieser Saison zum Überraschungsteam gemacht und zu europäischen Weihen geführt hat. „Mir ist es ja lieber, wir bekommen Anerkennung statt Häme“, sagte Streich, der aus Eimeldingen nahe Freiburg stammt. Zur jüngsten Erfolgsstory trug auch die Vertragsverlängerung des 47-Jährigen bei. Fortsetzung folgt? © dpa
JUPP HEYNCKES: Mit „ein bisschen Wehmut“ lässt der 68-Jährige das Bayern-Team „auf Weltklasse-Niveau“ zurück. Einer der prägendsten deutschen Trainer nimmt Abschied von der Bundesliga - und will die Karriere als erneuter Gewinner der Champions League beenden. In die Annalen des nationalen Fußballs wird er mit der Meistersaison ohnehin eingehen. „Wir haben, glaube ich, alle Rekorde aufgestellt, die es in der Bundesliga in 50 Jahren aufzustellen gab.“ Fehlt nur das Triple. © dpa
HYYPIÄ/LEWANDOWSKI: Der eine hat keine Trainerlizenz, der andere kam aus der Nachwuchsarbeit. Nicht viele haben dem Duo Sami Hyypiä/Sascha Lewandowski bei ihrem Arbeitsbeginn am 1. April 2012 zugetraut, Bayer Leverkusen auf Erfolgskurs zu bringen. Doch der ruhige Finne und der akribische Lewandowski führten den Werksclub in die Champions League. Das Erfolgsmodell ist schon ein Auslaufmodell: Hyypiä wird alleiniger Bayer-Coach und Lewandowski kehrt freiwillig zur Jugend zurück. © dpa
STEFAN KIEßLING: Bundestrainer Joachim Löw möchte andere Spielertypen für seine Nationalmannschaft. Der 29 Jahre alte Kießling machte dafür in der Liga das, was er am besten kann: Tore. Mit 24 Treffern führt er nicht nur die Torjägerliste an. Zehn Tor-Vorbereitungen machen den gebürtigen Oberfranken vor dem letzten Spieltag auch zum Topscorer der Liga. Leverkusen spielt dank Kießling in der kommenden Saison wieder in der Champions League. © dpa
Die Flops:TIM WIESE: Der Mann war das Selbstbewusstsein in Person. Nach sieben Bremer Jahren wollte Tim Wiese als neuer Kapitän 1899 Hoffenheim in höhere Sphären führen. Das misslang kräftig. Der 31 Jahre alte Keeper wurde nicht nur zu einem Abstiegskandidaten, er stand beispielhaft für den Niedergang. Wiese, noch bei der EM 2012 Deutschlands Nummer zwei, stürzte auch persönlich ab. Selbst zwei Trainerwechsel in Hoffenheim änderten nichts an Wieses trauriger Rolle. © dpa
MARKO ARNAUTOVIC/ELJERO ELIA: Thomas Schaaf setzte lange Zeit auf die Problem-Profis Arnautovic (Foto) und Elia. Am Ende scheiterten alle drei. Auf dem Rasen enttäuschte das Offensiv-Duo komplett und sorgte nur außerhalb des Platzes für Schlagzeilen. Im Abstiegskampf wurden sie kurz vor einer Partie nachts wegen erhöhter Geschwindigkeit von der Polizei angehalten. Beide wurden suspendiert. Eine Zukunft in Bremen haben sie nicht. Trainer Schaaf seit Mittwoch auch nicht mehr. © dpa
ANDREJ WORONIN: Da hat Fortunas Trainer Norbert Meier kräftig daneben gelegen. Der ukrainische Nationalspieler hat dem Aufsteiger überhaupt nicht helfen können. Zehn Saisoneinsätze, sechsmal in der Startelf, eine Torvorlage und in der Rückrunde nur ein Spiel über 16 Minuten. Stattdessen: Disco-Besuche im Düsseldorfer Hafen, Verletzungen, zuletzt ein vierfacher Nasenbeinbruch - und keine Form. Ein Grund, warum Düsseldorf noch um den Klassenerhalt bangen muss. © AP
HEIMBILANZ GREUTHER FÜRTH: Das hatte selbst Tasmania Berlin nicht geschafft. Ohne einen einzigen Heimsieg müssen sich die Profis der SpVgg Greuther Fürth aus dem Oberhaus verabschieden. Nur vier Punkte konnte der Neuling bei seinem kurzen Intermezzo in der höchsten deutschen Spielklasse vor heimischer Kulisse verbuchen. „Ich habe gelernt, was Bundesliga ist. Und wir sind möglicherweise dafür ein paar Nummern zu klein“, bilanzierte Fürths Präsident Helmut Hack (Foto). © dpa

