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Große Aktion gegen Fan-Gewalt im Fußball

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Union-Berlin-Chaoten am Sonntag beim Spiel in Bielefeld

München/Berlin - Die jüngste Gewalt rund um den deutschen Fußball hält die Vereine weiter in Atem und hat auch die Politik aufgeschreckt.

Es könne nicht sein, dass Polizisten auch für Spiele der 3. und 4. Liga am Wochenende tausende von Überstunden leisten müssten, betonte der neue Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch bei seinem Antrittsbesuch im Bundestags-Sportausschuss. “Das ist ein Vorgang, den die Öffentlichkeit auf Dauer nicht hinnehmen kann.“ Beim Erstligisten 1. FC Nürnberg wollen sie sich den zum Teil gewalttätigen Protesten der Fans aber anders als beim VfB Stuttgart nicht beugen und weiter an Trainer Michael Oenning sowie Manager Martin Bader festhalten.

Der Trend, über Sitzblockaden und Randale größeren Einfluss auf die Politik der Clubs zu gewinnen, ist in letzter Zeit unverkennbar. “Wir müssen uns klarmachen, dass in den Stadien Woche für Woche schwerste Straftaten verübt werden“, urteilte Rainer Koch, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). “Ich habe schon einiges mitgemacht. Nach jeder zweiten Niederlage bekomme ich böse Briefe, aber die Art und Weise ist mir absolut fremd“, sagte Nürnbergs Manager Bader.

Stuttgarts umstrittener Torwart Jens Lehmann hatte im Anschluss an Babbels Entlassung “eine Gruppe pubertärer Jugendlicher“ ausgemacht. Diese hätten “dann wohl den Ausschlag gegeben, den Verein dazu zu bewegen, Entscheidungen zu treffen“, sagte Lehmann. Der renommierte Sportsoziologe Gunter A. Pilz bilanzierte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa, “dass sich die nach außen getragene Hoffnung zu mehr Menschlichkeit im Anschluss an Robert Enkes Tod nicht bewahrheitet hat“. Die Spirale der Gewalt sei ein “hilfloser Versuch“, “massiven Frust“ abzubauen.

Den Exzessen dadurch zu begegnen, die Eintrittskarten analog zur WM 2006 in Deutschland nur beim gleichzeitigen Nachweis der Identität zu verkaufen, hält de Maizière aber besonders in den unteren Ligen für nur schwer umsetzbar. “Das ist sehr aufwendig und für die 3. und 4. Liga wahrscheinlich sinnlos, aber es ist ein sehr interessanter Vorschlag“, sagte de Maizière. Auch die Vereine müssten mehr tun. Zum Teil gebe es problematische Figuren in den Sicherheitsdiensten selbst, ferner müssten Fan-Projekte in den unteren Ligen verstärkt werden. Einige im Fußball hätten inzwischen begriffen, dass es so nicht weitergehen könne. “Ich hoffe auf eine große konzertierte Aktion“, sagte de Maizière.

Jährlich 5,5 Millionen Euro steuern Bundesländer, Kommunen und die nationalen Fußballverbände zur Finanzierung der 44 Fanprojekte in Deutschland bei. “Das ist Sozialarbeit, häufig bei problematischen Zielgruppen wie den Ultras“, meinte Thomas Schneider, Fanbeauftragter der Deutschen Fußball Liga (DFL). “Dass es in Stuttgart nach wie vor kein Fanprojekt gibt, ist ein Skandal“, betonte Pilz. In Nürnberg arbeiten bezahlte Kräfte schon seit 1989 mit den Anhängern - die Szenen vom Wochenende konnten aber dennoch nicht verhindert werden.

Ein entscheidender Ansatz ist es, einen Selbstreinigungsprozess zu initiieren. “Ich reiche jedem Fan die Hand, der nach den Gesetzen dieses Landes lebt“, sagte der neue Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Der frühere Manager will nun alle vier bis sechs Wochen Fan-Sprechstunden einrichten. “Wenn ich in einem Bus sitze und sehe, wie meine Kumpels jemanden verprügeln, dann stelle ich mich hin und sage: Mit Euch nie wieder.“ Koch bekräftigte, dass “es in den Ultragruppen gewaltbereite Untergruppen gibt“, die sich in der großen Menge verstecken könnten. “Und die anderen sind oft nicht bereit, die herauszudrängen“.

dpa

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