Spiel gegen Leverkusen nicht überbewerten

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Der neue Sechziger-Trainer Marco Schmidt lobte sein Team: "Alle haben sich zerrissen."

Rosenheim - Torhüter Robert Mayer warnt nach dem Spiel gegen Leverkusen vor vielleicht allzu hohen Erwartungen an die nähere Zukunft der Sechziger: "Man darf so etwas nicht überbewerten".

Nicht zufällig also war er es, der in die fast schon überschäumende Euphorie nach der äußerst respektablen 0:2-Niederlage des Fußball-Bayernligisten TSV 1860 Rosenheim gegen Bayer Leverkusen ein bisschen Wasser in den Wein goss.

Doch auch er kam nicht umhin, zumindest ansatzweise in die Lobeshymnen einzustimmen: "Es war schon eine gute Vorstellung, Ordnung und Organisation haben gepasst."

Darauf lässt sich aufbauen, nicht mehr, nicht weniger. Bei aller Freude vor allem über die "richtig gute Arbeit in der Defensive" wusste auch Trainer Marco Schmidt, dass dieses knappe Ergebnis zumindest teilweise den schweren Beinen des deutschen Vizemeisters geschuldet war, dessen neuer Coach Robin Dutt erklärte: "Der Mannschaft sind nach den Trainingsstrapazen heute einige Dinge sehr schwer gefallen." Vergaß aber nicht zu erwähnen, dass dies auch irgendwie mit der engagierten Leistung des Gegners zu tun hatte.

Und genauso sollte man dieses Testspiel betrachten: Die Sechziger haben eine starke Partie gespielt, Leverkusen das Leben sehr schwer gemacht, das 0:2 drückt aber natürlich nicht den wahren Unterschied zwischen den beiden Mannschaften aus. Auf der einen Seite TopProfis wie Michael Ballack, Stefan Kießling, Lars Bender oder Tranquillo Barnetta, die noch Stunden vorher hart trainiert hatten und vor einem kräftezehrenden Trainingslager im Zillertal stehen, auf der anderen Seite ein Bayernliga-Team mit vielen Jungspunden, für die ein Spiel gegen diese Stars vielleicht der Höhepunkt ihrer Karriere ist. "Für die Jungs war das ein Highlight, die haben sich alle zerrissen", freute sich Marco Schmidt.

Bilder vom Spiel

Leverkusen - Rosenheim: Eindrücke vom Spiel

Leverkusen - Rosenheim: Handybilder aus dem Jahnstadion

Schmidt hatte zur Halbzeit komplett gewechselt, brachte zur zweiten Hälfte fast ein Juniorenteam, geführt von den erfahrenen Dominik Haas und Michael Pointvogel. 18-, 19-Jährige wie Florian Pflügler, der aus der Bayern-Jugend kommt, Andreas Voglsammer, zuletzt beim Karlsruher SC, oder Valentin Hauswirth, der ohne jeden Respekt vor großen Namen im defensiven Mittelfeld auch Zweikämpfe gegen Ballack gewann und noch dazu die größte Chance der Sechziger in Hälfte zwei durch Freddy Schramme glänzend vorbereitete. Dennoch ärgerte er sich ein bisschen: "Schade, dass wir die beiden Gegentore in der zweiten Halbzeit kassiert haben." Aber natürlich sei es für ihn und die anderen Jungs "ein tolles Erlebnis" gewesen.

Danijel Majdancevic (links) gegen den Schweizer Nationalspieler Tranquillo Barnetta.

Nicht nur das, sie haben Marco Schmidt die Qual der Wahl ein bisschen quälender gemacht. Spätestens bis Ende Juli muss er nun aus diesen 24 Spielern, die er gegen Bayer präsentiert hatte, die Stammformation herausschälen. Kein einfaches Unterfangen. In der Startelf standen vorwiegend die Spieler, die mit einer unglaublichen Leistung nach der Winterpause aus dem Abstiegskandidaten 1860 Rosenheim den Bayernliga-Dritten gemacht hatten. Als Schmidt nun kam, war er erst einmal "positiv überrascht von der Stimmung im Team", die geprägt ist von Selbstbewusstsein, Spaß und Freude am Spiel. "Der Erfolg hat die Truppe zusammengeschweißt", spürt der neue Coach, "darauf können wir aufbauen." Das Gerüst der Mannschaft steht zwar, aber wenn sich das fortsetzt, was gegen Leverkusen angedeutet wurde, kann sich keiner der erfahrenen Spieler auf seinen Meriten ausruhen. Die Jugend drängt mit Gewalt ins Team.

Selbst Robert Mayer, der Torhüter, bekommt Druck. Daniel Schmid, in der zweiten Hälfte im Kasten, hat zwar im Gegensatz zu Mayer zwei Treffer kassiert, konnte sich aber auch einige Male prächtig auszeichnen. Einen Elfmeter von Eren Derdiyok hat er gehalten, einen harten, platzierten Freistoß von Michael Ballack bravourös über die Latte gelenkt und noch in weiteren Szenen sein Talent bewiesen. "Er hat im letzten Jahr seine Sprungkraft deutlich verbessert, sodass er seine fehlende Körpergröße fast wettgemacht hat", lobte Torwart-Trainer Peter Martin.

So ein Konkurrenzkampf kann nur positiv sein. Mayer jedenfalls freut sich riesig auf die neue Saison, "wir haben uns in den letzten Monaten einen Teamgeist erarbeitet, der einzigartig ist, den ich nie zuvor irgendwo erlebt habe." Und Mayer hat viel erlebt. War als Profi in Kufstein, in Reutlingen. Jetzt will er mit 1860 Rosenheim in die Regionalliga Bayern und ist überzeugt: "Wenn wir nun noch die Neuen integrieren, stehen wir vor einem guten Jahr." Und das sagt er unabhängig von diesem Auftritt gegen den Champions-League-Teilnehmer Leverkusen. Den will er schließlich nicht überbewerten.

hü/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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