Bayern-Debakel und die Folgen

Ernüchterung: Ist Bundesliga doch nicht so stark?

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Mit 0:4 verlor der FC Bayern gegen Real Madrid.

Frankfurt/Main - Die Fußball-Bundesliga ist auf der europäischen Bühne nach dem Superjahr 2013 wieder in der Realität angekommen. DFB-Boss Niersbach sieht dennoch keinen Grund zur Panik.

Nach dem Ende der Bundesliga-Dominanz auf der europäischen Fußball-Bühne ist die Euphorie des Vorjahres verflogen. Anlass zur Sorge sieht man im deutschen Fußball wenige Wochen vor der Weltmeisterschaft jedoch kaum. „Selbst im Vorjahr, als mit den Bayern und Dortmund zwei deutsche Mannschaften im Champions-League-Finale standen, haben wir beim DFB nie gesagt, dass die Bundesliga sportlich die beste Liga der Welt ist. Dass nun keine deutsche Mannschaft im Endspiel steht, heißt nicht, dass unsere Vereine nicht konkurrenzfähig wären“, erklärte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und kündigte an: „Sie werden im nächsten Jahr wieder angreifen.“

Die herbe 0:4-Schlappe des deutschen Rekordmeisters Bayern München im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid hinterließ allerdings auch bei Niersbach eine gewisse Schock-Wirkung. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es so kommt“, räumte er ein.

Martin Kind, Präsident von Hannover 96, zog aus dem Münchener Debakel dagegen eine grundsätzliche Erkenntnis. „Wir haben die Stärke des deutschen Fußballs nach dem Triple der Bayern und den Erfolgen von Dortmund zu überhöht eingeschätzt. Das 0:4 war ein deutlicher Dämpfer und zeigt uns auch im Hinblick auf die WM, dass der deutsche Fußball nicht so stark ist wie gedacht“, warnte er bei „bild.de“.

Praktisch im Alleingang entzauberten die „Königlichen“ aus Madrid die deutschen Hoffnungsträger in der Königsklasse - im Achtelfinale Schalke 04, im Viertelfinale Borussia Dortmund und in der Vorschlussrunde die Bayern. Bayer Leverkusen war gegen Paris St. Germain chancenlos.

Die deutsche Club-Bilanz in Europa fällt daher ausgerechnet im WM-Jahr eher durchwachsen aus. Zwar standen erstmals in der Geschichte vier Bundesligisten im Achtelfinale der Champions League, doch am Ende war kein Team top. Und in der Europa League enttäuschten die deutschen Vertreter - mit Ausnahme von Eintracht Frankfurt - wie so oft in den vergangenen Jahren. Die Hessen überstanden als einziger Bundesligaverein die Gruppenphase, schieden dann aber in der ersten K.o.-Runde aus.

Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, hatte dies bereits vor einigen Wochen als Anlass zur Kritik genommen. „Fakt ist, dass viele Bundesligisten mehr finanzielle Möglichkeiten haben als die meisten anderen Clubs in Europa. Das sollte sich auf Dauer auch in den sportlichen Leistungen niederschlagen“, forderte er.

Die nationale Dominanz der Bayern tat am Ende niemandem gut und wirkte sich bis nach Europa aus. Seifert warnte daher: „Gefährlich wird es, wenn es zur Grundeinstellung wird, dass alle aus dem Mannschaftsbus aussteigen und sofort den Hofknicks vor dem großen Meister machen. Dann haben wir echte Probleme.“

Ex-Bundesligaprofi Marc Wilmots, der Belgien als Trainer erstmals seit zwölf Jahren wieder zur WM führte, sieht die Bundesliga aber nicht auf dem absteigenden Ast. „Mal sind die Spanier vorn, mal die Deutschen oder Engländer oder Italiener. Das sind die vier stärksten Ligen in Europa“, sagte Wilmots und empfahl mit Blick auf das Bayern-Aus mehr Gelassenheit: „Die Deutschen sind immer sehr kritisch. Manchmal denke ich, die spinnen.“

dpa

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