Ex-Bayern-Trainer im Interview

Hitzfeld kürt seinen größten Trainermoment

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Ottmar Hitzfeld: aktuell Nationaltrainer der Schweiz.

Köln - Der ehemalige Trainer des FC Bayern und aktuelle Nationaltrainer der Schweiz spricht im Interview über seine Karriere und den größten Moment seines Trainerseins.

Ottmar Hitzfeld, Sie begehen am Sonntag Ihren 65. Geburtstag. In welchem Rahmen werden Sie feiern? 

Ottmar Hitzfeld: Wie immer im engsten Kreis meiner Familie. Ich mag das nicht, so ganz große Feiern zu machen mit unglaublich vielen Gästen, die es ja auch alle verdient hätten, eingeladen zu werden. Dann hat man keine Zeit für seine Gäste, das finde ich immer sehr schade. Ich werde ganz bescheiden mit meiner Familie feiern, wahrscheinlich in Engelberg in den Schweizer Alpen.

Haben sich all Ihre Wünsche in Ihrer Karriere erfüllt? 

Hitzfeld: Jede Entscheidung, die ich getroffen habe, hat sich zum Glück als richtig herausgestellt. Das ist ein Geschenk des Himmels. Ich habe richtige Entscheidungen getroffen mit der Wahl der Vereine.

Welcher Fügung trauern sie eventuell dennoch nach?

Hitzfeld: Ich wäre gerne mal Bundestrainer gewesen, aber dazu war ich 2004 nicht in der Lage. Da war ich ausgebrannt, habe einen kleinen Burn-out gehabt. Es war damals die richtige Entscheidung, eine Pause zu machen. Jetzt als Schweizer Nationaltrainer nicht mehr auf der ganz großen Bühne zu sein, aber doch international dabei, war auch richtig. Dortmund, wo ich aus der Schweiz den Sprung gewagt habe zu einem Riesenklub, war auch ein Glücksfall für mich. Der Verein hat ja damals, 1991, mehr Trainer als Bundesligajahre gehabt.

Wenn Sie einen Moment zum größten Ihrer Karriere küren müssten - welcher wäre das? 

Hitzfeld: 1995, die erste deutsche Meisterschaft mit Borussia Dortmund. Die Stimmung im Stadion war Gänsehaut-Atmosphäre. Als Bayern München gegen Werder Bremen das Tor schoss, ging es wie ein Lauffeuer durchs Stadion, so ein Raunen, da wusste man schon: Da ist etwas passiert. Wir haben gegen Hamburg gespielt und wurden Meister - da ging ein Traum in Erfüllung. Da musste ich mit den Tränen kämpfen.

Die WM mit der Schweiz wird Ihre Abschiedsvorstellung. Gehen Sie Deutschland lieber aus dem Weg? Haben Sie schon mal rübergeschielt, wann es ein Duell geben könnte?

Hitzfeld: Im Viertelfinale. Es wäre ein Highlight für mich,  nochmals gegen Deutschland spielen zu können. Das Viertelfinale zu erreichen, wäre für uns, wie wenn Deutschland Weltmeister wird. Das wäre eine großartige Leistung meiner Mannschaft.

Nach der WM ist Schluss. Endgültig? Oder gibt es etwas, was Sie noch einmal reizen könnte?

Hitzfeld: Wenn ich immer noch Trainer sein wollte, hätte ich weitergemacht bei der Schweiz. Die waren sehr enttäuscht, dass ich aufhöre. Aber ich bin dann schon sechs Jahre Nationaltrainer, dann ist meine Zeit abgelaufen.

Werden Sie es halten wie Jupp Heynckes und von der Bildfläche verschwinden, oder wird man Sie weiterhin sehen? 

Hitzfeld: Ich arbeite noch für Sky, habe meine Werbepartner. Mir wird“s nicht langweilig. Ich bin dann halt mehr Fan und Analytiker und nicht der Trainer, der am Ende den Kopf hinhalten muss. Ich bin 65 Jahre alt. Man weiß nie, wie alt man wird. Man muss auch an die Gesundheit denken, an die Familie, meine Frau und mein Sohn haben immer mitgelitten, die haben dann auch weniger Stress. Es gibt ein Leben nach dem Fußball.

SID

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