Fürths Kicker planen die nächste Pokal-Sensation

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Olviier Occean will nach seinem Doppelpack gegen den TSV 1860 München auch gegen Dortmund seine Treffsicherheit unter Beweis stellen.

Fürth - Mit dem 4. August 1990 kann wohl kaum einer der jetzigen Dortmunder Fußballer noch etwas anfangen - damals aber gelang dem großen Außenseiter aus Fürth die Pokalsensation gegen den BVB.

Jetzt sollen die “fußballerischen Vollraketen“ des BVB gebremst werden. In der 2. Liga räumt Greuther Fürth zurzeit alles weg, was sich dem Tabellenführer da so entgegenstemmt - im DFB-Pokal-Halbfinale treffen die Franken am Dienstag (20.30 Uhr/ZDF und Sky) aber auf ein anderes Kaliber: Der seit 20 Punktspielen ungeschlagene deutsche Fußball-Meister Borussia Dortmund will sich auf dem Weg nach Berlin vom Underdog bloß nicht aufhalten lassen.


“Dortmund ist das Maß der Dinge im deutschen Fußball“, betonte Fürths Trainer Mike Büskens. “Dort kostet ein Spieler mehr als unsere ganze Mannschaft. Und wenn wir den Wert unseres Stadions dazu addieren, kommen wir vielleicht auf den Marktwert von Mario Götze“, urteilte der Coach, der am Montag 44 Jahre alt wurde. Als Ex-Schalker mit viel Herz ist er besonders heiß gegen die BVB-“Vollraketen“, wie er den Erstliga-Spitzenreiter bezeichnete: “Sollten uns die Dortmunder etwas anbieten, werden wir zur Stelle sein!“

Die Feindschaft im Ruhrpott ist auch beim Pokalspiel ein großes Thema, zwei Ex-Schalker wollen die Gäste ärgern: Büskens war 18 Jahre lang Gelsenkirchener, 12 Jahre stürmte Fürths Winter-Zugang Gerald Asamoah für die “Königsblauen“. Der 33-Jährige hat bis dato in vier Zweitliga-Partien viermal getroffen, mit dem BVB verbindet ihn eine ganz eigene Geschichte: Im Jahr 2007 stand Schalke kurz vor der Meisterschaft, spielte in Dortmund - und Asamoah kündigte an, im Falle eines Titelgewinns zu Fuß nach Hause laufen zu wollen.


DFB-Pokal-Sensationen seit 1990

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1. DFB-Pokal-Runde 2012/2013: Gleich sechs Bundesligisten flogen schon in der 1. Runde raus, fünf davon gegen Drittligisten oder Amateurvereine. So wie 1899 Hoffenheim, dass gegen den Regionalligisten Berliner AK mit 0:4 unter die Räder kam. © dpa
Mit dem TSV Havelse kam gegen den 1. FC Nürnbereg ebenfalls ein Regionalligist gegen einen Bundesligisten weiter. Havelse gewann 3:2 nach Verlängerung. © dpa
Drittligist Kickers Offenbach bezwang Bundesliga-Aufsteiger SpVgg Greuther Fürth mit 2:0. © dpa
Debakel für den Bundesliga-Dino: Bei Drittligist Karlsruher SC schied der Hamburger SV mit 2:4 aus. © dpa
Mit dem selben Ergebnis, allerdings nach Verlängerung, unterlag Werder Bremen bei Preußen Münster. © dpa

Doch Schalke verlor, Stuttgart wurde Meister, und bei Asamoah flossen Tränen. “Es war immer geil, gegen Lüdenscheid zu spielen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch einmal die Chance dazu bekomme“, meinte er im “Kicker“ - den Namen Dortmund wollte er nicht in den Mund nehmen. Seine Marschroute: “Erst Lüdenscheid bezwingen, dann den Pokal holen und Meister werden!“

Mehr als dreieinhalb Millionen Euro sind durch das Pokal-Abenteuer und die überraschenden Siege in Nürnberg und in Hoffenheim schon in die fränkischen Kassen geflossen. Im Zweitliga-Alltag agiert Büskens' Team so stabil, dass es diesmal wirklich was mit dem langersehnten Aufstieg, dem ersten der Vereinsgeschichte, werden könnte. “Auf jeden Fall wissen wir, dass wir eine super Truppe zusammen haben“, sagte Asamoah und meinte: “Ich habe eine gute Bilanz gegen Lüdenscheid.“

Das flößt sogar dem haushohen Favoriten Respekt ein. “Es ist unglaublich, wie Fürth aus wenig viel macht. Das verdient Hochachtung“, lobte BVB-Trainer Jürgen Klopp. “Fürth ist ein gefühlter Erstligist“, analysierte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Im laufenden Wettbewerb sind beide Teams in der regulären Spielzeit noch ohne Gegentor. “Wir haben aus den Pokal-Niederlagen der vergangenen Jahre eine große Lust entwickelt, in dieser Saison sehr weit zu kommen“, sagte Klopp bei der Pressekonferenz am Montag. Die Westfalen stehen zum 10. Mal in einem Halbfinale, es winkt der fünfte Einzug ins Endspiel.

