Kaiserslautern rechnet ein "bisschen" mit Aufstieg

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Marco Kurz blieb selbst nach dem 4:0-Sieg nahezu emotionslos

Kaiserslautern - Der 1. FC Kaiserslautern hat das Tor zur Bundesliga weit aufgestoßen - die Vokabel “Aufstieg“ gehört aber immer noch nicht zum Wortschatz von Trainer Marco Kurz und seinen Fußballprofis.

 “Wir werden unsere Ziele neu formulieren, wenn wir am 30. Spieltag noch einen der drei ersten Plätze erreichen können. Wir sind mit unserer Zurückhaltung bisher gut gefahren“, erklärte auch Vorstandschef Stefan Kuntz. Die Personalplanungen fürs Oberhaus laufen jedoch spätenstens nach dem 4:0 gegen 1860 München auf Hochtouren.

Der brasilianische Abwehrspieler Rodnei kämpft noch mächtig mit der deutschen Sprache, doch einen Satz hat man ihm längst eingetrichtert: “Müssen von Spiel zu Spiel denken.“ Nach dem 50. Heimsieg seit dem Abstieg 2006 und sechs Partien vor Saisonende liegen die Pfälzer bereits acht Punkte vor dem Relegationsplatz und gar 15 Zähler vor der “Nicht-Aufstiegs-Zone“. “Wir werden trotzdem die Spannung hochhalten und das nächste Spiel so angehen, dass wir gewinnen. Drei Spiele vor Schluss können wir eine neue Zielrichtung ausgeben“, sagte Coach Kurz.

“Der FCK ist die beste Mannschaft der Liga. Die haben teilweise wie ein Erstligist gespielt“, lobte Münchens Coach Ewald Lienen, nachdem sein Team unter die Räder gekommen war. Vor 39 690 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion ließen Markus Steinhöfer (10. Minute), Erik Jendrisek (30./71.) und Ivo Ilicevic (90.) mit ihren Toren die Fans jubeln.

Seit zehn Spielen ist der deutsche Meister von 1998 nun ungeschlagen. Und so musste Kuntz auch einen Blick in die Personalplanungen zulassen. Der Europameister von 1996, der seit seinem Amtsantritt vor knapp zwei Jahren bei dem damals fast schon abgestiegenen Club die Erfolgsgeschichte maßgeblich mitgestaltete, sind bei den finanziell klammen Lauterern allerdings die Hände gebunden. Vorrang haben die Verhandlungen mit den Clubs der ausgeliehenen Spieler Rodnei (Hertha BSC Berlin), Ivo Ilicevic (VfL Bochum) und Georges Mandjeck (VfB Stuttgart) um die fälligen Ablösesummen. “Im Fall Sidney Sam liegt das Heft des Handelns beim Hamburger SV, bei dem er noch unter Vertrag steht“, sagte Kuntz. Der HSV hat derzeit jedoch andere Sorgen. Der herausragende Flügelflitzer und U21-Nationalspieler würde wohl gerne in der Pfalz bleiben.

Nicht zu halten ist Markus Steinhöfer, den Eintracht Frankfurt nach halbjähriger Ausleihe zurückholen wird. Beim 13-fachen Torschützen Erik Jendrisek steht eine Pokerpartie bevor: “Er lotet mit Auslaufen seines Vertrags seinen Marktwert aus ­ das ist legitim“, sagte Kuntz. Als Neuzugang wird in Kreisen der euphorischen Fans der Ex-Lauterer und Nationalspieler Miroslav Klose gehandelt. Sogar Torhüter Sippel soll sich in diese Richtung schon geäußert haben. Kuntz ungläubig: “Wenn irgendwas finanziell machbar sein sollte, kann Tobi Sippel ja mal in München anrufen“.

Reif für die erste Liga ist der 1. FC Kaiserslautern bei seinen Zuschauern: 32 880 kamen bisher im Schnitt. “Damit würden wir auch in der Bundesliga ganz gut dastehen“, meinte Kuntz. Angreifer Adam Nemec gab sich nach seinem bärenstarken Auftritt gegen die “Löwen“ als einziger Spieler auch verbal etwas offensiver: “Ein bisschen muss man jetzt schon mit dem Aufstieg rechnen...“

dpa

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