Medienberichte über leergeräumte Konten

TSV 1860 vor Scherbenhaufen: Jetzt spricht Ismaik!

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München - Nach einem Skandalspiel und dem sportlichen Abstieg in die 3. Liga steht 1860 München ohne Führung, ohne Trainer und ohne Mannschaft da. Der Verein ist am Ende - und wie es weitergeht, weiß offenbar niemand. Sogar ein Absturz in die Bayernliga ist möglich:

Das Wichtigste in Kürze:

UPDATE, 18.50 Uhr - Jetzt spricht Ismaik

Lange war es still, doch am Abend hat sich Investor Hasan Ismaik dann doch zu Wort gemeldet und eine Erklärung auf Facebook veröffentlicht. Darin heißt es, dass der Abstieg "als trauriges Kapitel in die glorreiche Geschichte des TSV 1860 einginge". Zudem gelte es jetzt, Missstände schleunigst zu beseitigen.

Was seine Zukunft bei den Löwen angeht, ließ der Jordanier jedoch offen. Er formulierte stattdessen nichtssagend: "Ich appelliere an alle Löwen-Fans, die ernsthaft und verantwortungsvoll am Wiederaufbau des TSV 1860 interessiert sind, sich mir bei der Umsetzung der nötigen Änderungen anzuschließen und unseren geliebten Verein in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen".

UPDATE, 18 Uhr - Reiter befeuert Stadiondebatte

Es war ein ereignisreicher Tag an der Grünwalder Straße - Fortsetzung garantiert. Dem Verein droht nach dem sportlichen Abstieg in die 3. Liga nun sogar der Sturz in die Bayernliga. Bis Freitag muss erstmal ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag her, um überhaupt die Lizenz für die 3. Liga zu bekommen. Hinzu kommen die Kosten für Mannschaft, Geschäftsführung, Stadion, Catering usw.! Die Sechziger stehen vor einem Scherbenhaufen - und ein offizielles Statement gab es bis Mittwoch, 18 Uhr, von Vereinsseite nicht. Auch Investor Hasan Ismaik hat sich noch nicht geäußert, ob er sein Engagement fortsetzt.

Unterdessen brachte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Stadiondebatte wieder in Schwung. "Sollten die Löwen tatsächlich zurück ins Grünwalder Stadion wollen, dann werden wir das gerne prüfen und so weit wie möglich auch unterstützen. Das Stadion ist ja grundsätzlich drittligatauglich ausgebaut, aber trotzdem braucht es für den Spielbetrieb ein Konzept, das auch alle sicherheitsrelevanten Fragen bedenkt", ließ das Stadtoberhaupt via Pressemeldung verlauten.

UPDATE, 17.15 Uhr - Rundumschlag von Mölders

1860-Stürmer Sascha Mölders hat auf Facebook nun zum Rundumschlag gegen den Verein ausgeholt. "Ich finde es traurig, dass diejenigen, die uns die ganzen Wochen diesen Weg vorgegeben haben, plötzlich alle verschwunden sind", schreibt Mölders und bezieht sich damit vermutlich auf die überraschenden Rücktritte von Geschäftsführer Ian Ayre und Präsident Peter Cassalette. 

Man habe keinen Ansprechpartner mehr gehabt, führt er weiter aus. Mehr als ein kurzes "Tschüss und alles Gute" habe es von Seiten der Vereinsbosse nicht gegeben. Für Mölders ein Unding. So etwas habe er "noch nie erlebt".

