BVB-Frust: "Nicht alle Tassen im Schrank"

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Trainer Jürgen Klopp war nach dem 1:1 gegen Stuttgart enttäuscht

Dortmund - Dämpfer für Borussia Dortmund: Nach der gefühlten Niederlage gegen den VfB Stuttgart herrscht große Enttäuschung beim enteilten Tabellenführer. Trainer Klopp lässt keine anderen Gefühle zu.

Nach einer gefühlten Niederlage war Borussia Dortmund zumindest mit dem Mundwerk meisterlich. „Wir werden nicht nervös. In der nächsten Woche hauen wir Wolfsburg weg“, kündigte Kevin Großkreutz nach dem enttäuschenden 1:1 (1:0) gegen den VfB Stuttgart an. Von Verunsicherung ist beim souveränen Bundesliga-Tabellenführer also nichts zu spüren. Frust schob der BVB dennoch, obwohl die Verfolger noch schlimmer gepatzt hatten.

„Wer nach dem Spielverlauf nicht enttäuscht ist, hat nicht alle Tassen im Schrank“, sagte Trainer Jürgen Klopp. Dass der westfälische Traditionsklub in seiner Geschichte zum 100. Mal an der Spitze steht, interessierte nur am Rande. Ebenso wie die Tatsache, dass der BVB seine Führung zumindest vorübergehend auf 13 Zähler ausbaute und auch Rekordmeister Bayern München noch 14 Punkte entfernt ist. „Wir hätten heute einen weiteren großen Schritt machen können, wir wollten gewinnen. Aber wir haben uns das Unentschieden selbst zuzuschreiben“, meinte Nuri Sahin und hatte wie seine Teamkollegen auch die Ursache sofort parat.

Die Borussia bestätigte wieder einmal die Statistik. Denn keine Mannschaft im Fußball-Oberhaus erzielte so viele Tore (43) und erspielte sich darüber hinaus so viele hochkarätige Chancen wie der BVB. Aber unter dem Strich steht in der gesamten Spielzeit eine Trefferquote um die 25 Prozent, die sich gegen Stuttgart noch verschlechtert haben dürfte. Was vorwiegend Robert Lewandowski und auch der eingewechselte Lucas Barrios freistehend versemmelten, ging auf keine Kuhhaut.

„Die vergebenen Chancen waren speziell heute ein Problem, ansonsten hat es bisher dennoch gereicht. Wir haben es einfach versäumt, den Sack zuzumachen“, ergänzte Sahin. Gegen defensivstarke Schwaben war die Borussia nach einer Bilderbuch-Kombination durch das vierte Saisontor von Youngster Mario Götze (43.) in Führung gegangen und hatte das Spiel im Griff. „Bei einem 2:0 wäre das Ding beendet gewesen, doch es fiel nicht“, klagte Klopp.

Seine Mannschaft habe vor 80.720 Zuschauern in der ausverkauften Dortmnunder Arena in vielen Phasen nicht ruhig genug gespielt, sich zu viele Ballverluste geleistet - und natürlich zu viele Chancen ausgelassen. „Und schließlich haben wir es nicht verstanden, so zu verteidigen, wie es notwendig gewesen wäre“, resümierte der 43-Jährige. „Dass wir beim Stand von 1:0 im eigenen Stadion ein Kontertor kriegen, sagt ja alles.“ Diese Art und Weise zu spielen, habe zwar „oft schon den Sieg gebracht, aber diesmal ist der Schuss nach hinten losgegangen“. Pawel Progrebnjak (84.) beendete zumindest kurzzeitig die Meister-Gesänge der BVB-Fans.

Doch von Hektik oder Irritationen war bei den Borussen nichts zu spüren. Klopp wisse, wo er in der kommenden Woche vor dem Gastspiel am Samstag beim VfL Wolfsburg anzusetzen habe. Die Einstellung hat gestimmt, das taktische Verhalten bedarf der Korrektur. „Das Gegentor darf nicht passieren. Schlimmer war jedoch, dass wir vier, fünf hundertprozentige Chancen nicht reinmachen“, sagte Nationalspieler Mats Hummels.

Am Ende bestrafte sich der BVB selbst und belohnte den VfB für eine engagierte Leistung. In der Defensive gut organisiert ging die „Taktik der Nadelstiche“ des neuen Trainers Bruno Labbadia in seinem dritten Punktspiel auf der Stuttgarter Bank auf. „Wir freuen uns über den Punkt. Er war verdient, weil wir viel investiert haben“, meinte der Ex-Profi. Das späte Tor sei gut für die Moral, die seine Mannschaft auch gegen den BVB gezeigt habe. Immerhin konnte sich Stuttgart auf Platz 16 verbessern, bleibt aber mit nur drei Punkten die schwächste Auswärtsmannschaft der Liga - kaum zu glauben nach der Vorstellung in Dortmund.

sid

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