Scheichs fühlen sich brüskiert

Ancelotti will zu Real - PSG stellt sich quer

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Carlo Ancelotti will gerne zu Real Madrid, aber die PSG-Scheichs lassen ihn (noch) nicht.

Paris - Meister-Trainer Carlo Ancelotti will Paris St. Germain gerne verlassen und zu Real Madrid wechseln. Der Arbeitergeber legt allerdings sein Veto ein.

Im internationalen Trainer-Geschäft verrohen immer mehr die Sitten: Für das Traumziel Real Madrid hat Carlo Ancelotti den französischen Fußball-Meister Paris St. Germain durch die Bestätigung seines Wunsches nach der Freigabe für einen Wechsel zum spanischen Nobel-Klub öffentlich brüskiert. Der Vorgang ist auch deswegen beispiellos, weil Reals Coach Jose Mourinho auch nach dem Ende von Madrids letzten Titelhoffnungen trotz aller Spekulationen über seine Rückkehr zum FC Chelsea noch immer bei den Königlichen amtiert.

Scheichs pochen auf laufenden vertrag

St. Germains millionenschwerer Boss Nasser al-Khelaifi will sich allerdings nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen und erteilte seinem italienischen Erfolgstrainer ebenso eine Abfuhr wie schon zuvor Real-Geschäftsführer Jose Angel Sanchez. „Er sagte, dass er zu Real gehen möchte. Ich sagte, dass das nicht möglich ist, da er noch ein Jahr Vertrag hat. So lautet unsere Entscheidung“, berichtete al-Khelaifi dem französischen Internetportal beinsport.fr über das Gespräch mit Ancelotti: „Wenn man einen Kontrakt hat, sollte man sich verpflichtet fühlen, diesen auch einzuhalten.“

Die offenbar schon erzielte Einigung zwischen Ancelotti und Real, wo die Führung am Montagabend nach einer Saison ohne Titel die Trennung von Mourinho diskutieren wollte, interessiert den Katarer nicht: „Ich denke, dass er einen Vorvertrag hat. Aber das ist sein Problem, nicht unseres. Wir haben ihm sogar eine Vertragsverlängerung über ein Jahr angeboten.“ Ancelottis Outing („Mein Wunsch ist es, den Verein zu verlassen“) kann nur als Reals nächster Schachzug in den Bemühungen um den 53-Jährigen gewertet werden. Denn bereits vor Wochenfrist hatte Sanchez beim PSG-Boss für seine Anfrage zu Ancelotti einen Korb bekommen. „Ich habe ihm schnell gesagt, dass er beachten soll, dass Carlo noch ein Jahr Vertrag bei uns hat“, erzählte Al-Khelaifi auf der PSG-Meisterfeier über das Gespräch mit Madrids Unterhändler.

Die schnellsten Trainerentlassungen seit 1999

Die schnellsten Trainerentlassungen seit 1999

Nun soll Ancelottis öffentliche Bitte um Entlassung aus seinem Vertrag eine weitere Zusammenarbeit von Coach und Klub offenbar unmöglich machen - ein unwilliger Ancelotti dürfte Paris auf dem Weg zum angestrebten Triumph in der Champions League wohl kaum noch hilfreich sein. Voraussichtlich muss Real für Ancelotti, der erst Anfang 2012 an die Seine gekommen war, sehr tief in die Tasche greifen. Angesichts der sprudelnden Öl-Millionen der PSG-Investoren um al-Khelaifi erscheint offen, welche Ablöse die Katarer überhaupt beeindrucken könnte.

Vor Ancelottis Vorstoß bei seinem Chef und in den Medien hatte Mourinho sich bei Real nach der bitteren Pleite im spanischen Pokalfinale gegen Atletico Madrid (1:2) praktisch selbst zum Abschuss freigegeben. „Das ist die schlechteste Saison meiner Karriere“, sagte der Portugiese. Madrid hatte zuvor bereits die Meisterschaft an den überlegenen Erzrivalen FC Barcelona verloren und im Champions-League-Halbfinale gegen Borussia Dortmund den Kürzeren gezogen. Mourinho: „Für manche Trainer wäre das eine großartige Bilanz - für mich ist sie einfach schlimm.“ Seine Zukunft beim Klub der deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira ließ „The Special One“ aber weiter offen: „Solange ich mich nicht mit unserem Präsidenten Florentino Perez getroffen habe und der Klub nicht etwas offiziell macht, geht es eben so weiter.“ Geht es allerdings nach den Real-Fans, ist die Ära Mourinho vorbei: In einer Umfrage der Zeitung AS sprachen sich 82 Prozent der Anhänger dafür aus, dass Co-Trainer Alberto Toril für die beiden letzten Saisonspiele übernehmen soll.

sid

Zurück zur Übersicht: Fußball

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser