Leitwolf trotz vieler Absagen

Schweini stürmt den "Hunderter-Klub"

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Bastian Schweinsteiger

Stockholm - Am Dienstag bestreitet Bastian Schweinsteiger sein 100. Länderspiel. Als klarer Anführer, auch wenn er in den vergangenen Jahren nur selten dabei war.

Ein wirklich fester Bestandteil der Nationalmannschaft war Bastian Schweinsteiger seit der Fußball-WM 2010 eigentlich nicht. 2013 bestritt er erst zwei Länderspiele, 2012 nur zwei von neun abseits der EM - bei der von einer Verletzung und dem verlorenen Champions-League-Finale „dahoam“ geplagt kaum zu sehen war. Und auch zwischen der WM 2010 und Ende 2011 war er nur in der Hälfte der Länderspiele im Einsatz.

Doch wenn Schweinsteiger am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Schweden sein 100. Länderspiel macht, zweifeln wenige daran, dass er ein Fixpunkt und echter Leader in dieser Mannschaft ist. Einer, den Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer in einer Würdigung im kicker als „Weltklasse-Fußballer und Weltklasse-Mensch“ adelt. Und von dem Ex-Trainer Jupp Heynckes sagt, er zähle „zu den drei besten Mittelfeldspielern in der deutschen Fußball-Geschichte“. Auch für Joachim Löw ist Schweinsteiger ein „großartiger Stratege und Leader“.

Deshalb ist er auch gesetzt, wenn er denn nicht gerade verletzt fehlt. Obwohl sich Sami Khedira als Teil der Doppelsechs festgespielt hat und Ilkay Gündogan und Toni Kroos mit ihren starken Leistungen Druck machen. Doch die Kollegen akzeptieren Schweinsteiger als Leitwolf. „In der Mannschaft ist er als Führungsspieler akzeptiert“, sagt Teammanager Oliver Bierhoff. Weil Vize-Kapitän Schweinsteiger vorangeht und seine Meinung sagt, gleichzeitig aber nicht so scharf ist auf Ämter und Spielführerbinden wie Philipp Lahm, der sich diesbezüglich immer in Stellung gebracht hat.

Das Jubiläum sei für ihn „eine Ehre“ und es mache ihn stolz, als zwölfter Spieler der DFB-Geschichte in den Hunderter-Klub einzuziehen, sagt Schweinsteiger im kicker. Aber es ist für ihn auch nur eine Durchgangs-Station: „Ich habe noch immer viel vor mir. Ich bin ja nicht 36, sondern erst 29, das ist ein sehr gutes Fußball-Alter.“

Er hat noch so viel vor mit der Nationalmannschaft. Er galt als Gesicht einer „unvollendeten Generation“, die immer kurz vor dem Ziel scheitert. Durch den Champions-League-Sieg mit den Bayern hat er diesen Makel getilgt. Aber jetzt „wissen wir, wie man gewinnt“, sagt er.

Und will den Zusatz „titellos“ auch aus seiner Nationalmannschafts-Vita streichen. „Ich habe mit Bayern die Champions League, den internationalen Klub-Titel gewonnen. Jetzt möchte ich mit der Nationalelf das ganz Große erreichen“, betont er. Und meint natürlich den WM-Titel 2014. Gewichen ist der Trotz, mit dem er noch in März verkündete, er werde „auch nicht früher sterben“, wenn er in seiner Karriere keinen großen Titel hole.

Dass sich Schweinsteiger im Nationalteam auf das Wichtige konzentriert und seine Kräfte einteilt, zeigen seine vielen Absagen. Ganz ohne Grund kamen sie nie, doch sie kamen auffällig oft vor Freundschaftsspielen. Schweinsteiger ist bewusst, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Nicht mehr der unbekümmerte, freche „Schweini“ mit den dauernd wechselnden Frisuren, dem der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß auch schon mal „den Puderzucker aus dem Hintern klopfen“ musste.

Er beneide den 35 Jahre alten Klose um dessen Fitness, sagt der sechs Jahre jüngere Schweinsteiger, der nie den Verein gewechselt hat und gibt zu bedenken: „Wenn man bei Bayern München spielt, praktisch immer englische Wochen hat und stets ans Limit gehen muss, ist das schon auch eine ganz besondere Beanspruchung.“

Deshalb werde er, „wenn ich gesund bleibe und mein Körper mitmacht, sicher noch eine ganze Reihe von Länderspielen machen“. Den Titel des Rekordnationalspielers von Lothar Matthäus, der noch 50 Länderspiel mehr absolviert hat, strebt er aber nicht an: „Mein Ziel ist es, einen Titel mit der Nationalmannschaft zu gewinnen.“

Bei diesem Ziel kann er vorangehen mit seiner Erfahrung. Der Erfahrung aus nun schon fünf Turnieren. Aus Tälern wie dem Bankplatz im verlorenen WM-Halbfinale 2006 („Ohne Begründung!“) oder der Roten Karte bei der EM 2008, der im Viertelfinale gegen Portugal (3:2) sein vielleicht bis heute bestes Länderspiel folgte.

sid

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