UPDATE, 16.45 Uhr - Pressemeldung Polizei

Wie die Polizei in München am Mittwoch mitteilte, gab es bereits vor dem Spiel Ärger: Zu diesem Zeitpunkt zündete eine bislang noch unbekannte Person im Bereich der Esplanade einen pyrotechnischen Gegenstand an. Weiterhin wurde beobachtet, wie ein 25-jähriger Anhänger des TSV 1860 von einem abgestellten Einsatzfahrzeug der Polizei ein Magnetschild entwendete. Der Mann wurde festgenommen.
Während des Anmarsches von Regensburger Fans mussten am Marienplatz gegen 1860-Anhänger fünf Platzverweise ausgesprochen werden, weil die Löwen-Fans ständig versuchten, die Regensburger zu provozieren. Insgesamt musste von den Beamten in der Vorspielphase sechs Mal gegen Heimfans und elf Mal gegen Gastfans unmittelbarer Zwang angewendet werden, um gegenseitige Provokationen zu unterbinden.

In der 70. Spielminute zündeten derzeit noch unbekannte Täter das Ballfangnetz in der Nordkurve an. Das Netz verschmorte dadurch auf einer Fläche von 30 x 30 cm. Nur acht Minuten später zündeten mehrere Heimfans in der Nordkurve ihre Schals an, darüber hinaus wurden Fahnenstangen und ein pyrotechnischer Gegenstand auf das Spielfeld geworfen

Aus diesen Gründen musste das Spiel durch den Schiedsrichter für zwölf Minuten unterbrochen werden. Während dieser Unterbrechung rissen Löwen Fans mehrere Sitzschalen aus ihren Verankerungen und warfen die Schalen auf eingesetzte Polizeibeamte, die zur Unterbindung von weiteren Sicherheitsstörungen im Bereich der Nordkurve eingesetzt waren. Etwa 150 Personen versuchten anschließend im Bereich der Zufahrt wieder in das Stadion zu gelangen, was durch starke Polizeikräfte verhindert werden konnte. Hier musste mehrmals der Einsatzstock und einmal ein Reizstoffsprühgerät eingesetzt werden. Die Anhänger konnten von den Beamten weggeschoben bzw. gedrückt werden und somit konnte ein Eindringen in das Stadion verhindert werden. Ein Anhänger des TSV 1860 warf einen Stuhl auf Polizeibeamte und wurde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung festgenommen. Weiterhin wurden fünf Heimfans wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs festgenommen.

Eine Gruppe von etwa 50 Anhängern versammelte sich gegen 21 Uhr vor der Geschäftsstelle des TSV München von 1860. Die Anhänger taten verbal ihren Unmut über den Ausgang des Spiels kund. Zu Straftaten kam es hier nicht.

Insgesamt mussten während des Einsatzes zehn Personen vorläufig festgenommen werden. Ihnen werden versuchte gefährliche Körperverletzungen, Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch, Beleidigung und Diebstahl vorgeworfen.

Durch diese Würfe wurden zehn Beamte leicht verletzt. Um zu verhindern, dass weitere Sitzschalen auf die eingesetzten Kräfte geworfen wurden, mussten Polizeibeamte fünf Mal das Reizstoffsprühgerät einsetzen. Zur Ermittlung der Sachbeschädigungen, gefährlicher Körperverletzungen und weiterer Straftaten wurden die entsprechenden Videoaufnahmen für die weitere Auswertung gesichert. 

Nachdem das Spiel fortgesetzt wurde, kam es noch vereinzelt zu Würfen von Fahnenstangen und Sitzschalen in Richtung Spielfeld, wodurch aber glücklicherweise niemand verletzt wurde. Nach Beendigung des Spiels verblieben die Ultragruppierungen der 1860 Fans noch etwa 15 Minuten im Stadion, das sie schließlich in Kleingruppen verließen.

Um sämtliche Straftaten aufzuklären wurde beim Kommissariat 23, mit Unterstützung der Beamten, die sich um die Fan-Szene kümmern, eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Ein Vorfall ereignete sich am Abend nach dem Spiel in der Gemeinde Haar. 

Gegen 21.30 Uhr wurde die Einsatzzentrale darüber informiert, dass in der St. Konrad Straße ein offensichtlich alkoholisierter Mann mit einer Schusswaffe drei Mal auf einen Holzstoß geschossen habe. Es konnte ermittelt werden, dass es sich bei dem Mann um einen 42-jährigen Deutschen handelte, der am späten Abend in seiner Wohnung angetroffen und gesichert werden konnte. 

Er gab an, aus Frust über den Ausgang des Spiels mit einer Gaspistole auf den Holzstoß gefeuert zu haben. Ein durchgeführter Alkoholtest ergab annähernd zwei Promille Alkohol im Blut des eingefleischten Löwenfans. Nach Durchführung der polizeilichen Maßnahmen wurde er wieder entlassen. Die Kriminalpolizei wird entsprechende Ermittlungen gegen den 42-jährigen Mann einleiten.

Pressemeldung Polizeipräsidium München

UPDATE, 16.30 Uhr - Verein wortkarg, doch Millionen fehlen

Beim Verein selbst gibt man sich weiter wortkarg. "An den Spekulationen werden wir uns nicht beteiligen", erklärte Pressesprecherin Lil Zercher am Mittwochnachmittag auf Anfrage von dieBlaue24 bezüglich der angeblich leergeräumten Konten. "Wir werden dann kommunizieren, wenn wir Fakten geschaffen haben", hieß es weiter von Seiten der Pressestelle.

Unterdessen erklärte Dr. Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbandes, dass die Löwen die Lizenz für die dritte Liga nicht erhalten werden, wenn es nicht weitere Zahlung durch Hasan Ismaik gibt. Bis Freitag brauchen die Sechziger einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Ob der Jordanier aber weitermacht, ist unklar. Koch sagte weiter, dass "wir (Anm. der Red.: der Bayerische Fußballverband) gegebenenfalls auch Platz für eine 19. Mannschaft in der Regionalliga hätten".

UPDATE, 16.10 Uhr - Angeblich Konten leergeräumt

Das Desaster an der Grünwalder Straße nimmt anscheinend immer krassere Ausmaße an: Wie die Abendzeitung berichtet, droht dem Traditionsklub der Absturz in die Fünftklassigkeit, also in die Bayernliga. Dem Bericht zufolge sind die Konten der Profi-KgaA leergeräumt worden! Angeblich sind zuletzt auch die Spielergehälter nicht gezahlt worden. Zudem soll Geschäftsführer Ian Ayre, der am Dienstagmorgen zurückgetreten war, ebenfalls kein Geld bekommen haben. Zudem deute laut AZ vieles auf einen Rückzug von Investor Hasan Ismaik hin, der seit 2011 über 60 Millionen Euro in den Verein gepumpt hat. 

Sollte der Jordanier wirklich gehen, könnten die Löwen sogar in die Bayernliga abstürzen. Denn dass dem Verein die Lizenz für die dritte Liga oder für die Regionalliga Bayern erteilt wird, gilt keineswegs als gesichert. Man bereite sich auf alle Eventualitäten vor, hieß es weiter.

Die Erstmeldung:

Ein Abstieg des TSV München von 1860, hatte der bisherige Geschäftsführer Ian Ayre gewarnt, käme einem "Desaster epischen Ausmaßes" gleich. Nun ist es eingetreten. Nach einem Skandalspiel, das wegen der fortwährenden Randale sogenannter Anhänger der Löwen hätte abgebrochen werden müssen, ist der frühere deutsche Fußball-Meister am Ende: Abstieg in die 3. Liga, keine Mannschaft, kein Trainer, keine Führung, kein Plan, keine Hoffnung.

Präsident und Geschäftsführer sind zurückgetreten

Die Auflösungserscheinungen hatten bereits vor dem Rückspiel der Relegation, vor dem 0:2 (0:2) gegen Jahn Regensburg begonnen. Geschäftsführer Ian Ayre, erst vor wenigen Wochen vom FC Liverpool gekommen, stellte schon am Dienstagvormittag seinen Posten zur Verfügung. Präsident Peter Cassalette, bisher mehr oder weniger eine Marionette von Investor Hasan Ismaik, kündigte nach dem Spiel seinen Rücktritt an.

