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Was macht eigentlich Gerhard Tremmel?

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Gerhard Tremmel, hier im Cottbus-Dress

London - Was macht eigentlich Gerhard Tremmel? Im Interview erzählt "The Big G" von seinem Einstands-Ständchen, Kneipenbesuchen mit 25 Mann und einem promillehaltigen Trip nach Teneriffa.

Gerhard Tremmel stand in der Bundesliga für Unterhaching, Hannover, Hertha und Cottbus im Tor. Im vergangenen Sommer wechselte er von Salzburg zu Swansea City nach Wales. Der Aufsteiger überrascht in der englischen Premier League mit gepflegtem Spiel und starken Ergebnissen. Im Gespräch mit dem SID erzählt The Big G von seinem Einstands-Ständchen, Kneipenbesuchen mit 25 Mann und einem promillehaltigen Trip nach Teneriffa.

Gerhard Tremmel, nach einiger Recherche ist festzustellen: Schlechte Presse hat Swansea City nicht - trotz des berüchtigten britischen Boulevards. Woran liegt das?

Gerhard Tremmel (Torhüter Swansea City): An der Art, wie wir spielen. Wir sind nicht der klassische Aufsteiger, der sich nur hinten rein stellt und die Bälle wegkloppt. Wir haben eine klare, auf Ballbesitz und Passgenauigkeit angelegte Spielphilosophie. Dass man uns walisisches Barca nennt, kommt nicht von ungefähr. Unser Trainer Brendan Rogers will Fußball spielen - und das ist hier jedem Spieler ins Blut übergegangen.

Rogers war bei Chelsea Assistent von Jose Mourinho. Wie viel hat er von ihm?

Tremmel: Naja, ich kenne Mourinho ja nicht. Aber innerhalb der Mannschaft gibt es keinen, der nicht mit Rogers klarkäme. Er ist durchweg positiv, gibt jedem Sicherheit. Das sagt man ja auch Mourinho nach. Ich kann mich nicht beschweren, obwohl ich die Nummer 2 (hinter Michel Vorm, d.Red.) bin. Er gibt mir überhaupt nicht das Gefühl, weg zu sein. Ich war ja auch seine Wahl.

Sie haben Rogers im Probetraining überzeugt. Wie lief es mit den Kollegen, gab es ein Aufnahmeritual?

Tremmel: Oh ja! Jeder, der das erste Mal bei einer Auswärtsfahrt dabei ist, muss sich beim Abendessen auf einen Stuhl stellen und singen. Ach Gott, das war so schlecht! Weil damals oft 'Rolling in the deep' von Adele im Radio lief, und ich im Auto immer mal den Refrain mitgesungen habe, habe ich das gesungen. Auf Englisch, vor lauter Engländern! Ich bin rot angelaufen. Aber es gab Applaus.

Erleben Sie bei Swansea den sagenumwobenen britischen Teamgeist?

Tremmel: Und wie! Das ist einmalig. Auch bei Hertha hatten wir eine super Truppe, aber sowas habe ich noch nie erlebt. Wenn wir ausgehen, laufen wir mit 25 Mann in die Bar ein, da bleibt keiner zu Hause. Im Winter waren wir mitten in der Saison auf Teneriffa. Ich habe den Torwarttrainer gefragt, wie und was wir trainieren werden. Da hat der mich verdutzt angeschaut: 'Wie, trainieren?' Wir haben dann in fünf Tagen drei Mal trainiert und uns ansonsten erholt. Da ist bei einigen auch der eine oder andere Drink über den Tresen gewandert.

