"Ostbeauftragter": Neuer Job für Ulf Kirsten?

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Ulf Kirsten hat drei Mal die Torjägerkanone der Bundesliga geholt

Dresden - Der dreimalige Bundesliga-Torschützenkönig Ulf Kirsten wird bei seinem Stammverein Dynamo Dresden als neuer Berater gehandelt. Sein Spezialgebiet steht bereits fest.

Das Schwergewicht will sich „dünne“ machen - jetzt muss der „Schwatte“ Farbe bekennen. Beim Traditionsklub Dynamo Dresden geht das Stühlerücken im prominent besetzten Berater-Stab weiter. Nachdem Reiner Calmund seinen Rückzug angekündigt hat, ist der ehemalige Torschützenkönig Ulf Kirsten als Berater des Drittligisten im Gespräch.

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

„Eine reizvolle Aufgabe, die ich mir gut vorstellen kann“, sagte Kirsten der Sächsischen Zeitung. Ein Wechsel zu seinem Stammklub Dynamo kommt für Kirsten allerdings nicht in Frage. Der 45-Jährige bleibt bei Bayer unter Vertrag, auch wenn er zur neuen Saison in Leverkusen nicht mehr Trainer der zweiten Mannschaft sein wird.

Als „Ostbeauftragter“ von Bayer soll Kirsten Dynamo in Fragen zu Scouting und Spielertransfers beraten. Bayer-Sportdirektor Rudi Völler hat offenbar grünes Licht gegeben. Auch Dynamos Aufsichtsratschef Thomas Bohn unterstützt den Deal. Kirsten soll beraten, ohne Mitglied im Aufsichtsrat zu werden.

Bayers Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bestätigte am Mittwoch dem Express diese Pläne: „Es gibt die Überlegung, Ulf Kirsten bei Dynamo einzustellen. Er könnte für den Verein als Scout und Berater arbeiten. Das würde ja auch perfekt passen: Denn Ulf ist eine Dynamo-Legende.“

Holzhäuser berichtete zudem, dass Dynamo der Entwurf einer Kooperations-Vereinbarung vorliege: „Dynamo ist der Verein schlechthin im Osten und kann sogar noch den Aufstieg in die 2. Liga packen. Zu dieser Vereinbarung zählt zum Beispiel auch, Spieler von uns in Dresden weiter ausbilden zu lassen.“

Calmund hatte vor einigen Wochen erklärt, dass er bei Dynamo im operativen Geschäft „nichts mehr anpacken“ wolle. Der einstige Manager von Bayer Leverkusen beklagte, dass jeder im Klub sein eigenes Süppchen kochen würde. „Es wird viel zu wenig miteinander kommuniziert“, so Calmund.

Kirsten scheint das nicht abzuschrecken. Der Ex-Profi hat den Kontakt zu Dynamo Dresden nie abbrechen lassen. Als der „Schwatte“ 2003 seinen Abschied verkündete, ließ er seine Karriere mit einem Abschiedsspiel im Dresdener Rudolf-Harbig-Stadion ausklingen. Immer wieder unterstützte der einstige Torjäger, der 1993, 1997 und 1998 Torschützenkönig der Bundesliga wurde, die Jugendarbeit der Sachsen. Sohn Benjamin ist Torwart der ersten Mannschaft, die zwei Spieltage vor Saisonende als Tabellendritter nach wie vor gute Chancen auf den Aufstieg in die 2. Liga hat.

Kirstens Einstieg bei Dynamo hatte Calmund zu Beginn der Woche nach einem Treffen mit dem Aufsichtsrat des Klubs bekannt gegeben. Ein Ergebnis der Sitzung war auch, dass man im Klub in Zukunft an einem Strang ziehen wolle. Zuletzt hatte es intern trotz der guten sportlichen Entwicklung immer wieder personelle Veränderungen gegeben. Anfang März wurde in Steffen Menze ein neuer sportlicher Leiter etabliert, Mitte April musste Trainer Matthias Maucksch gehen. Neuer Coach wurde Ralf Loose.

Leverkusens Ex-Manager Calmund hatte Kirsten 1990 nach dem Mauerfall für 3,7 Millionen DM von Dresden an den Rhein geholt. Der Stürmer blieb bis zum Ende seiner Karriere bei Bayer und gewann 1993 den Pokal. Von 1990 bis 2003 erzielte der Angreifer in 350 Spielen 182 Tore. Für die deutsche Nationalmannschaft war er in 51 Spielen (20 Tore) im Einsatz, das Trikot der DDR-Auswahl trug er in 49 Spielen (14).

sid

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