Schmach für DFB-Elf

Nordmazedonische Presse lacht über Deutschland und bejubelt „größten Sieg der Geschichte“

Fußball: WM-Qualifikation Europa, Deutschland - Nordmazedonien, Gruppenphase, Gruppe J, 3. Spieltag in der Schauinsland-Reisen-Arena. Timo Werner (Deutschland) steht nach dem Tor zum 1:2 enttäuscht auf dem Platz. kimmich
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Fußball: WM-Qualifikation Europa, Deutschland - Nordmazedonien, Gruppenphase, Gruppe J, 3. Spieltag in der Schauinsland-Reisen-Arena. Timo Werner (Deutschland) steht nach dem Tor zum 1:2 enttäuscht auf dem Platz.

Vor dem Anpfiff mahnt die DFB-Elf mit einer weiteren Aktion die Einhaltung der Menschenrechte an - das war aber schon das einzig positive an diesem Abend. Auf dem Rasen tut sich die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw extrem schwer gegen Nordmazedonien und kassiert die erste Niederlage in einer WM-Quali seit fast 20 Jahren. Peinlich!

Update, 10.41 Uhr - Nach Triumph über DFB: Nordmazedonier feiern - „Jungs, das war Geschichte“

Langsam, kraftlos, fahrlässig: Deutschland blamiert sich in Duisburg bis auf die Knochen und muss sich Außenseiter Nordmazedonien geschlagen geben. Für die Presse in Nordmazedonien gibt es kein Halten mehr - der Coup gegen den vierfachen Weltmeister Deutschland ist schließlich der größte Sieg in der Geschichte des kleinen Landes. 

„makfax.com“: „Jungs, das war Geschichte! (Nord-)Mazedonien hat Deutschland in Duisburg K.O. geschlagen. (...). Die (nord-)mazedonische Fußball-Nationalmannschaft verzeichnete den größten Sieg ihrer Geschichte. (...) Dies zeigt, dass die Equipe von Igor Angelovski für große Wettbewerbe wie die Europameisterschaft in diesem Sommer gerüstet ist. (...) Bravo!“

„vecer.mk“: „Das Wunder von Duisburg: Der großartige Pandev und der diamantene Elmas traten Deutschland in die Knie (...) Es ist definitiv der größte Sieg in der Geschichte (Nord-)Mazedoniens.“ 

„telma.mk.com“: „(Nord-)Mazedonien bezwang Deutschland - Triumph unserer Fußballer in Duisburg. (...) Unsere Mannschaft spielte ein perfektes Match, sicher und entschlossen in der Verteidigung und chirurgisch präzise im Angriff. Die Anlage des (nordmazedonischen) Spiels verhinderte, dass Deutschland seinen eigenen Spielstil durchsetzen und trotz seiner Dominanz im Ballbesitz mehr Torchancen herausspielen konnte.“ 

Erstmeldung:

Joachim Löw verschwand so schnell wie möglich im Spielertunnel, Ersatzkapitän Ilkay Gündogan zog ein schonungsloses Fazit. „Viele Worte fallen mir gerade nicht ein. So eine Niederlage darf nicht passieren“, sagte Gündogan bei RTL. Mit seinem letzten Neun-Punkte-Auftrag für die Katar-WM scheiterte der scheidende Bundestrainer Löw krachend am Außenseiter Nordmazedonien und geht nach der nächsten historischen Niederlage mit einer schweren Hypothek in die heiße Vorbereitung für seinen letzten Titelanlauf im Sommer. „Die Enttäuschung ist riesengroß“, konstatierte Löw.

Bei der Länderspiel-Premiere gegen den Weltranglisten-65. kassierte die zwar überlegene, aber wieder ineffiziente Fußball-Nationalmannschaft durch das 1:2 (0:1) am Mittwochabend in Duisburg die erste Niederlage in einer WM-Qualifikation seit beinahe 20 Jahren. „Das ist nicht unser Anspruch“, haderte Güdogan.

Routinier Goran Pandev mit seinem Tor in der zweiten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit und Eljif Elmas (85.) machten die unliebsame Überraschung und den sensationellen Sieg des Außenseiters in Duisburg perfekt. „Meine Spieler sind Helden“, sagte Trainer Igor Angelovski und jubilierte: „Ich widme den Sieg meinen Kindern.“

Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Gündogans Foulelfmeter (63.) war wertlos. Statt mit dem wohligen Gefühl von drei Quali-Siegen Richtung EM zu gehen, ist Löw wie nach dem 0:6 in Spanien schon wieder in Erklärungsnot. In 76 Tagen geht es beim ersten EM-Ernstfall in München nicht gegen einen Außenseiter vom Balkan, sondern gegen Weltmeister Frankreich. Die Rufe nach einem Comeback von Thomas Müller und Mats Hummels werden ganz sicher noch lauter werden.

„Die Frage ist heute nicht zu beantworten wegen eines Spiels“, war die Reaktion des Bundestrainers auf die Frage zu einem Nationalelf-Comeback von Thomas Müller und Mats Hummels. Der 61-jährige sprach von einem „richtigen Rückschlag“ im letzten Länderspiel vor der Nominierung des EM-Kaders Mitte Mai. Erst dann müsse er eine Entscheidung treffen. Zudem sagte der im Sommer scheidende Bundestrainer, dass die Frage nach den zwei aussortierten Weltmeistern von 2014 nach den vorangegangenen Siegen gegen Island (3:0) und Rumänien (1:0) nicht gestellt worden sei.

„Wir werden uns die nächsten Tage und Wochen intensive Gedanken machen“, kündigte Löw auch mit Blick auf die Personalauswahl für das Turnier an.

Für seinen noch nicht benannten Nachfolger hinterließ Löw zudem ein nicht für möglich gehaltenes WM-Szenario. Statt mit neun Punkten die Gruppe J anzuführen, startet Deutschland im September mit einem neuen Bundestrainer als Tabellendritter hinter Armenien und Nordmazedonien in einen heißen Quali-Herbst. Nur der Gruppensieger ist sicher im Advent 2022 bei der Endrunde in Katar dabei. Für Löw war es im 33. und letzten WM-Qualifikationsspiel die erste Niederlage. Die letzte Pleite gab es noch unter Teamchef Rudi Völler 2001 beim 1:5 gegen England.

Immerhin vor dem Spiel in Duisburg überzeugte die DFB-Elf mit einer weiteren Botschaft für Menschenrechte: Die Profis versammelten sich hinter einem Transparent mit der schwarz-rot-goldenen Aufschrift „Wir für 30“ – ein neuerlicher Hinweis auf die 30 Artikel der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen.

mz

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