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

Februar 2004: Mourinho wird vorgeworfen, im Punktspiel des FC Porto bei Sporting Lissabon auf dem Weg in die Kabine Sporting-Spieler Rui Jorge angegriffen und dessen Trikot zerrissen zu haben. © dpa
Februar 2005: Mourinho wirft dem schwedischen Referee Anders Frisk vor, in der Halbzeit des Champions-League-Spiel von Chelsea beim FC Barcelona Trainer-Kollege Frank Rijkard in die Kabine gelassen zu haben. Aus Trotz bleibt er der Pressekonferenz fern. Frisk bestreitet die Vorwürfe, erhält Morddrohungen, beendet seine Karriere. Mourinho wird für zwei Spiele gesperrt. Er habe den Fußball “in Verruf gebracht“, schreibt die UEFA-Disziplinarkommission. © Getty
Mai 2005: In der Champions League gegen den FC Liverpool sagt Mourinho nach dem umstrittenen Siegtor von Liverpools Luis Garcia: “Der Linienrichter schoss das Tor.“ Es hagelt Kritik an ihm. © Getty
März 2007: Nach einem Pokalspiel Chelseas gegen Tottenham soll Mourinho den Schiedsrichter als “Hurensohn“ bezeichnet haben. “Das war nicht beleidigend gemeint, auch wenn man sie als Beleidigung verstehen kann“, sagt er. © Getty
April 2007: Mourinho reklamiert im Champions-League-Spiel Chelseas gegen Liverpool heftig einen Handelfmeter, obwohl sich die fragliche Szene außerhalb des Strafraums abgespielt hatte. Schiedsrichter Markus Merk wird zum Prügelknaben des Portugiesen. © Getty
November 2008: Während eines Live-Fernsehinterviews sorgt Mourinho für einen Eklat. Weil der Moderator des öffentlich-rechtlichen TV-Senders RAI ihn nach dem 1:0-Sieg gegen Inter mit seinem Vorgänger Roberto Mancini vergleicht, bricht Mourinho das Interview ab. © Getty
Dezember 2009: Nach dem 1:1 bei Atalanta Bergamo greift Mourinho einen Reporter an und zerrt ihn am Arm aus einem Interviewraum. © Getty
Februar 2010: Beim 0:0 gegen Sampdoria Genua legt er sich mit dem Schiedsrichter an. Nach zwei Roten Karten für Inter zeigt der Portugiese mit überkreuzten Handgelenken an, dass der Referee in Handschellen aus dem Stadion geführt werden müsse. Das bringt ihm ein Sperre von drei Spielen und 40 000 Euro Strafe ein. © Getty
Februar 2010: Mourinho sagt nach dem Derby gegen den AC Mailand: “Heute wurde alles getan, damit wir nicht siegen“. Konsequenz: eine Geldstrafe von 18 000 Euro. © Getty
November 2010: José Mourinho wird in Spanien wegen einer rüden Schimpfattacke gegen einen Schiedsrichter für zwei Spiele gesperrt worde. “Geh zur Scheiße!“, hatte er dem Referee in einem Pokalspiel hinterhergerufen - obwohl Real 5:1 gewinnt. © Getty
Dezember 2010: Nach einem 1:0 der Madrilenen über den FC Sevilla legt Mourinho eine Liste mit “13 gravierenden Fehlentscheidungen“ vor. Clubpräsident Florentino Pérez meint: “Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern.“ © Getty
Februar 2011: Mourinho attackiert nach Reals Champions-League-Partie bei Olympique Lyon den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Wieder geht es um einen vermeintlichen Elfmeter. “Ich habe das Handspiel aus 50 Metern Entfernung erkannt, aber der Schiedsrichter stand nur fünf Meter weg und hat nichts gesehen.“ © Getty
März 2011: Mourinho beschimpft einen Reporter als “Heuchler“, der den Portugiesen nach dessen jüngsten Klagen über die Schiedsrichter und die Terminpläne befragt hatte. “Was ich sage, sind keine Klagen, sondern Wahrheiten“, behauptete der Portugiese. © Getty
April 2011: Mourinho ledert nach dem CL-Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona (0:2) gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark, die UEFA und den FC Barcelona sowie dessen Coach Pep Guardiola. Der Portugiese wittert mal wieder eine Verschwörung und glaubt, der FC Barcelona würde seit Jahren im Europapokal bevorzugt. © Getty
August 2011: Mourinhos Besessenheit für den FC Barcelona nimmt groteske Züge an. Kurz vor dem Ende des Supercup-Rückspiels bei Barca (2:3) rastet der Portugiese im Zuge einer Rudelbildung aus, tritt zunächst den am Boden liegenden Cesc Fabregas und greift anschließend Barca-Co-Trainer Tito Vilanova ins Auge. © dpa
Januar 2012: Hier greift sich Mourinho ausnahmsweise mal selbst ins Auge. Nach dem Pokal-Aus im Viertelfinale gegen den FC Barcelona fühlt sich Mourinho mal wieder benachteiligt. Er lauert dem Schiedsrichter in der Tiefgarage auf und sagt: "Du Künstler, du fickst die, die arbeiten. Du respektierst nicht die richtigen Profis. Jetzt gehst du eine Zigarre rauchen und dann gehst du nach Hause, du Lümmel.“ © dpa
Winter 2012: Nach heftiger Kritik in der Öffentlichkeit an seiner Außendarstellung präsentiert sich Mourinho vor dem Heimspiel gegen Atletico Madrid den Fans und steht einige Minuten mitten auf dem Feld, "damit die Leute ihre Meinung über mich abgeben können". Die Reaktionen im spärlich gefüllten Stadion sind gemischt. © dpa
Nach seinem Abschied zum FC Chelsea kartet Mourinho nach: Das Opfer dieses Mal: Cristiano Ronaldo. "Ich hatte ein einziges Problem mit ihm: Cristiano denkt, dass er alles besser weiß, und er akzeptiert keine Kritik an seiner Spielweise", sagte Mourinho, obwohl sein Landsmann auch in Mourinhos letzter Saison bei Real bester und torgefährlichster Spieler war. © dpa
August 2013: Auch bei Chelsea kann es Mourinho nicht lassen - und lästert dabei sogar Europa-übergreifend. Die Giftpfeile treffen seinen Intimfeind und Neu-Münchner Pep Guardiola. Vor dem Supercup-Spiel gegen den FC Bayern stichelt er: „Der FC Bayern des Jupp Heynckes war das beste Team Europas. Jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler – und ich bin nicht mehr sicher, ob sie immer noch so gut sind.“ © dpa
März 2014: Seine Ex-Vereine sind Mourinho heilig. Der Portugiese schimpft und lästert über vieles, aber gegen seine ehemaligen Arbeitgeber und Spieler eigentlich nicht. Über einige Spieler von Real Madrid sagte Mourinho aber: "Bei Real Madrid standen die Spieler vor den Spielen in der Kabine Schlange vor dem Spiegel, damit sie ihre Frisuren noch überprüfen konnten, bevor es raus auf den Platz ging", lästere Mourinho. © AFP
September 2014: Wieder mal eine Attacke von Mourinho gegen seinen Erzfeind Pep Guardiola, dieses mal sogar auf persönlicher Ebene: "Wenn einer das genießt, was er tut, dann verliert er nicht die Haare. Guardiola aber hat eine Glatze. Er genießt den Fußball nicht", lautete die unverschämte Aussage des ehemaligen Trainers von Real Madrid. Vorausgegangen war ein Disput der beiden bei der Trainertagung in Nyon, bei dem es um die vorgeschriebene Rasenlänge bei internationalen Spielen ging. © AFP
Für einen deutschen Vollprofi klingt das nach einer Umstellung.

