Clasico: Mourinho muss draußen bleiben

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José Mourinho.

Barcelona - Jose Mourinho zeigte sich beim 0:2 im Clasico vor Wochenfrist gegen den FC Barcelona als schlechter Verlierer. Am Dienstagabend im Rückspiel mit Real Madrid im Estadio Camp Nou ist er gesperrt.

Loge statt Reservebank, geschliffene Gläser statt Trinkflasche aus Plastik - und doch fühlte sich Real Madrids Trainer Jose Mourinho höchst unwohl im feinen Ambiente. Denn der VIP-Bereich im Estadio Camp Nou war für den Starcoach nichts anderes als ein Luxusgefängnis. Der Portugiese durfte am Dienstagabend den vierten Clasico gegen den FC Barcelona in diesem Jahr nicht vom Spielfeldrand aus verfolgen.

Und vor allem zumindest offiziell seiner Mannschaft nicht helfen, die schon das Halbfinal-Hinspiel der Champions League in der vergangenen Woche vor eigenem Publikum gegen die Katalanen mit 0:2 verloren hatte. Bei dieser Schmach im Bernabeu-Stadion hatte sich der Portugiese derart echauffiert, dass er vom deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) auf die Tribüne verwiesen wurde. Was darauf folgte, war die Sperre durch die Europäische Fußball-Union (UEFA).

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

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Schon bei der üblichen Pressekonferenz am Montag war Mourinho ausgeladen, stattdessen provozierte diesmal der Arbeitgeber des 48-Jährigen und machte dabei den Unparteiischen zur Zielscheibe der Kritik. Auf der Internetseite der Königlichen wurden in einem Video Fehler des belgischen Schiedsrichters Frank de Bleeckere gezeigt, der das Prestigeduell am Abend leitete.

„Warum nur de Bleeckere?“ hatte Mourinho schon nach dem Hinspiel geklagt. Der exzentrische Fußballlehrer hat schon fast traditionell ein höchst angespanntes Verhältnis zur Gilde der Referees. In seiner Zeit beim FC Chelsea hatte Mourinho den Schweden Anders Frisk sogar der Bestechlichkeit bezichtigt, damals schickte ihn die UEFA sogar für zwei Spiele auf die Tribüne.

Der FIFA-Welttrainer 2010 nutzte seinerzeit die Partien gegen Bayern München, um seine Findigkeit unter Beweis zu stellen und damit die Kontaktsperre zu umgehen. Obwohl vermeintlich unter ständiger Beobachtung, gelang es Mourinho, sich in die Kabine seines Teams zu schmuggeln und später per Funk und mit diversen Zetteln zu coachen. Zugegeben hat er es nie, Jahre später jedoch indirekt bestätigt: „Mir fällt in jeder Situation etwas ein.“

Oft allerdings auch etwas, was sein Image als überheblicher Schnösel mehr und mehr festigt. „Bitte nennen Sie mich nicht arrogant, aber ich bin Champions-League-Sieger und etwas ganz Besonderes“, tat er einst beim Dienstantritt bei Chelsea kund. Im Umgang mit seinen Kollegen gibt sich der Iberer offensichtlich ganz ähnlich, wie Ottmar Hitzfeld in einer kicker-Kolumne schrieb: „Ich habe Mourinho bei Trainertagungen der UEFA so erlebt, wie er wirkt: arrogant, unnahbar, Kaugummi kauend, irgendwie flegelhaft.“

Derlei Kritik wie auch Vorhaltungen, mit seinem von vielen Real-Fans kritisierten Destruktiv-Fußball die Tradition einer jahrzehntelang von den Madrilenen gepflegten Spielkultur zu brechen, lässt Mourinho eiskalt an sich abperlen. Und er verweist dann gerne kühl auf seine insgesamt 18 nationalen und internationalen Titel: „So sieht meine Bilanz aus, und deshalb werde ich immer irgendwo einen guten Job bekommen.“

sid

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