Die DFB-Pokal-Sieger seit 1985

26. Mai 1985: Bayer 05 Uerdingen schlägt den FC Bayern München 2:1. Hier die Uerdinger Wolfgang (r.) und Friedhelm Funkel. © Bongarts/Getty Images
3. Mai 1986: FC Bayern München schlägt den VfB Stuttgart 5:2. Mit dabei waren die Spieler Dieter Hoeneß und Lothar Matthäus (v. l.) sowie Trainer Udo Lattek (r.). © Bongarts/Getty Images
20. Juni 1987: Der Hamburger SV schlägt die Stuttgarter Kickers 3:1 © Bongarts/Getty Images
28. Mai 1988: Eintracht Frankfurt schlägt den VfL Bochum 1:0 © Bongarts/Getty Images
24. Juni 1989: Borussia Dortmund schlägt Werder Bremen 4:1 © Bongarts/Getty Images
19. Mai 1990: 1. FC Kaiserslautern schlägt  Werder Bremen 3:2 © Bongarts/Getty Images
22. Juni 1991: Werder Bremen schlägt den 1. FC Köln 4:3 nach Elfmeterschießen © Bongarts/Getty Images
23. Mai 1992: Hannover 96 schlägt Borussia Mönchengladbach 4:3 nach Elfmeterschießen © Bongarts/Getty Images
12. Juni 1993: Bayer 04 Leverkusen schlägt Hertha BSC Berlin Amateure 1:0 © Bongarts/Getty Images
14. Mai 1994: Werder Bremen schlägt Rot-Weiß Essen 3:1 © Bongarts/Getty Images
24. Juni 1995: Borussia Mönchengladbach schlägt VfL Wolfsburg 3:0 © Bongarts/Getty Images
25. Mai 1996: 1. FC Kaiserslautern schlägt den Karlsruher SC 1:0 © Bongarts/Getty Images
14. Juni 1997: VfB Stuttgart schlägt den FC Energie Cottbus 2:0 © Bongarts/Getty Images
16. Mai 1998: FC Bayern München schlägt MSV Duisburg 2:1 © Bongarts/Getty Images
12. Juni 1999: Werder Bremen schlägt FC Bayern München 6:5 nach Elfmeterschießen © Bongarts/Getty Images
6. Mai 2000: Der FC Bayern München schlägt Werder Bremen 3:0 © Bongarts/Getty Images
26. Mai 2001: Der FC Schalke 04 schlägt 1. FC Union Berlin 2:0 © Bongarts/Getty Images
11. Mai 2002: Der FC Schalke 04 schlägt Bayer 04 Leverkusen 4:2 © Bongarts/Getty Images
31. Mai 2003: Der FC Bayern München schlägt den 1. FC Kaiserslautern 3:1 © Bongarts/Getty Images
29. Mai 2004: Werder Bremen schlägt Alemannia Aachen 3:2 © Bongarts/Getty Images
28. Mai 2005: Der FC Bayern München schlägt FC Schalke 04 2:1 © Bongarts/Getty Images
29. April 2006: Der FC Bayern München schlägt Eintracht Frankfurt 1:0 © Bongarts/Getty Images
26. Mai 2007: Der 1. FC Nürnberg schlägt den VfB Stuttgart 3:2 nach Verlängerung © Bongarts/Getty Images
19. April 2008: Der FC Bayern München schlägt Borussia Dortmund 2:1 nach Verlängerung © Bongarts/Getty Images
30. Mai 2009: Werder Bremen schlägt Bayer Leverkusen 1:0 © dpa
15. Mai 2010: Der FC Bayern München schlägt Werder Bremen mit 4:0 © dpa
21. Mai 2011: FC Schalke 04 schlägt MSV Duisburg 5:0. © dpa
12. Mai 2012: Borussia Dortmund schlägt den FC Bayern München mit 5:2. © dpa
1. Juni 2013: Der FC Bayern München besiegt den VfB Stuttgart mit 3:2 (1:0) © dpa
17. Mai 2014: Der FC Bayern München schlägt Borussia Dortmund mit 0:2 (0:0) in der Verlängerung © dpa

Vor ausverkauftem Haus und rund 15 500 Zuschauern “erwartet uns ein Hexenkessel“, mahnte Nationalverteidiger Marcel Schmelzer. Etwa 2200 Dortmunder Anhänger werden den BVB begleiten. Schlechtes Omen: Wann immer die Schwarz-Gelben bisher ein Pokal-Halbfinale auswärts bestritten, flogen sie raus. Das soll kein sechstes Mal passieren: “Es ist ein sehr wichtiges Spiel - für uns, für den Verein, für die Stadt. Wir wollen unbedingt nach Berlin“, sagte Ilkay Gündogan.

Fürths letzter Titelgewinn, die dritte deutsche Meisterschaft, liegt schon 83 Jahre zurück. Der letzte große BVB-Ausrutscher gegen die Franken ist da noch präsenter: Am 4. August 1990 schieden die Dortmunder beim damaligen Landesligisten SpVgg Fürth schon in der ersten Pokalrunde aus. 1:3 - obwohl die Westfalen 88 Minuten lang in Überzahl gespielt hatten. Im BVB-Stadionmagazin war damals von der “wohl schlimmsten Blamage“ die Rede, “die sich der BVB jemals im Wettbewerb um den BVB-Pokal geleistet hat“.

dpa

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