Bundesliga-Neustart

1. FC Köln in der Kritik: Der Coronavirus wird zum Spaltpilz

Das Gros der Kölner Profis darf weitertrainieren, obwohl es drei Corona-Fälle bei den Domstädtern gibt.
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Das Gros der Kölner Profis darf weitertrainieren, obwohl es drei Corona-Fälle bei den Domstädtern gibt.

Die Bundesliga will trotz Corona-Krise loslegen, sogar Innenminister Seehofer ist dafür, ab Mai wieder zu spielen - doch die Zweifler verstummen nicht.

  • Die Bundesliga wartet auf die Politik
  • Am Mittwoch soll in Berlin die Entscheidung über eine Fortsetzung des Spielbetriebs fallen
  • Der 1. FC Köln meldet vier positive Corona-Befunde im Team

Noch leben sie bei Eintracht Frankfurt ein bisschen in der Vergangenheit, zumindest an einigen Stellen rund ums Stadion im Stadtwald. Dort nämlich, vor den Toren des Arena-Areals, wird mit mehreren großflächigen Plakaten seit Wochen auf das nächste Bundesligaheimspiel der hessischen Fußballer hingewiesen, jenes in die Corona-Zwangspause fallende und daher nie ausgetragene am 5. April gegen den SC Freiburg. Da fehlen ganz offensichtlich die Alternativen für eine zukunftsorientierte Plakatierung. Noch.


Corona-Frust? Fredi Bobic: „Die Jungs wollen einfach nur spielen“

Die Bundesliga treibt in diesen komplizierten Zeiten in erster Linie eine Frage um: Wann geht es weiter? Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic sagte dazu nun in der „Süddeutschen Zeitung“: „Die Jungs wollen einfach nur kicken, nichts anderes. Wenn ich runter in die Kabine komme, dann heißt es: ‚Fredi, wann spielen wir wieder. Wann dürfen wir wieder Mannschafttraining machen?‘“ Vermutlich schon bald. Der Profifußball wartet am Mittwoch auf die Freigabe der Politik. Vorab äußerte sich nun BundesinnenministerHorst Seehofer (CSU) wohlwollend über eine baldige Wiederaufnahme des Spielbetriebs: „Ich finde den Zeitplan der DFL plausibel und unterstütze einen Neustart im Mai“, sagte der 70-jährige Politiker der „Bild am Sonntag“.

Beim Corona-Fall soll die Mannschaft in die Quarantäne

Allerdings knüpft der Sportminister daran auch Bedingungen. Bei einem Corona-Fall* in einer Mannschaft während des laufenden Spielbetriebs müsse der gesamte Klub für zwei Wochen in Quarantäne. „Ich will kein Fußball-Spielverderber sein, aber was für alle gilt, gilt auch für Fußballprofis“ sagte Seehofer: „Es bestehen also Risiken für den Spielplan und die Tabelle. Ich bin aber dafür, dass wir einen Versuch wagen, um das Spielgeschehen wieder zu ermöglichen.“


Eine Lex Fußball sei jedoch nicht denkbar. „Es kann nicht sein, dass Profispieler öfter getestet werden als etwa Ärzte, Pfleger oder Polizisten, die in täglichem Kontakt mit den Menschen sind“, sagte Seehofer: „Und es darf durch ein höheres Testaufkommen im Sport an keiner Stelle zu Engpässen im öffentlichen Gesundheitswesen kommen, etwa bei den Tests oder in den Laboren. Das ist für mich die Grundbedingung.“

1. FC Köln: Vier Corona-Fälle im Team des Bundesligisten

Ein schneller Restart sei „naiv“, so der Kölner Profi Verstraete.

Die Eintracht hatte ebenso wie andere Bundesligisten (Leverkusen, Freiburg, Bremen, Union Berlin, Hertha BSC) am Wochenende mitgeteilt, dass die jeweils durchgeführten ersten beiden Testreihen negativ verlaufen sind, was gerade bei den Frankfurtern nicht unwesentlich erscheint. Die Hessen waren zu Beginn der Corona-Krise mit vier positiven Fällen (zwei Spieler und zwei Mitarbeiter aus dem Teamumfeld) ähnlich betroffen wie aktuell der 1. FC Köln, wo es offenbar einen Physiotherapeuten und zwei Profis erwischt hat.

