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Identitätskrise: Italien kämpft um Comeback

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Italien am Boden, ausgeschieden als Letzter hinter dem Fußball-Zwerg Neuseeland - zu viel für die Tifosi und das Team...

Pretoria - "Quo vadis Italia?" Nach dem größten WM-Debakel seiner Fußballgeschichte sucht Italien nach Fehlern im System und einen Ausweg aus der Krise. Wie geht es weiter mit dem viermaligen Weltmeister?

Italiens WM-Versager haben sich in den Urlaub verabschiedet, die "Tifosi" müssen ihren Sommerferien einen neuen Sinn geben und Fußballverbandspräsident Giancarlo Abete zerbricht sich den Kopf: "Wie kommt Italien nach dem größten WM-Debakel seiner Geschichte wieder aus dem Tal der Tränen heraus?"


Die größten WM-Sensationen seit 1990

WM 2010: Frankreich sorgte für die erste große Blamage des Turniers: Nach nur einem Punkt aus den ersten beiden Spielen gegen Uruguay und Mexiko benötigte die Equipe Tricolore in der abschließenden Partie gegen Gastgeber Südafrika unbedingt einen Sieg, um die Chancen aufs Weiterkommen zu wahren. Doch Ribéry & Co. unterlagen sang- und klanglos 1:2. Aus in der Vorrunde! © AP
WM 2010: Neuseeland trotzte dem Titelverteidiger Italien in der Vorrunde ein 1:1 ab. © AP
Und es kam sogar noch schlimmer für Italien: Das Aus für den Titelverteidiger in der Vorrunde! Und das als Tabellenletzter hinter Paraguay, der Slowakei und Neuseeland! Eine der größten Sensationen bei WM-Turnieren. © AP
WM 2010: Die Schweiz besiegte völlig überraschend im ersten Gruppenspiel Europameister Spanien mit 1:0. In den vorangegangenen 54 Spielen hatten die Iberer nur einmal verloren. © AP
WM 2006: Die Party-Boys von Trinidad & Tobago feierten ihr WM-Debüt mit einem sensationellen Unentschieden gegen Schweden. Nach dem 0:0 zum Auftakt gab es dann aber gegen England und Paraguay (jeweils 0:2) nicht viel zu holen. © Getty
WM 2002: Der Senegal war eine der großen Überraschungen bei der WM in Japan und Südkorea. Erst besiegten die Afrikaner im Auftaktspiel den Titelverteidiger Frankreich mit 1:0 ... © Getty
... später gab es im Achtelfinale einen 2:1-Sieg n.V. gegen die favorisierten Schweden. Im Viertelfinale kam das Aus gegen die Türkei (0:1 n.V.). © Getty
Auch Co-Gastgeber Südkorea war eine der Überraschungen bei der WM 2002. Das Weiterkommen im Achtelfinale gegen Italien (2:1 n.V.) kam einer Sensation gleich, wenngleich die Asiaten das eine oder andere Mal krass vom Schiedsrichter bevorzugt wurden. © Getty
Auch gegen Spanien im Viertelfinale gab es so manch zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidung. Südkorea kam ins Elfmeterschießen und gewann dort nach torlosen 120 Minuten mit 5:3. Der Halbfinaleinzug der Südkoreaner - sicher eine der bisher größten Sensationen bei Weltmeisterschaften. © Getty
WM 1998: Schon wieder eine Sensation, bei der die Spanier beteiligt waren: Nigeria besiegte die haushoch favorisierten Iberer im ersten Gruppenspiel mit 3:2 - auch der damalige Kölner Sunday Oliseh (l.) gehörte zu den Torschützen. Nigeria kam später ins Achtelfinale, Spanien schied aus. © Getty
WM 1994: Die WM in den USA hatte gleich in den ersten Tagen ihre ganz große Sensation, als Italien den tapferen Iren mit 0:1 unterlag (Tor: Ray Houghton). Irland scheiterte später im Achtelfinale an Holland, Italien verlor das Fionale gegen Brasilien im Elfmeterschießen. © Getty
Saudi-Arabien sorgte nicht nur für eine der größten Sensationen des Turniers 1994, sondern auch für das schönste Tor: Ali Owairan erzielte im Vorrundenspiel gegen Belgien einen Traum-Treffer nach einem Alleingang über gefühlte 100 Meter. Die Saudis zogen ins Achtelfinale ein (Aus gegen Schweden), genau dort war auch für Belgien Schluss (2:3 gegen Deutschland). © Getty
Ein Jahrhundert-Spiel mit sensationellem Ausgang war das Achtelfinale zwischen Argentinien und Rumänien. Die Osteuropäer zauberten gegen Batistuta & Co. und gewannen 3:2. Ilie Dumitrescu (Bild) erzielte zwei Tore. Rumänien schied dann im Viertelfinale gegen Schweden nach Elfmeterschießen aus. © Getty
Eine Sensation, auf die wir gerne verzichtet hätten: Bulgarien warf die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale 1994 mit 2:1 aus dem Turnier. Bundesliga-Legionär Yordan Letchkov (Hamburger SV) köpfte die Stars um Stoichkov, Balakov und Kostadinov ins Halbfinale, wo aber gegen Italien Endstation war (1:2). © Getty
WM 1990: Paukenschlag zum Auftakt der WM 1990 in Italien! Kamerun besiegte Weltmeister Argentinien durch einen Kopfballtreffer von Francois Omam-Niyik mit 1:0. Argentiniens Keeper Nery Pumpido durfte nach seinem kapitalen Patzer im Turnier nicht mehr ran. Argentinien kam ins Endspiel - scheiterte dort aber an Deutschland (0:1). © Getty
Kamerun sorgte für weitere Sensationen und zog als erste afrikanische Mannschaft überhaupt ins Viertelfinale einer WM ein. Roger Millas zwei Treffer gegen Kolumbien (2:1 n.V.) ebneten den Weg dazu. Im Viertelfinale schieden die "Unzähmbaren Löwen" dann unglücklich gegen England aus (2:3 n.V.) © Getty

