Löw im Interview: "Vieles hat mir sehr gut gefallen"

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Joachim Löw ist nach dem Testspiel-Sieg gegen Uruguay zufrieden

Sinsheim - Jogi Löw ist nach dem Testspiel-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Uruguay zufrieden. Im Interview erklärt der Bundestrainer aber, dass taktisch Nachholbedarf besteht.

Wie bewerten Sie diesen Erfolg gegen Uruguay?

Löw: “Vieles hat mir sehr gut gefallen. Es war von beiden Mannschaften ein Spiel mit einem unglaublich hohen Tempo, vor allem in der ersten Halbzeit. Beide Mannschaften haben permanent nach vorne gespielt. Das hätte ich vielleicht nicht ganz so erwartet, nachdem es erstmal einen längeren Unterbruch gab für die Spieler. In der zweiten Halbzeit lief es nicht mehr ganz so rund, bedingt auch durch einige Wechsel und einige kleine Fehler von uns. Aber Uruguay hat auch eine Klassemannschaft. Forlan, Suarez oder Cavani sind absolut überragende Spieler, die in der Offensive brandgefährlich sind. Insgesamt war es in dieser Phase ein sehr unterhaltsames Spiel.“

Jogi gestern, Jogi heute

Jogi gestern, Jogi heute

Welche Erkenntnisse nehmen Sie jetzt mit nach Wien?

Löw: “Das Spiel ist nicht so leicht einzuordnen. Uruguay ist eine Top-Ten-Mannschaft, die bei der WM die beste Mannschaft Südamerikas war. Es gibt sicherlich ein anderes Spiel gegen Österreich. Die Erkenntnis, die ich ziehe, ist, dass die Spieler überwiegend in einem guten Zustand sind. Jetzt gibt es noch zwei, drei oder vier intensivere Trainingseinheiten in dieser Woche Richtung Österreich. Da müssen wir taktisch noch ein paar Dinge tun.“

Es scheint sich ein interessantes Duell zwischen Lukas Podolski und André Schürrle auf der linken Seite zu ergeben. Wie haben Sie die Leistung von Schürrle gesehen?

Löw: “Gut, sehr gut, nicht nur wegen des Tores, das er gemacht hat. Das war qualitativ sehr gut, wie er den Ball ins lange Eck schlenzt. Er macht einfach zielstrebige Wege nach vorne. Sein Spiel ohne Ball ist auch bemerkenswert, in welchem Tempo er das macht. Das hat unserem Spiel gut getan. Schon im Spiel gegen Australien hatte er auf der rechten Seite die gleichen guten Ansätze.“

Wie schätzen Sie die Österreicher ein?

Löw: “Ich schätze die Österreicher sehr gefährlich ein. Deutschland gegen Österreich ist immer ein Prestigeduell. Das Stadion ist ausverkauft, die Österreicher haben zwei Spiele verloren und wahrscheinlich ihre allerletzte Chance, ein Turnier zu erreichen. Die Erwartungen dort sind auch immer groß. Dazu hat Österreich einige Spieler, die in der Bundesliga regelmäßig spielen, Fuchs, Harnik. Ich glaube, das gab es viele Jahre nicht mehr, dass so viele Österreicher im Ausland in der Stammmannschaft waren. Österreich wird mit der größtmöglichen Motivation spielen und alles versuchen, Deutschland zu schlagen.“

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Mario Gomez in der Nationalmannschaft?

Löw: “Sie ist sehr gut. Auch heute hat er ein Klassetor gemacht. Aber das alleine ist nicht immer der Maßstab. Jeder weiß ja auch, wie die Bundesliga-Saison verlaufen ist und mit wie vielen Toren der Mario in allen Wettbewerben präsent war. Es war ein absolut tolles Jahr für Mario.“

Sie mussten im zentralen defensiven Mittelfeld aus Verletzungsgründen etwas ausprobieren. Warum haben Sie das Duo Kroos/Rolfes gewählt und wie hat es Ihnen gefallen?

Löw: “Simon Rolfes ist ein Spieler, der die Position vor der Abwehr sehr gut hält. Er sorgt für eine gewisse Ordnung und Ruhe, spielt gute Pässe. Und Toni Kroos ist der Spieler, der etwas für die Offensive macht, mit Mesut Özil die Stürmer oder die Außenpositionen unterstützt. Ich bin der Meinung, dass das fußballerisch gut passt. Für mich war das mal eine Option. Beide haben ihre Sache auch gut gemacht. Sie hatten viel zu tun im zentralen Mittelfeld.“

Das Benefizspiel hat auch viel Geld für die Egidius-Braun-Stiftung eingebracht. Wie wichtig ist es, dass sich die Nationalmannschaft auch für solche Dinge engagiert? War es ein Erfolg?

Löw: “Es war ein Erfolg. Über vier Millionen Euro gehen an diese soziale Stiftung. Wir als Nationalmannschaft haben den Auftrag, für soziale Dinge einzustehen. Diese Benefizspiele sind eine wichtige Aufgabe, weil wir da Dinge bewegen können, die vielleicht anderswo nicht möglich sind.“

dpa

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