Kaffl: "Viel Geld für kleine Gruppe Eissport-Begeisterter"

Überwiegende Mehrheit für Stadion-Sanierung

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Rosenheim - In seiner Sitzung am Mittwochabend hat sich der Stadtrat für die geplante Sanierung des emilo-Eisstadions ausgesprochen. Diese wird in den nächsten Jahren etwa acht Millionen Euro kosten. 

Update, 8.50 Uhr: So lief die Debatte im Stadtrat

Die Entscheidung für die Sanierung war nicht unumstritten. Die heftigste Kritik kam von Georg Kaffl (CSU), der auch als einziger dagegen stimmte. "Es handelt sich hier um eine freiwillige Leistung der Stadt, wir sind da zu nichts verpflichtet!", erklärte er, "Wir investieren hier viel Geld für eine kleine Gruppe Eissport-Begeisteter!" Er erinnerte außerdem an die hohe Verschuldung der Stadt und die Betriebskosten des Stadions. 

"Erst die freiwilligen Leistungen machen unsere Stadt lebenswert!", konterte Gabriele Leicht (SPD), eine Stadt wie Rosenheim sollte sich das, ihrer Ansicht nach, leisten können. "Nur neun Prozent der Nutzung des Stadion erfolgt durch den Profisport", betonte Bürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU). Die überwiegende Nutzung des Stadion erfolge durch den öffentlichen Eislauf, den Schulsport, sowie Sportvereine.

Auch andere kritische Stimmen wurden laut. "Den Profisport darf man als Stadt eigentlich nicht fördern", betonte Franz Lukas (Grüne), dessen Partei der Sanierung nur unter Vorbehalt zustimmte, "Es wäre eigentlich angemessen, dass sich der Profisport an den Investitionen beteiligt oder entsprechend Miete verlangt wird!" Er mahnte außerdem an, dass noch eine ganze Reihe an Fragen offen seien. "Wir investieren hier Millionen in einen Altbau", klagte Josef Gasteiger (CSU), "Warum muss das auf einmal so schnell gehen?" Sowohl Bürgermeisterin Bauer als auch die anwesenden Vertreter der Stadtverwaltung betonten, dass ohne die Sanierung alleine aus brandschutztechnischen Gründen sonst bald die Schließung drohe.

Auch viel Zuspruch für Sanierung

Es gab aber auch viel Zuspruch für die Entscheidung zur Sanierung. CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann betonte, im Falle eines Neubaus müsste das bestehende Stadion ebenfalls saniert werden, wenn dessen Betrieb aufrecht erhalten werden sollte. "Dann hätten wir noch mehr Kosten!" Wie auch andere an diesem Abend beteuerte er, die Schaffung einer zweiten Eisfläche müsse weiter geprüft werden. "In unserer Haushaltssituation brauchen wir uns über einen Neubau gar keine Gedanken zu machen!", erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Robert Metzger, "Diese Form der Sanierung bringt das Stadion in eine gute Form für alle." Nostalgisch wurde Rudolf Hötzel (Republikaner): "Wir sind in diesem Stadion dreimal deutscher Meister geworden, es hat Charme, es hat Tradition", dennoch müssten die Kosten im Auge behalten werden.

"Man kann keine andere Entscheidung mehr treffen, sonst haben wir hier eine Ruine!", betonte Robert Multrus (Freie Wähler/UP). "Wir treffen heute auch eine Standortentscheidung", mahnte dagegen seine Parteikollegin Christine Degenhart an, "Wir werden nie wieder über andere Nutzung dieses Grundstücks nachdenken können", Dies hätte man in den vergangenen Jahren besser lösen können. Dem entgegnete Bürgermeisterin Bauer, dass die lange Suche nach einem für alle Seiten passenden Alternativstandort ergebnislos geblieben war. "Es kann nicht sein, dass wir den Schulsport irgendwo nach Schechen verfrachten! Das Eishockey muss da stattfinden, wo auch die Schüler sind."  Sie betonte außerdem, dass ein Neubau für eine vergleichbare Summe nicht zu realisieren sei. "Das würde uns schätzungsweise mindestens 40 Millionen Euro kosten, weil beispielsweise die gesamte Infrastruktur neu geschaffen werden müsste!" 

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Umfangreicher Sanierungsbedarf

Eine ganze Reihe an Sanierungsmaßnahmen sind notwendig. Erforderlich sind eine Verbesserung des Brandschutzes und die anlagentechnische und bauliche Ertüchtigung der Sportstätte sowie die Erneuerung der Fluchttreppen auf der Nord- und Südseite. Weitere Punkte auf der Agenda sind eine mögliche zweite Eisfläche, die Sanierung des Daches und eine Erneuerung der sanitären Anlagen und Umkleiden.

Der Brandschutz wurde zwar erst 2016 verbessert, nach der Ertüchtigung fordert das Brandschutzkonzept aber die Erweiterung der Brandmeldeanlage als Vollschutzanlage mit automatischen Brandmeldern, manuellen Druckknopfmeldern und optischen Blitzlampen zur Detektion. Die fehlerhaften Bereiche müssen bis 2019 auf den neusten Stand gebracht werden. Viele der technischen Anlagen genügen nicht mehr den Anforderungen der Betriebssicherheit. Darunter ist der Ammoniak-Verdichter und seiner Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik.

Auch die Lichttechnik ist deutlich in die Jahre gekommen. Geplant ist nun eine moderne LED-Lichtanlage, die auch für DEL-Spiele geeignet wäre. Die Kosten liegen dafür bei gut 212.000 Euro. Da aber ein Wechsel defekter Leuchtmittel ausfällt, rechnet die Stadt bis zu 21.000 Euro jährlich einzusparen. Insgesamt werden diese Sanierungsmaßnahmen über die nächsten Jahre etwa acht Millionen Euro kosten.

Die Erstmeldung vom Mittwochabend:

"Mit diesem Beschluss hat der Eissport in Rosenheim wieder eine Zukunft", freute sich Bürgermeisterin Gabriele Bauer. Der Stadtrat stimmte mit 37 Stimmen und nur einer Gegenstimme für die geplante Sanierung. Er folgte damit dem Beschluss des Haupt- und Finanzausschusses in der vergangenen Woche. Die Zustimmung der Grünen erfolgte ausdrücklich unter dem Vorbehalt, nur den Projektbeschluss zu tragen und die Auswirkungen auf den Haushalt abzuwarten. 

Insgesamt soll für die Maßnahme in den nächsten vier Jahren rund acht Millionen Euro investiert werden. Sie soll es ermöglichen, dass das jetzige Stadion mindestens 15 bis 20 Jahre weiter betrieben werden kann. Allerdings müssen noch die notwendigen Maßnahmen zur Sanierung der Gaststätte und der Kostenübernahme dargestellt werden. Nun soll die Verwaltung die Entwurfsplanung mit Kostenberechnung und die Genehmigungsplanung erstellen. Dabei sollen auch weitere Einsparpotenziale geprüft werden.

Einen ausführlichen Bericht aus der Stadtratssitzung finden Sie hier am Donnerstag.

Quelle: rosenheim24.de

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