Während bei der Eintracht Ende März alle Spieler, Betreuer und auch Boss Bobic in die Quarantäne mussten, ist die Strategie knapp sechs Wochen später eine andere. Der Effzeh isolierte nur die Betroffenen. DerKölner Geschäftsführer Alexander Wehrle sprach von einem „positiven Signal“, weil das neue Sicherheits- und Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) funktioniere. Sportchef Horst Heldt betonte in der „Bild am Sonntag“: „Niemand aus unserem Team hat sich leichtsinnig verhalten.“

Fredi Bobic weiter pro Geisterspiele in der Corona-Krise

Der in der Task Force verantwortliche Mediziner Tim Meyer ließ sich in einer Kölner Mitteilung zitieren: „Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und minimiert.“ Es sieht ausdrücklich nicht vor, bei einem positiven Fall die ganze Mannschaft in Quarantäne zu schicken. Die Spieler seien durch die Vielzahl der Vorsichtsmaßnahmen nicht automatisch „Kontaktpersonen der Kategorie I“ – das sind für das Robert-Koch-Institut diejenigen, die „mindestens 15-minütigen Face-to-face-Kontakt“ etwa in Form eines Gesprächs haben oder im selben Haushalt leben. Das betroffene Trio weist übrigens keinerlei Symptome aus, insofern könnten die angelaufenen Tests im Profifußball durchaus Anhaltspunkte für die vermutete hohe Dunkelziffer an Infizierten geben.

Mit Frankfurt im März und Köln im Mai sind zufällig zwei Klubs involviert, deren wichtigste Funktionsträger nah bei der DFL anzusiedeln sind. Bobic absolvierte einst ein Praktikum in der Zentrale im Frankfurter Westend, hat einen guten Draht zu Chef Christian Seifert, und sein Einfluss in der Kommission Fußball ist groß. Wehrle gehört seit dem vergangenen Sommer dem Präsidium an. Beide werben seit Wochen offensiv für die Interessen der Liga.

Corona-Krise und kein Fußball: Fredi Bobic sieht keinen Grund gegen Geisterspiele

Ihm falle „niemand ein, der davon profitieren könnte“, sollte die Politik Geisterspiele untersagen, sagte Bobic der „SZ“. Er sehe dagegen nur den Schaden, „wenn der Fußball nicht wieder spielt. Ich verstehe natürlich, wenn jemand mit Fußball nichts anfangen kann. Aber warum sollte man dagegen sein? Aus Schadenfreude? Das wäre traurig.“ Er kenne die Meinungen, aber finde nicht, „dass wir Druck machen“, so der 48-Jährige. „Wir bereiten uns darauf vor, wieder anfangen zu können, genau wie jeder Restaurantbesitzer und jedes Unternehmen, das wieder loslegen möchte und muss. Wir wollen keine Sonderrolle, wir wollen das machen, was alle tun: den Laden wieder ins Laufen bringen.“ Er würde sich „doch auch freuen, wenn die Kitas oder die Spielplätze wieder aufmachen, aber das liegt nicht in unserer Hand“. Die Vereine und die DFL könnten nur „dafür sorgen, dass wir Fußball spielen, sobald wir das dürfen – ohne jemanden zu schädigen oder jemandem etwas wegzunehmen“.

Trotz Corona-Fällen: 1. FC Köln stellt Birger Verstraete nicht unter Quarantäne

Die Wortmeldung von Birger Verstraete, belgischer Mittelfeldspieler des 1. FC Köln, dürfte da für Verantwortliche wie Bobic, Wehrle oder Seifert kontraproduktiv sein, sie taugt als Spaltpilz. Nicht unter Quarantäne gestellt zu werden, sei ein „bisschen bizarr“, hatte Verstraete dem belgischen Fernsehsender „VTM“ gesagt: „Der Physiotherapeut ist der Mann, der mich und andere Spieler wochenlang behandelt hat. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet.“ Es sei daher „nicht ganz richtig“, dass kein anderer aus seinem Team mit den Betroffenen in Kontakt gekommen sei. Eine schnelle Wiederaufnahme der Saison sei „naiv“. Seine Freundin habe Herzprobleme und gehöre damit zur Risikogruppe, so der 26-Jährige. 

Gestern ruderte Verstraete jedoch zurück, und entschuldigte sich gar für seine Aussagen. Er habe sich „an einigen Stellen falsch ausgedrückt, so dass in der Übersetzung ein missverständlicher Eindruck entstanden ist, der mir leid tut“, sagte er: „Statt aus der Emotion heraus ein Interview zu geben, hätte ich den Kontakt zu unserem Arzt suchen und mir meine Fragen erklären lassen müssen.“ Der Verein wies jegliches Fehlverhalten zurück. Vor allem sei der entstandene Eindruck falsch, der FC „habe falsche Angaben über den Trainingsbetrieb gemacht.“ Die Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen seien eingehalten worden. Alles in allem bleibt festzuhalten: Das Thema taugt weiterhin als Spaltpilz. (mit sid)

Von Frank Hellmann und Daniel Schmitt

* fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

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