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Jari Pasanen im großen OVB-Interview

Der neue Starbulls-Coach: Was er erwartet und warum er kein Hampelmann hinter der Bande ist

Sachlich, ruhig, und auf die Aufgabe in Rosenheim fokussiert: Jari Pasanen, der neue Starbulls-Coach.
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Sachlich, ruhig, und auf die Aufgabe in Rosenheim fokussiert: Jari Pasanen, der neue Starbulls-Coach.

„Ich bin eigentlich ein netter Typ, aber wenn es um Eishockey geht, bin ich sehr ernst.“ Das sagt Jari Pasanen, der neue Starbulls-Coach, über sich. Was der Finne von den Spielern erwartet und wie er sein Team spielen lassen will verrät der 57-Jährige im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Rosenheim – Der neue Starbulls-Coach Jari Pasanen war vergangene Wochen ein paar Tage in Rosenheim und die OVB-Sportredaktion nutzte die Gelegenheit, um mit dem 57-jährigen Finnen ein Interview im Rofa-Stadion zu führen. Mitten auf der Spielfläche: Dort wo jetzt noch der Beton glänzt und wo er in der zweiten August-Woche seine neue Mannschaft erstmals auf der Eisfläche trainieren wird. Für Jari Pasanen ist es dann selbstverständlich, „dass die Spieler im August topfit hier antreten.“ Er selbst beschreibt sich als „netten Typen, aber wenn es um Eishockey geht, bin ich sehr ernst.“

Herr Pasanen, Sie sind schon 1987 wegen eines Studiums nach Deutschland gekommen. Sind Sie mehr Finne oder mehr Deutscher?

Jari Pasanen: Du kannst Finnland zwar verlassen, aber der Finne verlässt dich nicht. Ich habe schon so lange in Deutschland gewohnt, deshalb würde ich sagen: Ich bin ein Europäer, aber wahrscheinlich werde ich Jahr für Jahr mehr Deutscher. Zuletzt habe ich auch vier Jahre in Dänemark gelebt und da sicher auch etwas mitgenommen. Deutschland gefällt mir so gut und wir wollten hierher zurück. Dann habe ich Gott sei Dank diese große Herausforderung hier in Rosenheim gefunden.

Beschreiben Sie die Unterschiede zwischen Finnland und Deutschland?

Pasanen: In Finnland ist es anders als hier. In Deutschland ist sicherlich alles viel freier und man hat mehr Ausländerkultur. Ich habe es in Deutschland von Anfang an gemocht. In Finnland hat mich die Dunkelheit und die Melancholie der Leute gestört. Ich war in jungen Jahren auch viel in Amerika und in Kalifornien, da war der Kontrast zu Finnland schon sehr groß. Sehr früh habe ich festgestellt, dass ich etwas anderes erleben möchte. Die Finnen sind loyal, arbeiten hart und sind eishockeyverrückt. Sie gehen gerne in die Sauna, das fehlt hier ein bisschen. Diese Eishockeyverrücktheit hat man zwar in Rosenheim, aber nicht in ganz Deutschland. Hier ist Fußball die Nummer eins, in Finnland Eishockey. Trotz gewisser Unterschiede gibt es auch viele Ähnlichkeiten zwischen den Finnen und den Deutschen.

Wie ist eigentlich der Kontakt zwischen den Starbulls und Ihnen zustande gekommen?

Pasanen: Eines Tages habe ich einen Anruf gekriegt, ob ich mir vorstellen könnte herzufliegen und mir das alles anzuschauen. Das habe ich gemacht und so hat das alles angefangen.

„Sofort diese Rieseneuphorie gespürt“

Und was hat Sie letztendlich überzeugt nach Rosenheim zu kommen?

Pasanen: Beim Länderspiel gegen die Schweiz war ich hier und habe mit dem Vorstand gesprochen. Ich habe sofort diese Rieseneuphorie gespürt. Dann habe ich natürlich gesehen, was in der Halle passiert, und wie die ganze Infrastruktur hier ist. Aber ausschlaggebend für mich waren die Euphorie und der Wille, hier wirklich etwas aufzubauen. Der Aufstieg ist seit Jahren ein Thema. Das alles hat mich überzeugt und begeistert und deshalb sitze ich hier.

Und planen mit der Vorstandschaft den Kader für die neue Saison. Sie brauchen noch einen Verteidiger und paar deutsche Stürmer, vor allem aber auch noch zwei Ausländer.

Pasanen: Wir brauchen insgesamt noch vier Spieler : Drei Stürmer und einen Verteidiger. Wir hätten ganz gerne einen Rechtshänder als Verteidiger, davon haben wir bisher zwei, hätten aber gerne drei. Zurzeit ist es schwierig, einen guten deutschen Rechtshänder zu finden. Da müssen wir noch schauen, was auf dem Markt ist und was noch kommt.

Für die Reihe mit McNeely noch ein Kontingentspieler

Das betrifft sicher auch die Kontingentspieler. Planen Sie zu Tyler McNeely noch zwei weitere Kontingentstürmer ein oder vielleicht doch einen ausländischen Verteidiger?

Pasanen: Beides ist möglich. