Hertha: Verbindlichkeiten über 30 Millionen Euro

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Hertha-Coach Markus Babbel

Berlin - Bei den Fans hoch im Kurs, bei den Banken weiter in der Kreide: Hertha BSC Berlin kehrt mit finanziellen Belastungen in die Bundesliga zurück.

Den Klub aus der Hauptstadt drücken Verbindlichkeiten von knapp über 30 Millionen Euro. Allerdings konnte der Zuschauerschnitt in der 2. Liga stabil gehalten werden.


Hertha ist wieder „in“. Zu dieser Erkenntnis kamen nicht nur die 77.116 Besucher, die der „Alten Dame“ am Sonntag beim 2:1 gegen den FC Augsburg einen Zweitliga-Rekord bescherten. Hertha lockte in der abgelaufenen Saison im Schnitt 46.678 Zuschauer ins Olympiastadion und erzielte damit nahezu exakt das Vorjahresergebnis aus dem Oberhaus (46.681). Im europäischen Vergleich nahmen die Berliner einen Platz in den Top 30 ein - als einziger Zweitligist.

Den Etat für die Erstliga-Saison setzte der Aufsteiger bei 57,6 Millionen Euro an. Eine deutliche Steigerung zum Zweitliga-Etat, der sich am Ende bei rund 45 Millionen Euro bewegte. Die Acht-Millionen-Euro-Gabe eines unbekannten Investors sind im Etat der alten Saison verrechnet, so dass sich der Stand der Verbindlichkeiten zum 30. Juni 2011 auf 30 bis 31 Millionen Euro beläuft.


Ex-Bundesligisten in den Amateurligen

Vielen Traditionsvereinen geht's finanziell schlecht. Sogar von Insolvenz und Abstieg in den Amateurbereich war immer wieder die Rede, so auch bei 1860 München. Die Löwen wurden am Ende gerettet, doch sie wären nicht die erste Mannschaft gewesen, die in den Niederungen des Amateurfußballs strandet. © Getty
Es gibt zwar Beispiele von Vereinen, die wieder auf die Beine gekommen sind. Etwa hat sich Fortuna Düsseldorf von der 4. in die 1. Bundesliga zurückgekämpft und der TSV 1860 von der 3. in die 1. Doch es gibt auch Ex-Bundesligisten, die in der Versenkung verschwunden sind. Sehen Sie hier eine Aufstellung der ehemaligen Bundesligisten, die heute in der 4. Liga oder tiefer spielen. © Getty
KFC Uerdingen: DFB-Pokalsieger 1985, heute Niederrheinliga (6. Liga) © Getty
Waldhof Mannheim: Bundesligist 1983-1990, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
Rot-Weiss Essen: Deutscher Meister 1955, heute NRW-Liga (5. Liga) © Getty
Wattenscheid 09: Bundesligist 1990-1994, heute Westfalenliga (6. Liga) © Getty
Wuppertaler SV: UEFA-Pokal-Teilnehmer 1973/1974, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
Bor. Neunkirchen: drei Jahre in der Bundesliga, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
FC Homburg: drei Jahre in der Bundesliga bis 1989/90, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
SV Darmstadt: zwei Jahre in der Bundesliga, heute in der 3. Liga (3. Liga) © Getty
Fortuna Köln: Bundesligist 1973/1974, heute NRW-Liga (5. Liga)   © Getty
Lokomotive Leipzig: Europacup-Finalist 1987 und Bundesligist 1993/94 (als VfB Leipzig), heute Oberliga (5. Liga) © Getty
Preußen Münster: Bundesligist 1963/1964, heute in der 3. Liga. © Getty
Stuttgarter Kickers: Bundesligist 1988/89 und 1991/92, heute in der 3. Liga. © Getty
TeBe Berlin: Bundesligist 1974/1975 und 1976/77, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
SSV Ulm 1846: Bundesligist 1999/2000, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
Das größte Fahrstuhlteam: Blau Weiß Berlin: Bundesligist 1986/87, heute Bezirksliga (8. Liga) © dpa
Das zweitgrößte Fahrstuhlteam: Tasmania Berlin: Bundesligist 1965/66, heute Landesliga (7. Liga) © dpa

Die Planungen für die neue Saison sind vorsichtig gesteckt. Sportlich sind sind 42 Punkte anvisiert. Das würde Klassenerhalt bedeuten. Im DFB-Pokal ist das Erreichen der 2. Hauptrunde vorgesehen. Der Besucherschnitt wurde mit 42.000 kalkuliert. „Das ist konservativ geplant“, sagte Geschäftsführer Ingo Schiller wenige Stunden vor der Mitgliederversammlung des Klubs.

Eine Ausweitung des finanziellen Spielraums könnte laut Schiller im DFB-Pokal beim Erreichen der 3. Runde, durch einen höheren Zuschauerschnitt sowie durch Transfererlöse erreicht werden. Die vom Senat gestundete Stadionmiete über rund zwei Millionen Euro will der Klub komplett in der neuen Saison tilgen.

Viel Geld für Neuverpflichtungen bleibt nicht, größere Ablösesumme können nicht gezahlt werden. Dennoch soll der Kader noch verstärkt werden. Nachdem bereits Torwart Thomas Kraft von Bayern München an die Spree kam, steht in Mittelfeldspieler Andreas Ottl ein weiterer Bayern-Profi ganz oben auf der Wunschliste. Weiterhin im Gespräch ist Abwehrspieler Maik Franz von Absteiger Eintracht Frankfurt. Auch der ehemalige Berliner Malik Fathi in Diensten des FSV Mainz 05 brachte sich für eine Rückkehr ins Gespräch.

sid

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