Der neue Nationaltrainer Cesare Prandelli muss einen Generationswechsel einläuten. Was Marcello Lippi nicht gelungen ist, wird aber auch ihm schwer fallen. "Es ist eine Ära zu Ende gegangen und in unserer neuen Generation sind keine wirklichen Ausnahmefußballer", sagt der mit 36 Jahren zurückgetretene Kapitän Fabio Cannavaro zurecht. In Südafrika konnte sich nur der Deutsch-Italiener Riccardo Montolivo empfehlen. Der Mittelfeldspieler des AC Florenz ist aber auch schon 25 Jahre alt.


Die WM-Maskottchen seit 1966

Hier sehen Sie die WM-Maskottchen seit 1966 - klicken Sie sich durch! © Getty
WM 2010 in Südafrika: Zakumi © dpa / Bökelmann
WM 2010 in Südafrika: Zakumi © Getty
WM 2010 in Südafrika: Zakumi © Getty
WM 2010 in Südafrika: Zakumi © Getty
WM 2010 in Südafrika: Zakumi © Getty
WM 2006 in Deutschland: Goleo VI und Pille © dpa / Bökelmann
WM 2006 in Deutschland: Goleo VI und Pille © Getty
WM 2006 in Deutschland: Goleo VI und Pille © Getty
WM 2006 in Deutschland: Goleo VI und Pille © Getty
WM 2006 in Deutschland: Goleo VI und Pille © Getty
WM 2006 in Deutschland: Goleo VI und Pille © Getty
WM 2002 in Japan und Korea: Die Spheriks (Ato, Nik und Kaz) © dpa / Bökelmann
WM 2002 in Japan und Korea: Die Spheriks (Ato, Nik und Kaz) © Getty
WM 2002 in Japan und Korea: Die Spheriks (Ato, Nik und Kaz) © Getty
WM 1998 in Frankreich: Footix © dpa / Bökelmann
WM 1998 in Frankreich: Footix © Getty
WM 1998 in Frankreich: Footix © Getty
WM 1998 in Frankreich: Footix © Getty
WM 1994 in den USA: Striker © dpa / Bökelmann
WM 1990 in Italien: Ciao © dpa / Bökelmann
WM 1986 in Mexiko: Pique © dpa / Bökelmann
WM 1982 in Spanien: Naranjito © dpa / Bökelmann
WM 1978 in Argentinien: Gauchito © dpa / Bökelmann
WM 1974 in Deutschland: Tip und Tap © dpa / Bökelmann
WM 1970 in Mexiko: Juanito © dpa / Bökelmann
WM 1996 in England: Willie © dpa / Bökelmann

