Real Madrid unterwirft sich José Mourinho

José Mourinho bekommt alle Macht bei Real Madrid.

Madrid - Punktsieg für Jose Mourinho, K.o. für Jorge Valdano: Mit der Entlassung des Generaldirektors unterwift sich Real Madrid ganz dem Startrainer. Das Aus des „Fußball-Philosophen“ kommt einem Erdrutsch gleich.

Nuri Sahin hat vermeintlich das ganz große Los gezogen. Einen „Sechser im Lotto“ nannte der Neuzugang von Real Madrid in der Bild das Privileg, künftig mit Startrainer Jose Mourinho zusammenarbeiten zu dürfen. Dass man bei „The Special One“ leicht auch die Niete ziehen kann, musste Reals Generaldirektor Jorge Valdano erfahren.

Denn am Mittwochabend verkündeten die „Königlichen“ nach monatelangem Machtkampf zwischen Trainer und Generaldirektor die Entlassung Valdanos. „Mit einem so potenten Trainer wie Mourinho mussten wir ein Modell ähnlich dem der englischen Klubs wählen“, sagte Real-Präsident Florentino Perez auf der eigens einberufenen Pressekonferenz. „Wir wollen, dass er (Mourinho, Anm. d. Red.) viele Jahre bei uns bleibt.“

Um diesen Wunsch zu erfüllen, schreckte der Real-Boss auch nicht davor zurück, Valdano, der dem Klub als Spieler, Trainer und Funktionär 27 Jahre lang gedient hatte, vom Hof zu jagen. Das Zepter schwingt künftig ausschließlich Mourinho, auch wenn in spanischen Medien bereits Zinedine Zidane als neuer Sportdirektor gehandelt wird.

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

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Perez begründete seine Entscheidung mit der „offensichtlichen Störung“ zwischen Trainer und Generaldirektor. Bereits im Winter soll Mourinho Perez die Pistole auf die Brust gesetzt und die Entlassung Valdanos zur Bedingung für seinen Verbleib bei den „Königlichen“ gemacht haben.

Für die Differenzen zwischen Trainer und Generaldirektor konnte Perez allerdings nicht ein einziges konkretes Beispiel nennen. Ähnlich erging es auch Valdano selbst. „Ich habe Real Madrid niemals in ein Schlachtfeld verwandelt. Ich habe versucht, die Sache einzudämmen“, sagte der 55-Jährige. „Es hat niemals eine Konfrontation gegeben, die die Differenzen, von denen der Trainer spricht, rechtfertigen würde. Es muss mit einer Differenz in der Empfindsamkeit zu tun haben, die sich in vielen Dingen zeigt - in der Vorstellung von Fußball, in der Vorstellung von unserem Klub.“

In den Augen Valdanos, der in Spanien und Lateinamerika als „Philosoph des Fußballs“ bekannt ist und dessen Buch „Über Fußball“ 2006 in Deutschland den Preis als „Fußballbuch des Jahres“ erhielt, wurde Mourinho durch seine wiederholte und mitunter abenteuerliche Schiedsrichter-Schelte sowie die destruktive Spielweise nicht dem Anspruch des Weltklubs gerecht. „Gegen einen Gegner zu spielen, der sich nur verteidigt, ist so, als ob man mit einem Baum Liebe macht“, sagte Valdano einmal.

Für den Weltmeister von 1986 ist der Mythos Real nicht nur bloßes Marketing. Königlich und vorbildlich - so lässt sich der Anspruch des Mannes beschreiben, der als Sportdirektor die Ära der „Galaktischen“ mit Zidane, Luis Figo, Ronaldo und David Beckham verantwortete. „Ich liebe diesen Klub, und ich habe all meine Kraft investiert, um seine Größe zur Geltung zu bringen“, sagte Valdano: „Wenn das als Konfrontation aufgefasst wurde, dann hat Florentino Perez mit aller Deutlichkeit den Sieger des Kampfes gekürt.“

sid

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