Die österreichische Gewerkschaft VdF hatte sich zuletzt vor HSV-Profi Paul Scharner gestellt. „In Österreich wäre dies dank des Kollektivvertrages nicht möglich. Da wurde bis zum OGH ausjudiziert, dass jeder Spieler, der einen Vertrag für die Profi-Mannschaft besitzt, auch dort jederzeit mittrainieren darf“, hatte der VdF-Vorsitzende Gernot Zirngast gesagt: „Es kann nicht sein, dass versucht wird, Spieler unter Druck und ohne Rücksicht auf ihre private Situation zur Auflösung ihres Vertrages zu zwingen und sie regelrecht zu mobben.“

Das Urteil des Arbeitsgerichts Mannheim beim Einspruch des Hoffenheimer Stürmers Eren Derdiyok bezeichnete Baranowsky derweil als „sehr unglücklich“. Das Gericht hatte den Antrag des Schweizers auf eine einstweilige Verfügung „aus prozessualen Gründen“ zurückgewiesen. Die Beschwerde des 25-Jährigen wurde inhaltlich aber als gerechtfertigt bezeichnet.

„Der Sieger ist natürlich der Spieler, weil seine Argumentation im Grundsatz keineswegs infrage gestellt wurde“, äußerte Baranowsky: „Der Richter hat wohl keine Eilbedürftigkeit gesehen, weil es diese Trainingsgruppe 2 ja schon seit einigen Wochen gibt. Dies würde in der Schlussfolgerung aber bedeuten, dass ein Spieler immer sofort klagen muss, um sein Recht auch zeitnah durch eine einstweilige Verfügung zu erhalten. Jetzt verzögert sich das Verfahren unnötig zu Lasten des Spielers. Dies entspricht nicht unserer Rechtsauffassung.“ Sollte es zum Hauptverfahren kommen, geht die VDV nach Angaben ihres Geschäftsführers „davon aus, dass der Spieler recht bekommen wird.“

Den Kollegen von Derdiyok, der vor einem Wechsel zum Hamburger SV steht und somit das Verfahren am 12. September nicht mehr anstrebt, rät die Spielergewerkschaft, den Weg zu Ende zu gehen. „Unsere Aufgabe ist es nicht, die Spieler vor Gericht zu drängen, sondern sie vielmehr bei der Lösung von Problemen individuell zu beraten und zu betreuen“, sagte Baranowsky: „Dabei weisen wir aber natürlich darauf hin, dass die Teilnahme am Trainingsbetrieb ein hohes Gut ist und dass sie vor Gericht sehr gute Erfolgschancen haben. Und auch, dass es in der Vergangenheit genügend Beispiele dafür gab, dass Spieler, die sich nicht gewehrt haben, danach große Probleme auf dem Spielermarkt hatten.“

Ob in Hoffenheim und Hamburg gütliche Lösungen gesucht wurden, wollte Baranowsky nicht beurteilen: „Zumindest kann dies nicht gelungen sein. Und in jedem Fall kann man solche Fälle eleganter lösen.“ In Westeuropa seien Fälle wie diese eher ungewöhnlich. Allerdings liste „das FIFPro-Schwarzbuch sogar noch viel schlimmere Fälle auf. So wurden beispielsweise in Osteuropa schon Spieler mit vorgehaltener Schusswaffe zum Vereinswechsel gezwungen“.

SID

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