"Wir haben Defizite im Nachwuchs", räumt Abete ein. Zwischen 1992 und 2004 wurde Italiens U 21 fünf Mal Europameister, jetzt bangt sie sogar um die Qualifikation. "Der WM-Misserfolg ist auch der Misserfolg unserer Clubs", behauptete Cannavaro. Statt auf junge italienische Spieler zu setzen, holen sie Ausländer. In der zu Ende gegangenen Saison kamen 42,9 % der Fußballer in der Serie A aus dem Ausland - so viel wie nie zuvor. Inter Mailand gewann die Champions League gegen Bayern München ohne einen einzigen Italiener in der Startelf.

Italiens Talente bekommen bei den Top-Clubs keine Chance. Wer aber keine "Alles oder Nichts-Spiele" im Europacup durchzustehen lernt, bricht psychisch bei einer WM ein. "Meine Spieler hatten Angst", gab Lippi offen zu. Obwohl der Trainer alle Schuld daran auf sich nahm, sind auch die Fans und die italienischen Medien schuldig: Die Tifosi sehen ihr Team lieber mit einem Eigentor nach 90 Minuten Mauerfußball gewinnen, als nach tollen Offensivspiel 2:3 verlieren. Italiens Fußball braucht deshalb auch einen Mentalitätswechsel - wer Angst vor Niederlage hat, kann nicht gewinnen.

Erpressung, marode Stadien, keine EM

Auch auf die Fankultur müsse man einwirken, mahnte Cannavaro. Manche Club-Chefs geben offen zu, dass sie von radikalen Fangruppen aus den eigenen Reihen erpresst werden. Gewalt ist in Italiens Stadien alltäglich. Die Regierung hat die Gesetze verschärft und verbietet Fans bei kritischen Partien die Reise zu Auswärtsspielen. Viel geändert hat sich nicht. Fußball ist in Italien kein Familienfest, auch weil die Stadien veraltet und unattraktiv sind. In Rom und Mailand können sich die Clubs seit Jahren nicht mit den Politikern und Bürokraten auf gemeinsame Stadienprojekte einigen. Nur Juventus Turin baut derzeit eine eigene Fußballarena mit integriertem Vergnügungszentrum. Ohne moderne Stadien wird den Top-Clubs langfristig das Geld ausgehen, weil sie weder für Zuschauer noch für Sponsoren attraktiv sind.

Mit den EM-Bewerbungen hoffte Abete auf einen Befreiungsschlag. Aber für 2012 und 2016 wurde Italien bei der UEFA abgewatscht. Und nun gerät nach dem WM-Debakel auch noch der Verband in Geldnot: Auf 20 Millionen Euro wird der Einnahmeverlust durch den Vorrunden-K.o. bei der WM geschätzt.

Sportlich droht Italien in der FIFA-Rangliste der Absturz von derzeit Platz 5 auf einen Rang zwischen 12 und 15. Damit wird Italien bei den nächsten Turnieren nicht mehr gesetzt und könnte schon in den Gruppen auf Top-Teams treffen. Kein Wunder, dass Cannavaro warnt: "Ändert sich bei uns nicht einiges, werden wir unsere nächste WM erst in 25 Jahren gewinnen!"

Von Bernhard Krieger, dpa

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