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Deschamps motzt auf die fünf Schiedsrichter

Marseille - Olympique-Coach Didier Deschamps sucht nach der Schlappe gegen Bayern nicht nach Ausreden. Das hindert ihn aber nicht daran, das Referee-Team wegen einer Szene zu kritisieren.

Nach dem 0:2 (0:1) gegen Bayern München und dem fast sicheren Aus im Viertelfinale der Champions League herrschte bei Olympique Marseille Katzenjammer. Einzig Trainer Didier Deschamps, der mehr denn je um seinen Job bangen muss, versagte sich der Anerkennung der bitteren Realität. „Das ist nicht der richtige Zeitpunkt für Selbstmitleid“, sagte er, „wir haben noch eine Chance.“ Doch, das musste auch Zweckoptimist Deschamps anerkennen: „Nur noch eine minimale.“

Für die französische Presse ist der Fall dagegen weitgehend schon vor dem Rückspiel am kommenden Dienstag in München klar. Diese Aufgabe werde „so schwer wie die Besteigung des Mount Everest - in kurzen Hosen und Flip-Flops“, schrieb Le Monde. Das Fachblatt L'Equipe sah die Bayern als „Traumbrecher“, Marseilles Zukunft in Europa sei „stark gefährdet“. Laut Le Parisien liegt OM dem „Riesen Bayern“ bereits „zu Füßen“.

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Deschamps tat deshalb gut daran, den Fokus auf die kommenden Aufgaben und die Ligue 1 zu legen. Dort hinkt der Tabellen-Neunte weit hinter den eigenen Ansprüchen her, die Champions-League-Plätze sind 13 Punkte entfernt. „Es sind noch einige Spiele zu spielen - und noch haben wir die nicht verloren“, sagte Deschamps. „Um einen Platz unter den besten Drei kämpfen wir wohl nicht mehr“, gab er zwar zu, „aber es gibt keinen Grund für Fatalismus. Es könnte besser sein, aber es gibt auch Klubs, die wesentlich schlechter dran sind als wir.“

Platz fünf, der neun Zähler weg ist, ist nun das neue Ziel. Eine titellose Saison will Marseille am 19. April gegen Olympique Lyon verhindern. „Wir haben ja noch das Ligapokal-Endspiel“, sagte Defensivspieler Alou Diarra.

Für die Niederlage gegen die Bayern machte der ehemalige Münchner, der im Rückspiel gelbgesperrt fehlen wird, „ein bisschen Naivität“ verantwortlich. „Es war ein Albtraumspiel“, sagte er. Deschamps meckerte über die Unparteiischen. „Das soll keine Ausrede sein, aber dem ersten Tor ging ein klares Handspiel voraus“, sagte er über eine Aktion von Philipp Lahm vor dem 0:1: „Und es gibt fünf Schiedsrichter, das ist einfach bedauerlich.

