Fußball-Nationalmannschaft

Zahn-OP: Löw verpasst Start - Bierhoff bittet Fans um Geduld

DFB-Direktor Oliver Bierhoff nahm zum Umbruch in der Nationalmannschaft Stellung. Foto: Peter Steffen
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DFB-Direktor Oliver Bierhoff nahm zum Umbruch in der Nationalmannschaft Stellung. Foto: Peter Steffen
Der Leverkusener Julian Brandt während der Pressekonferenz. Foto: Peter Steffen
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Der Leverkusener Julian Brandt während der Pressekonferenz. Foto: Peter Steffen
Bundestrainer Joachim Löw musste sich einer Zahnoperation unterziehen. Foto: Boris Roessler
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Bundestrainer Joachim Löw musste sich einer Zahnoperation unterziehen. Foto: Boris Roessler
Leroy Sané fiel bei der Ankunft mit seinem Outfit auf. Foto: Peter Steffen
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Leroy Sané fiel bei der Ankunft mit seinem Outfit auf. Foto: Peter Steffen
Nur eine Kleingruppe von acht DFB-Akteuren stand auf dem Trainingsplatz. Foto: Peter Steffen
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Nur eine Kleingruppe von acht DFB-Akteuren stand auf dem Trainingsplatz. Foto: Peter Steffen
Statt Joachim Löw musste Assistenzcoach Marcus Sorg das Training leiten. Foto: Peter Steffen
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Statt Joachim Löw musste Assistenzcoach Marcus Sorg das Training leiten. Foto: Peter Steffen
Marco Reus (l) und Neuling Niklas Stark beim Aufwärmen mit dem Ball. Foto: Peter Steffen
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Marco Reus (l) und Neuling Niklas Stark beim Aufwärmen mit dem Ball. Foto: Peter Steffen

Heftige Zahnschmerzen haben eine pünktliche Anreise von Joachim Löw zur Nationalmannschaft verhindert. Bei der ersten Ansprache an das Nationalteam vor dem Jahresstart spürt Oliver Bierhoff auch ohne den Bundestrainer: Es ist Zeit für ein "neues Kapitel".

Wolfsburg (dpa) - Das hatte Joachim Löw nun gerade noch gefehlt. Heftige Zahnschmerzen plagten den Bundestrainer. In Berlin musste er sich sogar kurzfristig einer Operation unterziehen.

Und so fanden die erste Ansprache an die Fußball-Nationalspieler und das erste Training beim von Löw ausgerufenen Neustart ins Länderspieljahr 2019 am Montag in Wolfsburg ohne den Chefcoach statt. Oliver Bierhoff wurde somit zum Überbringer der ersten wichtigen Anweisungen an das umformierte Team ohne die aussortierten Ex-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jérôme Boateng. Noch wichtiger war dem DFB-Direktor aber eine Botschaft an die Fans und die kritische Öffentlichkeit.

Eindringlich bat Bierhoff um Geduld, sollte es zum Jahresauftakt am Mittwoch (20.45 Uhr/RTL) beim Test gegen Serbien und vier Tage später beim Knaller-Start in die EM-Qualifikation in den Niederlanden keinen Grund zum Jubeln geben. "Am Ende weiß jeder, wir bauen eine neue Mannschaft zusammen", sagte Bierhoff bei einer Pressekonferenz.

Die Qualifikation für die Fußball-EM 2020 sei natürlich das klare Ziel, diese wolle man "souverän gestalten". Aber: "Wir sind eine junge Mannschaft, die sich finden muss", betonte Bierhoff. Die Spieler würden "Fehler machen" und "Schwierigkeiten haben". Die Öffentlichkeit müsse Geduld aufbringen und "verzeihen, wenn Dinge nicht so ganz laufen", sagte der 50-Jährige. Ziel sei es, "möglichst schnell in die Weltspitze zu kommen", versprach Bierhoff.