Tremmel: Absolut. Das war am Anfang total ungewöhnlich, gerade auch die Vorbereitung auf ein Spiel. Da kommen eine Stunde vor dem Anpfiff kleine Kinder in die Kabine und holen Autogramme. Da sagst du dir: 'Hallo?! Was ist denn hier los?!' Das läuft viel lockerer ab als in Deutschland, wo man immer angespannt und konzentriert ist. Aber ich schätze das mittlerweile sehr.

Die Atmosphäre in den Stadien habe gelitten, sagt man. Stimmt das?

Tremmel: Überhaupt nicht. Da wird nie ein Spieler ausgepfiffen. Es gibt schon mal Unmut wegen des Managers, aber den Fans geht es nur um den Sport. Auch wenn ein Pass mal nicht ankommt, wird die gute Idee honoriert. Die pushen dich richtig, das ist so klasse, unvergleichlich. Bei uns im Liberty Stadium ist das auch so, 20. 000, immer voll. Man fühlt regelrecht die Verpflichtung, für die Fans Vollgas zu geben. Auch finanziell kann die Bundesliga überhaupt nicht mithalten. Die Gehälter kann man im Schnitt getrost verdoppeln.

Sie selbst durften bisher meist nur von der Bank aus mitfiebern, ihren einzigen Liga-Einsatz hatten Sie beim 0:2 in Stoke.

Tremmel: Ja, leider. Nach dem Spiel habe ich mir die Zusammenfassungen im Fernsehen angeschaut. Was interessant war: Da haben die Kommentatoren deutlich langsamer gesprochen, als sie meinem Namen erwähnten. Aber sie haben versucht, ihn deutsch auszusprechen. In der Mannschaft heiße ich Gerrard, wie der Kapitän von Liverpool. Oder Big G, the German, Big Man. Ich habe bestimmt zehn Namen.

Werden Sie von den Fans auf der Straße erkannt?

Tremmel: Wenn wir weggehen, dann eher in London oder Birmingham nach einem Auswärtsspiel. In Swansea gibt's die Wind Street, da steht eine Bar neben der anderen, mittwochs und sonntag ist da die Hölle los. Aber hey: Ich bin 33! Das ist nichts mehr für mich. Neulich war ein deutsches Magazin hier, da kam genau die gleiche Frage. Nö, eigentlich nicht, habe ich gesagt. Zwei Minuten später kam ein kleiner Junge mit Torwarthandschuhen und bat mich um ein Autogramm.

sid

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

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