Eben jener Ismaik hatte am Tag vor dem "Endspiel" in einer Art Brandbrief via Facebook verbal auf jeden eingedroschen, der in den vergangenen Wochen und Monaten am Absturz der einst so stolzen Löwen beteiligt war. "Ich werde 1860 nicht im Stich lassen", schrieb der Jordanier, betonte aber, er halte grundlegende Änderungen auf "allen Ebenen" für "notwendig und (die) einzige Möglichkeit", um einen Neuanfang zu schaffen - egal in welcher Liga.

Wie Ismaik diesen Neuanfang gestalten will, ist völlig unklar. Der Jordanier, der 2011 bei den Löwen eingestiegen war und für 60 Prozent der Aktien an der TSV 1860 München KGaA 18 Millionen Euro bezahlt hatte, ist Teil des Problems, sieht das aber nur bedingt ein. "Alles, was ich in den vergangenen Jahren unternommen habe, um den Verein voranzutreiben, ist auf allen Ebenen gescheitert", schrieb er, er habe "sogenannten Fachleuten", also den falschen Leuten vertraut.

Appell an die Fans

Ayre ließ verlauten, Grund für seinen Rücktritt sei die Uneinigkeit zwischen den "Anteilseignern", also dem Verein sowie Investor Ismaik. Der steht nach dem ersten Abstieg der Löwen in die 3. Liga seit 1992 nun alleine da. Nur sechs Spieler haben einen Vertrag, der Rest kann ablösefrei gehen - und wird das wohl auch. Statt sechs Millionen Euro TV-Geld erhalten die Löwen künftig nur noch eine Million, darüber hinaus entfällt die Garantiesumme vom Vermarkter Infront in Höhe von fünf Millionen Euro.

Am Tag nach dem Desaster erschien zunächst eine Art Hilferuf auf der Homepage der Löwen - Verfasser unklar. "Löwen, wir brauchen Euch!", steht da geschrieben, und weiter heißt es: "Mit dem Fall 3. Liga haben wir uns bereits befasst. Jetzt werden wir uns die notwendige Zeit nehmen, um diese Pläne in Ruhe durchzugehen und alle Optionen sorgfältig zu prüfen." Eine Beruhigungspille, eiligst verabreicht, aber vermutlich wirkungslos.

Ein Appell an die Anhänger ist seit Dienstagabend ohnehin ein fragwürdiges Unterfangen. In der 81. Minute begann der Pöbel in der Nordkurve, Stangen, Sitzschalen und andere Gegenstände am heruntergerissenen Sicherheitsnetz vorbei in den Strafraum der Regensburger zu werfen. Schiedsrichter Daniel Siebert (Berlin) unterbrach das Spiel, doch nicht einmal der populäre Co-Trainer Daniel Bierofka konnte den aufgebrachten Mob beruhigen.

TSV 1860 München vs. Jahn Regensburg

Regensburg gelingt der Durchmarsch

Nach dem schnellen Aufmarsch der Polizei ging es nach 14 Minuten weiter - eine weitere Eskalation sollte dadurch verhindert werden. So hatten es Polizei, Schiedsrichter und auch der unerschütterliche Regensburger Torhüter Philipp Pentke besprochen. Pentke flogen auch nach Wiederanpfiff Stangen, Sitze und anderes um die Ohren, kurz vor Schluss landete bei einem Eckball eine Stange in einer Spielertraube. Wie durch ein Wunder wurde kein Spieler verletzt.

Als der Schlusspfiff ertönte, wich die Wut auf den Tribünen schlagartig stillem Entsetzen. Nur in einer Ecke der Südkurve, wo sonst die Anhänger des FC Bayern beheimatet sind, wurde gefeiert. Jahn Regensburg ist nach dem Durchmarsch aus der Viertklassigkeit nach vier Jahren wieder Zweitligist. Völlig verdient.

sid/mw

Quelle: rosenheim24.de

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