Beim AS Monaco fliegen Sitze und Baguettes

Monaco - Vor sieben Jahren stand AS Monaco noch im Champions-League-Finale - nun ist der stolze siebenmalige französische Fußball-Meister mit Tränen und Randale in die Zweitklassigkeit abgestürzt.

 Als durch ein 0:2 gegen Olympique Lyon der erste Abstieg seit 35 Jahren feststand, rasteten zahlreiche Fans aus. Mit aus der Verankerung gerissenen Sitzschalen, Fahnenstangen und - landestypisch - Baguettes bewarfen sie die vor dem Block postierten Polizisten.

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

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Edelfan Fürst Albert hatte sich den peinlichen Abschied seines Vereins erspart. Er saß während des Spiels beim traditionellen Gala-Dinner mit dem deutschen Formel-1-Sieger Sebastian Vettel, ließ sich aber ständig über das Geschehen im wenige Kilometer entfernten Stade Louis II informieren.

In der Mehrheit waren es jüngere Fans, denen nach dem Schlusspfiff die Nerven durchgingen. Solche, die den Verein aus dem Fürstentum noch nie in der 2. Liga erlebt haben - und für die das eigentlich auch unvorstellbar war. Sie haben Stars wie Jürgen Klinsmann, Thierry Henry oder Roger Milla zugejubelt, Weltmeister wie Fabien Barthez, Youri Djorkaeff, Emmanuel Petit, Lilian Thuram oder David Trezeguet in ihren Reihen gewusst. Und sahen ihre „Rouge et Blanc“ (die Rot-Weißen) 2004 nach Triumphen über Real Madrid und den FC Chelsea im Champions-League-Finale. Dieses verlor das Team um Fernando Morientes und Ludovic Giuly aber 0:3 gegen den FC Porto.

Monaco stieg mit nur 40 Gegentoren aus 38 Spielen und fünf Punkten Rückstand auf Rang neun ab, doch der Niedergang hatte sich angedeutet. Die Mannschaft hat keinen Star mehr, der Etat liegt mit 47 Millionen Euro nur noch im Mittelfeld der Liga, vier Präsidenten und sechs Trainer in sechs Jahren sind Zeugen des Chaos.

Um den ersten Abstieg seit 1976 zu verhindern, hatte der Klub um Sportdirektor Marc Keller (früher Karlsruher SC) alles versucht. Die günstigsten Karten wurden für fünf Euro verkauft, so kamen immerhin mehr als 11.000 Zuschauer. Mit auf den Sitzen ausgelegten Fähnchen sorgten die Fans vor dem Anpfiff für Stimmung, doch spätestens nach dem 0:1 schlug diese in Frust und Aggression um.

„Ich bin sehr enttäuscht, aber man muss die Gesetze des Fußballs respektieren und fragen, wie es so weit kommen konnte“, sagte Trainer Laurent Banide fassungslos. Dass der Klub aus dem Fürstentum vielen in der Liga ein Dorn im Auge war, ist ihm aber bewusst.

„Einige werden sich freuen“, sagte er: „Aber Monaco in der 2. Liga, das ist ein großer Verlust für den französischen Fußball.“ Wie die Rückkehr zur alten Stärke zu schaffen ist, glaubt der Coach auch zu wissen. Jedenfalls nicht mit jener zusammengewürfelten Mannschaft, die im „Endspiel“ um den Klassenerhalt nie den Eindruck erweckte, es schaffen zu können. „Wenn wir unsere Seele wiederfinden, haben wir die Chance, irgendwann wieder ein großer Verein zu werden“, sagte Banide.

Lyon rettete sich durch den Sieg auf den letzten Drücker in die Qualifikation zur Champions League, wo „OL“ seit Jahren das französische Aushängeschild ist. Trainer Claude Puel wird das aber wohl nicht den Job retten, sein Nachfolger wird angeblich Jean Fernandez von AJ Auxerre. 

sid 

Rubriklistenbild: © dpa

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