Hitzfeld: "Bayern ist Favorit"

"German Endspiel": Sogar der Ball ist deutsch

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Bayern-Kapitän Philipp Lahm beim Abflug in München

London - Die Welt erlebt das erste deutsche Endspiel in der Champions League. Borussia Dortmund kann gewinnen, der FCBayern München muss schon gewinnen.

Das Ende der „Road to Wembley“ ist erreicht. Am Freitag sind Borussia Dortmund und der FC Bayern München endlich nach London gereist, der vorläufigen Endstation ihrer Sehnsüchte. Bereits seit Wochen bewegt das erste „German Endspiel“ der Champions League bis hinauf zu Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz Deutschland, sogar der Ball ist Deutscher - „Finale Wembley“, heißt er. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach spricht vom „Festtag für den deutschen Fußball“, und er betont: „Egal, wer am Samstag als Sieger vom Platz geht, der deutsche Fußball ist der Gewinner.“

Der BVB und der FC Bayern werden das naturgemäß spätestens dann völlig anders sehen, wenn Schiedsrichter Nicola Rizzoli aus Italien am Samstag um 20.45 Uhr MESZ (ZDF und Sky) vor 86.000 Zuschauern das historische deutsche Finale in der Kathedrale des Fußballs anpfeift. Für Dortmund wäre es der zweite Sieg in der Königsklasse nach 1997, für die Münchner, die 1974, 1975 und 1976 schon den Europapokal der Landesmeister gewannen, der zweite nach 2001. Der Trainer in beiden Fällen war Ottmar Hitzfeld, seine Prognose für Samstag ist präzise: „Bayern ist klarer Favorit.“

Gegen diese Rolle kann und mag sich der FC Bayern auch nicht wehren. Der Rekordmeister strotzt nach einer Saison der Rekorde vor Selbstvertrauen. „Wir gehen dahin, um zu gewinnen. Und Aus“, sagte Arjen Robben am Freitagvormittag bei der Anreise nach London. Die Dortmunder flogen ein wenig von Gate „09“ am Dortmunder Flughafen hinterher. „Wembley“, sagte Trainer Jürgen Klopp, „wird einer der größten Momente in unserem Leben“, er betonte aber: „Wir werden uns nicht zufrieden geben, Finalist zu sein. Jetzt wollen wir auch den Cup gewinnen.“

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Die Dortmunder, auferstanden aus den Ruinen der Beinahe-Pleite von 2005, seit immerhin sechs Spielen in der Bundesliga ungeschlagen gegen die Münchner, mimen allerdings mit Leidenschaft den Underdog. „Der FC Bayern ist die beste Mannschaft der Welt“, sagt Klopp und fügt hinzu: „Wenn wir gewinnen, heißt das nur, dass wir die beste Mannschaft der Welt geschlagen haben.“ Klopps Chef, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, behauptet: „Es gibt derzeit in Europa nur einen Klub, der die Bayern schlagen kann: Borussia Dortmund.“ Das ist dem BVB in den vergangenen vier Duellen allerdings nicht gelungen.

Franz Beckenbauer, „Kaiser“ der deutschen Fußball-Nation, ist allerdings der Ansicht, dass nur einer den FC Bayern schlagen kann: der FC Bayern. „Es liegt nur an uns, ob wir Champions-League-Sieger werden“, bestätigt Bastian Schweinsteiger, vor einem Jahr der große Unglücksrabe im Elfmeterschießen. Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge allerdings betont: „Ich finde, wir gehen nicht arrogant, hochmütig oder überheblich nach Wembley.“ Er habe, ergänzte er, das „totale Vertrauen“ zur Mannschaft und zu Trainer Jupp Heynckes.

Nach den zwei verlorenen Meisterschaften gegen Dortmund, nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Dortmund, nach den zwei Niederlagen im Finale der Champions League 2010 (gegen Inter Mailand) und 2012 und nach einer grandiosen Bundesliga-Saison der Rekorde geht es für die Münchner um alles. Ginge es wieder schief, sagt Thomas Müller, dann hätten er und seine Mitspieler einen „Loser-Stempel“, und sie hätten ihn auch „zurecht“, auch wenn Bastian Schweinsteiger über den Pokal sagt: „Ich lebe auch nicht länger, wenn ich ihn gewinne.“

Während Dortmund erst der Wechsel, dann die Verletzung von Götze in Atem hielt, geben sich die Münchner trotz der Steuer-Affäre um Präsident Uli Hoeneß seit Wochen gelassen. Man solle „nicht so viel Blabla machen“, sagt Franck Ribery, „wir müssen Fußball spielen.“ Ein paar Attacken gegen die Dortmunder hat allenfalls Sportvorstand Matthias Sammer geritten, 1997 als Spieler Champions-League-Sieger - mit dem BVB. Er betont: „Wenn wir unser Top-Niveau erreichen, kann es keinen anderen Sieger geben“ - als den FC Bayern.

Wenn. Tatsächlich steht der deutsche Rekordmeister unter einem wesentlich größeren Druck. Borussia Dortmund kann gewinnen, der FC Bayern muss gewinnen - sonst wird eine großartige Saison durch die ultimative Demütigung entwertet. Wieder eine Niederlage im Endspiel der Champions League, noch dazu gegen Dortmund, den Rivalen, den die Münchner ja so gerne klein halten wollen - schlimmer ginge es nicht.

„Dieses Spiel“, sagt Rummenigge, „hat eine ganz wichtige Bedeutung für beide Mannschaften - erst recht für Bayern München.“

Das Selbstverständnis der Münchner aber wäre angekratzt. Ihre Macht haben sie schon vor der Saison demonstriert, als sie mal eben noch 40 Millionen Euro für Javi Martinez ausgaben. Demnächst werden sie 37 Millionen Euro an Dortmund überweisen, damit Pep Guardiola, der ab dem 26. Juni die Nachfolge von Jupp Heynckes als Trainer an der Säbener Straße antreten wird, seinen Lieblingsspieler bekommt. Irgendwann nach diesem Endspiel, in diesem oder im nächsten Sommer, wird ihm wohl Robert Lewandowski folgen.

Dortmund kann da nicht mithalten, auch wenn der BVB in dieser Champions-League-Saison so viel einnahm wie der FC Bayern: etwa 60 Millionen Euro. Die Münchner werden beim Umsatz 2013 erstmals die Marke von 400 Millionen Euro knacken, sie sind, trotz der gewaltigen Ausgaben, die sie tätigen, wirtschaftlich pumperlgsund, wie man in Bayern sagen würde. Dortmund dürfte sich nun einem Umsatz von 300 Millionen nähern und einen Rekordgewinn verbuchen - aber für den FC Bayern wird es dennoch nicht reichen. Zumindest nicht finanziell.

sid

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