Die ersten taktischen Anweisungen auf dem Platz gab Löw-Assistent Marcus Sorg bei einem öffentlichem Training vor rund 1500 Zuschauern im Wolfsburger AOK-Stadion. Dort konnte Sorg aber nur eine Kleingruppe von acht Akteuren um den Dortmunder Marco Reus und die Neulinge Niklas Stark (Hertha BSC) und Lukas Klostermann (RB Leipzig) anleiten. Die übrigen 14 Akteure absolvierten nach ihren Vereinseinsätzen tags zuvor eine Regenerationseinheit. Sie kamen aber für Autogramme ins Trainingsstadion. Wie der Bundestrainer fehlte zum Auftakt Serge Gnabry wegen Grippe. Der Münchner soll am Dienstag nachreisen. Löw wollte noch am Montagabend das Kommando übernehmen.

Zahnweh hin oder her: Löw muss in der Autostadt eine eng getaktete und vor allem zukunftsweisende Arbeitswoche bewältigen. Der zunehmend kritisch beäugte Bundestrainer will nach seinem radikalen Umdenken mit einem weiter verjüngten Kader beim Neustart nach vier Monaten Länderspielpause auf Anhieb positive Resultate liefern.

Nach der kategorischen Ausmusterung des Bayern-Trios birgt der Aufbruch Richtung EM 2020 erhöhte Brisanz. "Für uns steht ein neuer Zyklus an", sagte Löw, der ein Versprechen gab: "Die Qualifikation werden wir schaffen." Auch Bierhoff sprach von "einem neuen Kapitel", das man aufschlage. Die Mehrheit der Deutschen traut Löw im Jahr nach dem WM-Desaster und dem Nations-League-Abstieg die Quali für die EM noch zu. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur rechnen 59 Prozent der Befragten mit einer EM-Teilnahme. 18 Prozent glauben wiederum an das erste Scheitern der DFB-Auswahl in einer Qualirunde seit der EM 1968.

DFB-Präsident Reinhard Grindel erhöhte den Druck auf Löw, auch wenn er dem vertraglich bis zur nächsten WM 2022 in Katar gebundenen Coach zugleich das Vertrauen aussprach. "Jogi bringt alle Qualitäten mit, um den Umbruch zu gestalten", sagte Grindel am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. Ein weiteres sportliches Versagen könnte Grindel dem "ewigen Bundes-Jogi" kaum noch durchgehen lassen.

"Wir wollen uns souverän für die EURO 2020 qualifizieren. Und ich denke, wir werden dann auch eine Mannschaft haben, die um den Titel mitspielen kann", sagte Grindel. Teil zwei ist die anspruchsvollere Vorgabe. Abgesehen von Holland sollten die weiteren Gruppengegner Nordirland, Weißrussland und Estland kein Problem darstellen. Platz zwei reicht fürs EM-Ticket. "Ich glaube schon, dass wir mit den jungen Spielern eine gute Rolle spielen können", sagte Niklas Süle.

Confed-Cup-Sieger wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder den neuen Abwehrchef Süle hat Löw auserkoren, nun vermehrt Verantwortung zu übernehmen. "Wir sind in der Lage, in die Fußstapfen der Weltmeister zu treten", sagte Goretzka. Der talentierte Jahrgang 1995 ist jetzt gefordert. "Jetzt ist allerhöchstes Niveau gefragt, jetzt sind nicht andere da, wo man sich verstecken kann", formulierte Löw deutlich.

Ein gelungener Jahresauftakt würde ihm nach dem Schlingerkurs seit dem WM-Unfall in Russland Zeit und Ruhe verschaffen. Die interne Anspannung ist groß. "Das kann man im Voraus nicht sagen", sagte Kapitän Manuel Neuer auf die Frage, was der Nationalmannschaft ohne seine Bayern-Kollegen Müller, Boateng und Hummels fehlen werde.

"Natürlich orientiert man sich an den Spielern, die länger dabei sind, die Weltmeister geworden sind", sagte der 22-jährige Bremer Neuling Maximilan Eggestein bei der Ankunft am Teamhotel bescheiden. Julian Brandt - auch erst 22, aber schon mit 23 Einsätzen - stellte zuversichtlich fest: "Wir werden da schon eine gute Trupppe finden. Wir werden das über die Zeit schon schaffen, dieses Führungsthema."

Die Zeitenwende dokumentieren auch die Trikotnummern. Stark übernahm am Montag die 17 von Boateng, Klostermann erhielt Müllers 13. Und mit der 5 von Hummels könnte der bislang erst in vier Länderspielen eingesetzte Leverkusener Jonathan Tah auflaufen.

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