Goldesel Wembley? Bundesliga will profitieren

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Die Bundesliga boomt

Frankfurt - Zwei Teams im Finale der Champions League - ist die Bundesliga nun die Nummer eins? Dafür ist es in den Augen von DFL-Chef Christian Seifert noch zu früh. Trotzdem kann die Liga profitieren.

Für die Marketingexperten der Bundesliga ist das deutsche Finale in Wembley ein Sechser im Lotto - und soll sich möglichst auch langfristig zum Goldesel entwickeln. 200 Millionen Menschen werden nach Angaben der UEFA das Jahrhundertspiel in der Champions League zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München am 25. Mai im Fernsehen sehen. In 209 Ländern wird live übertragen. Das Vermarktungspotenzial ist unfassbar groß - aber nicht nur für die beiden Finalisten, sondern auch für die Bundesliga als Gesamtprodukt.

Schon nach den ersten Siegen im Halbfinale gegen Real Madrid und den FC Barcelona prognostizierte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, mehr Geld aus der Auslandsvermarktung: „Wir können zwar noch nichts Zählbares verbuchen, weil die Verträge noch bis 2015 laufen, aber wir rechnen mit einer deutlichen Wertsteigerung.“ In der laufenden Rechteperiode kommt die Liga auf Auslandserlöse von durchschnittlich 71,6 Millionen Euro im Jahr - laut einem Artikel im Fachblatt Sponsors hält Seifert von 2015 an Erlöse von 100 bis 150 Millionen Euro für realistisch.

Auf dem Weg dorthin sollte Deutschlands Premium-Liga nach Ansicht von PR- und Marktforschungs-Experte Philipp Kupfer den Auftritt ihrer beiden Top-Teams in Wembley für sich nutzen. „Man sollte die beiden Aushängeschilder als Speerspitzen und das Finale als Werbung nehmen“, riet der Fachmann vom Sportmarketing-Forschungsunternehmen Repucom im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

„Das ist das Champions-League-Finale. Aber ich sehe das nicht als Ende der Fahnenstange“, meinte Kupfer. „Die Bundesliga in ihrer Entwicklung ist sportlich und wirtschaftlich ein nachhaltig stabiles Produkt.“ Auch Seifert nahm die jüngsten Erfolge als Beleg dafür, „dass es uns in der Bundesliga gelungen ist, wirtschaftliche Vernunft und sportliche Spitzenleistungen unter einen Hut zu bringen“.

2011/2012 machte die Bundesliga erstmals in ihrer Geschichte einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro. Merchandising hatte daran aber nur einen Anteil von weniger als fünf Prozent. Speziell in diesem Bereich dürfte das Finale mit seiner weltweiten Strahlkraft den Absatz von Bayern-Schals und BVB-Kappen ankurbeln - und in diesem Sog auch Teams wie Schalke oder den HSV in den Fokus von Fußballfans im Ausland rücken.

Allerdings warnte Kupfer davor, die möglichen - und wahrscheinlichen - positiven Folgen des deutschen Finals als Selbstläufer misszuverstehen. „Es ist zwar eine Werbung für die Bundesliga. Dennoch müssen Liga und Vereine das kommunikativ auch begleiten und es schaffen, den Ursprung der beiden Vereine herauszustellen“, sagte er. Denn die Liga, mit starken Vereinen wie S04 und Leverkusen, habe einen maßgeblichen Anteil am Erfolg des BVB und der Bayern. Und auch daran, dass die Liga im Ausland so positiv wahrgenommen werde.

„Die Premier League ist mit Sicherheit der Primus, auch was die Auslandsvermarktung und internationale Strahlkraft angeht“, meinte Kupfer. Aber die Bundesliga habe sich „durch eine gewisse Ausgeglichenheit eine Position erarbeitet, wo sie die Primera División angegriffen hat und vorbeigezogen ist. Zur Premier League ist sie in erweiterter Schlagdistanz.“

DFL-Chef Seifert sieht es ähnlich. „Ganz Europa blickt momentan auf die Bundesliga. Ob wir jetzt allerdings die beste Liga der Welt sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, wenn wir Konstanz beweisen. Aber wir können in jedem Fall stolz sein.“

dpa

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