FIFA-Paukenschlag: Bin Hammam zieht zurück

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Blatter-Herausforderer Mohamed bin Hammam (Bild) hat seine Kandidatur für die Wahl zum FIFA-Präsidenten völlig überraschend zurückgezogen.

London - Nächtlicher Paukenschlag im FIFA-Skandal: Blatter-Herausforderer Mohamed bin Hammam hat seine Kandidatur für die Wahl zum FIFA-Präsidenten völlig überraschend zurückgezogen.

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Das teilte der Chef der Asiatischen Fußball-Konföderation am Sonntag auf seiner Internetseite mit. “Ich kann nicht zulassen, dass der Name, den ich geliebt habe, mehr und mehr in den Schmutz gezogen wird wegen des Wettbewerbs zwischen zwei Einzelpersonen“, schrieb bin Hammam auf seiner Internetseite. “Das Spiel und die Menschen, die es lieben auf der ganzen Welt, müssen an erster Stelle kommen. Deshalb gebe ich den Rückzug von der Präsidentschaftswahl bekannt“, hieß es weiter.

Bin Hammam wollte auf dem FIFA-Kongress am kommenden Mittwoch gegen Amtsinhaber Joseph Blatter antreten. Doch der 61-Jährige muss sich ebenso wie Blatter und FIFA-Vizepräsident Jack Warner am (heutigen) Sonntag vor der Ethikkommission verantworten wegen angeblicher Bestechung beziehungsweise der Kenntnis davon. Wegen der bevorstehenden Anhörung in der FIFA-Zentrale in Zürich hatte Blatter sogar seinen Besuch beim Champions-League-Finale in London zwischen dem FC Barcelona und Manchester United (3:1) abgesagt. “Die jüngsten Ereignisse haben mich verletzt und enttäuscht zurückgelassen - auf professioneller und persönlicher Ebene“, erklärte bin Hammam in seinem Blog.

Vor der Ethikkommission werde er erscheinen und sich gegen die “haltlosen Anschuldigungen“ wehren. Mit dem überraschenden Schritt bin Hammams verkommt die Wahl des FIFA-Präsidenten am Mittwoch in der Züricher Messehalle endgültig zur Farce. Blatter kann nun als einziger Kandidat sogar per Akklamation bestätigt werden und seine vierte und letzte Amtszeit anstreben - wenn nicht der von FIFA-Vize Warner angekündigte “Fußball-Tsunami“ doch noch über Blatter und die FIFA hinwegfegt.

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Die Welt müsse sich auf pikante Enthüllungen gefasst machen, prophezeite der mit Bestechungsvorwürfen beschuldigte Warner. “In den kommenden zwei Tagen werden sie einen Fußball-Tsunami erleben, der die FIFA und die Welt erfassen wird, und das wird sie schockieren“, erklärte der Präsident des Kontinentalverbandes von Nord- und Mittelamerika (CONCACAF) vor seiner Abreise nach Zürich. Die Zeit sei reif, dass “ich aufhören muss, mich tot zu stellen“, erklärte Warner, ohne weitere Details zu verraten.

Der Spitzenfunktionär soll bei einem Treffen der Karibischen Fußball-Union (CFU) am 10. und 11. Mai in Trinidad gemeinsam mit bin Hammam versucht haben, zur Erhöhung der Wahlchancen des Katarers Stimmen karibischer Funktionäre für die Wahl am 1. Juni in Zürich zu kaufen. Warner bestritt erneut sämtliche Anschuldigungen und sieht einer drohenden Suspendierung mit Gelassenheit entgegen. “Sie können machen, was sie wollen, es tangiert mich nicht“, so der 68-Jährige. Vor dem spektakulären Rückzug bin Hammams soll sich nach Informationen der englischen “The Times“ sogar Großbritanniens Premierminister David Cameron für eine Verschiebung der Wahl ausgesprochen haben.

Die Tageszeitung titelte am Samstag: “Großbritannien fordert FIFA auf, die Wahl zu stoppen.“ Laut einer nicht genannten “Times“-Quelle soll Cameron “öffentlich und privat klargemacht haben, dass er glaube, die Geschäfte der FIFA seien ziemlich schmuddelig geworden“. Der englische Verband FA hatte bereits angekündigt, weder für den einen noch den anderen Kandidaten stimmen zu wollen. Der immer wieder als künftiger FIFA-Präsident gehandelte Michel Platini stellte am Wochenende klar, dass er sein Amt als UEFA-Präsident in den kommenden vier Jahren erfüllen wolle.

dpa

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