Aufsichtsrat zerbricht

Trotz Slomka: HSV-Theater hält an

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Das Hickhack im Aufsichtsrat des Hamburger SV hält weiter an

Hamburg - Einen neuen Trainer hat der Hamburger SV in Mirko Slomka zwar gefunden, die Führungskrise ist allerdings immer noch nicht beigelegt. Fünf Aufsichtsratsmitglieder haben ihren Rücktritt erklärt.

Den ersten Nachweis seiner Strahlkraft lieferte Mirko Slomka schon am Tag seiner Vorstellung. Der Hoffnungsträger des abgestürzten Hamburger SV rückte - zumindest für einige Momente - den Kampf um den Klassenerhalt in den Mittelpunkt. Doch die Querelen bei den Hanseaten setzen sich fort. Fünf Aufsichtsräte gaben am Montag auf und traten zum Teil auch kräftig nach. Die jüngsten Ereignisse offenbarten einmal mehr: Der Bundesliga-Dino stinkt vom Kopf her.

Und so schaffte es selbst Slomka nicht, mit der neuen Aufbruchstimmung alte Gräben zuzuschütten. Der Tag, der den Startschuss für die Aufholjagd in der Bundesliga markieren sollte, wurde auch zum Tag der Abrechnung. Der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Ertel holte nach seinem Abgang per Facebook die verbale Keule gegen die Mehrzahl seiner Gremiumskollegen heraus: „Ich habe mich in den letzten Tagen manipuliert, instrumentalisiert und genötigt gefühlt.“

Zustände, die bei HSV-Beobachtern nur noch Fassungslosigkeit hervorrufen. „In den oberen Etagen wird der Klub von Ahnungslosen geführt“, schimpfte der frühere HSV-Torwart Uli Stein, es mangele an einer Strategie. Slomka ist nun schon der zwölfte Trainer in knapp zehn Jahren. Und auch er dürfte schon bald Schwierigkeiten bekommen, sollte sich an der Spitze des Klubs nicht etwas grundlegend verändern.

„Nur die Raute im Herzen reicht da nicht“, sagte Christian Heidel im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Vereinsstruktur beim HSV sieht der Manager des FSV Mainz 05 dabei nicht als das größte Problem an.

„Wenn der Aufsichtsrat mal ein Konzept für den Verein erarbeiten würde, das über Jahre verfolgt wird, dann ist das auch in diesem Konstrukt machbar“, sagte Heidel. Das Kontroll-Gremium mit seinen elf Mitgliedern ist jedoch seit Jahren zerstritten, obwohl sich die Besetzung immer wieder verändert hat. Zudem mischte es sich zuletzt in das operative Geschäft ein, wofür laut Satzung der Vorstand zuständig ist.

Das Chaos um eine mögliche Verpflichtung von Felix Magath und die öffentliche Bloßstellung des für Slomka geschassten Trainers Bert van Marwijk hat auch Schalkes Sportdirektor Horst Heldt erschüttert. „So eine Posse habe ich noch nie erlebt, sagte der 44-Jährige bei Sport1: `Die Mannschaft macht natürlich eklatante Fehler. Aber eine Mannschaft in so einer Situation braucht auch einen Halt. Die Wurzel des Bösen liegt ganz wo anders.“ Auch der Vorstandvorsitzende Carl Jarchow und Sportdirektor Oliver Kreuzer seien geschwächt.

Hoffnung setzen viele HSV-Fans vor allem in die mögliche Strukturreform „HSVPlus“, die im Sommer zur Abstimmung steht und eine Umwandlung in eine Aktiengesellschaft vorsieht. Dann hätte der Aufsichtsrat nur noch sechs Mitglieder, die Grabenkämpfe könnten möglicherweise minimiert werden.

Greifen kann die Reform aber nur, wenn der HSV die Klasse erhält. Doch fast die Hälfte der Deutschen glaubt an den ersten Abstieg in der Vereinsgeschichte. Bei einer repräsentativen Umfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID), durchgeführt durch das Nürnberger Marktforschungsinstitut puls, sagten 43 Prozent der Befragten, dass Weg des Bundesliga-Dino am Ende der Saison erstmals ins Fußball-Unterhaus führen wird.

Dies zu verhindern, ist nun Slomkas Aufgabe. Schon bei seiner Vorstellung hatte er festgestellt, dass „es doch sehr verwinkelt beim HSV“ ist. Damit meinte der 46-Jährige zwar in ersten Linie den Aufbau des Kabinentraktes an der Imtech-Arena. Aber auch die Vereinsstrukturen müssen dringend entzerrt werden. Denn der erste Abstieg wäre nur die logische Konsequenz aus jahrelanger Misswirtschaft und Missgunst in der Hansestadt.

SID

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