sid

Die größten Schiri-Pannen bei WM-Turnieren

Die größten Schiri-Pannen bei WM-Turnieren

1934: Beim zweiten WM-Turnier hat die Bevorzugung von Gastgeber Italien offenbar System. Im Viertelfinale gegen Spanien (1:1) wird ein reguläres Tor der Iberer von Schiedsrichter Louis Baert aus Belgien nicht anerkannt. (Foto: Guiseppe Meazza) © dpa
Die Italiener können ungestraft foulen. Im notwendigen Wiederholungsspiel sind sieben Spanier verletzt. Der Siegtreffer zum 1:0 der Italiener ist irregulär, zwei reguläre Tore der Spanier werden vom später international gesperrten Schweizer Referee Rene Mercet nicht anerkannt. (Foto: Italien-Keeper Ricardo Zamora) © dpa
1966: Das Wembley-Tor. Die Mutter aller Fehlentscheidungen. Im WM-Finale schießt Geoff Hurst den Ball an die Unterkante der Latte. Damals war nicht klar erkennbar, ob sein Schuss zum 3:2 hinter der Torlinie aufgeprallt war. © dpa
Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst gab den Treffer nach Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter Tofik Bachramow dennoch. England wurde durch ein 4:2 Weltmeister. Diskutiert wird über Jahrzehnte. Erst dann lassen wissenschaftliche Analysen vermuten: Es war wohl kein Tor. © dpa
1982: Der deutsche Fußball zeigt sein hässliches Gesicht. Im WM- Halbfinale gegen Frankreich rammt Torwart Toni Schumacher den auf ihn zueilenden Patrick Battiston außerhalb des Strafraums rabiat um. Battiston erleidet Wirbelverletzungen, eine Gehirnerschütterung und verliert mehrere Zähne. © dpa
Schiedsrichter Charles Corver ahndet das rüde Foul nicht. Es gibt Tor-Abstoß für Deutschland. Schumacher zeigt sich zunächst wenig einsichtig. “Ich zahle ihm seine Jacketkronen“, merkt er unsensibel an. Später versöhnen sich die Profis - und die Zähne kommen ins Museum (Foto). © dpa
1986: Die “Hand Gottes“ greift in die Fußball-Geschichte ein. Diego Armando Maradona springt im WM-Viertelfinale höher als der englische Torwart Peter Shilton und köpft den Ball ins Tor - meint man. In der Zeitlupe wird klar, was Schiedsrichter Ali Ben-Naceur aus Tunesien nicht gesehen hat. Mit der Faust bugsierte “der Göttliche“ den Ball ins Netz. Der Tor-Betrug wirft England aus dem Turnier. © Getty
Argentinien wird später Weltmeister und Maradona nicht nur in seiner Heimat kulthaft verehrt. Dem Genie wird der Hand-Streich nachgesehen. © Getty
1990: Ein Duell voller Emotionen. Deutschland gegen die Niederlande im WM-Achtelfinale in Mailand. Einer verliert die Nerven (der Holländer Frank Rijkaard) und einer den Überblick (Schiedsrichter Juan Carlos Lousteau aus Argentinien). Nach den Spuck-Tiraden Rijkaards gegen Rudi Völler stellt er beide Spieler vom Platz. © dpa
Der unschuldige Völler kann die Ungerechtigkeit nicht fassen. Seine Teamkollegen kämpfen auch für ihn und siegen 2:1. Völler und Rijkaard versöhnen sich später und machen gemeinsam Butter-Werbung. © Getty
2006: Im WM-Finale verliert Zinedine Zidane nach einer üblen verbalen Provokation durch Marco Materazzi die Nerven. Der Kopfstoß des Franzosen bekommt Kult-Charakter. Die Rote Karte für Zidane durch Schiedsrichter Horacio Elizondo ist regelkonform. © dpa
Aber wie wurde der Referee auf die Tätlichkeit aufmerksam. Bis heute halten sich Gerüchte, dass der vierte Unparteiische nur durch Ansicht der TV- Bilder am Spielfeldrand das Vergehen sah. Dann hätte der bei der FIFA noch verpönte Video-Beweis durch die “Hintertür“ Einzug gehalten. © dpa
2010: Wiedergutmachung für Wembley! Im Achtelfinale erzielt Frank Lampard den 2:2-Ausgleich für England. © dpa
Trainer Capello jubelt schon, aber Schiedsrichter Jorge Larrionda gibt das Tor nicht, obwohl der Ball von der Unterkante der Latte deutlich hinter der deutschen Torlinie aufprallt. Auch nicht nach Wayne Rooneys Protesten (Foto) Deutschland siegt mit 4:1. Verteidiger Per Mertesacker merkt in Anspielung auf 1966 süffisant an: “Man sieht sich immer zweimal“. England leckt seine Wunden und die Schiri- Diskussion bei der WM in Südafrika entbrennt richtig. © dpa
2010: Keine fünf Stunden nach der Panne von Bloemfontein gibt es die nächste gravierende Schiedsrichter-Fehlleistung. Der bis dahin schon durch affektierte Pfeiferei aufgefallene Italiener Roberto Rosetti übersieht wie sein Linienrichter eine klare Abseitsstellung des Argentiniers Carlos Tevez vor dessen 1:0. © AP
Wütende Proteste der Mexikaner nützen nichts. Rosetti bleibt beim Fehlurteil. Argentinien gewinnt 3:1 und bucht das Viertelfinale gegen Deutschland. © dpa

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