DFB-Team will Scharte auswetzen

Kroos: "Das war damals nur peinlich"

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Toni Kroos, hier beim Spiel gegen Irland

Stockholm - Das 4:4 im Hinspiel gegen Schweden nach einer 4:0-Führung schmerzt die deutsche Nationalmannschaft immmer noch. Deswegen geht's nun auch um die Ehre.

Die Scharte von Berlin auswetzen, die Kräfteverhältnisse gerade rücken und beim Jubiläum von Bastian Schweinsteiger die ersten WM-Experimente wagen: Bundestrainer Joachim Löw hat sich mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zum Abschluss der WM-Qualifikation am Dienstag in Stockholm gegen Schweden (20.45 Uhr/ZDF) eine Menge vorgenommen. Das Spiel ist zwar für beide Mannschaften rein rechnerisch bedeutungslos geworden - aber das legendäre 4:4 in Berlin vor einem Jahr macht die Partie zu einer Frage der Ehre.

„Es geht in erster Linie darum, die Qualifikation mit einem Sieg abzuschließen. Aber jeder weiß, dass wir mit den Schweden noch eine Rechnung offen haben“, sagte Löw bereits kurz nach dem 3:0-Sieg am Freitag gegen Irland, mit dem das Ticket für die Endrunde im kommenden Jahr in Brasilien vorzeitig gelöst worden war.

Während seine Spieler ein freies Wochenende verbrachten, tüftelte der Bundestrainer mit seinem Trainerstab an der Marschroute für Dienstag, am dem es nicht noch einmal eine böse Überraschung gegen die Tre Kronor geben soll und darf. „Das Ergebnis vom vergangenen Oktober wurmt mich immer noch. Deshalb reisen wir auch mit einer kleinen Portion Wut im Bauch nach Schweden“, verriet Löw kurz vor dem Abflug der DFB-Auswahl am Montagmorgen vom Flughafen Köln/Bonn in die schwedische Hauptstadt, wo am Abend in der Friends Arena in Solna das Abschlusstraining stattfand.

Noch ein Jahr später hat Löw Albträume, in denen der 16. Oktober vergangenen Jahres vor seinen Augen abläuft. Im Berliner Olympiastadion führte seine berauschend spielende Mannschaft nach Treffern von Miroslav Klose (2), Per Mertesacker und Mesut Özil bis zur 62. Minute 4:0, hätten bis zu diesem Zeitpunkt aber auch schon 6, 7 oder 8:0 führen können. Und dann geschah das Unfassbare, nahm das Schicksal seinen Lauf.

Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic, der am Dienstag wegen einer Gelbsperre fehlt, erzielte in jener 62. Minute per Kopf den Anschlusstreffer, der bei den Gästen eine Aufholjagd einläutete, die am Ende gegen eine in alle Einzelteile zerfallene deutsche Elf in einem 4:4 endete. Löw hatte das Desaster kommen sehen, aber mit unverständlichen Auswechslungen dazu beigetragen, dass seine Mannschaft sehendes Auges in ihr Unglück rannte. In Mario Götze und Lukas Podolski hatte der Bundestrainer in der Sturm- und Drangphase der Schweden zwei Offensivkräfte eingewechselt anstatt die eigene Abwehr zu stabilisieren.

„Dieses Unentschieden und vor allem seine Entstehung haben uns wehgetan. Aber vielleicht hat gerade diese Begegnung auch ihre positiven Seiten. Die Spieler, die in Berlin auf dem Platz standen, werden ihre Lehren gezogen haben. Wenn wir uns noch einmal in einer ähnlichen Situation befinden, wird es ihnen sicher nicht wieder passieren, ein solches Spiel aus der Hand zu geben“, sagte der Bundestrainer anschließend.

„Das war damals nur peinlich“, erinnert sich der gegen Irland überragende Toni Kroos an den denkwürdigen Abend in der Haupstadt: „So etwas darf sich nicht wiederholen. Wir wollen im Rückspiel zeigen, dass wir zu Recht Gruppenerster sind. Wir wollen die Qualifikation mit einem Sieg und einem gutem Spiel beenden, das sind wir auch uns selber schuldig.

Auch Bastian Schweinsteiger, der am Dienstag sein 100. Länderspiel bestreitet, ist heiß auf dieses Spiel. `Vor einem Jahr haben wir uns dämlich verhalten, das wird uns nicht noch einmal passieren. Aber wir müssen natürlich auf der Hut sein.“

Denn sollte es im Rückspiel ebenfalls schiefgehen, würde trotz der unter dem Strich souveränen WM-Qualifikation wie nach dem Hinspiel wieder das Krisenlied angestimmt. Das weiß auch Thomas Müller: „Wir wollen die drei Punkte. Wenn uns das nicht gelingt, werden wir anschließend wieder durch den Fleischwolf gedreht.“ Dass Löw seine Startelf im letzten Gruppenspiel nicht nur wegen der Gelbsperre gegen Sami Khedira auf der ein oder anderen Position ändern wird, ist klar. Nur wie viele Positionen neu besetzt werden, ließ er noch offen.

Wahrscheinlich ist, dass Julian Draxler für Schürrle zum Zuge kommt und Max Kruse erstmals von Beginn spielt. „Das ist eine Option“, sagte Löw bereits, der in diesem Fall Mesut Özil, sofern dieser keine Pause erhält, wieder aus der vordersten Front ins Mittelfeld zurückbeordern würde.

Möglich erscheint auch ein Wechsel im Tor, wo Rene Adler oder auch Ron-Robert Zieler für Manuel Neuer spielen könnten. Die deutsche Nummer eins hält von solchen Plänen allerdings nicht viel: „Ich will immer spielen, aber die Entscheidung trifft der Bundestrainer.“

Die voraussichtliche deutsche Mannschafsaufstellung: Neuer (Adler) - Lahm, Mertesacker (Hummels), Boateng, Jansen - Schweinsteiger, Kroos - Müller, Özil, Draxler (Schürrle) - Kruse. - Trainer: Löw

sid

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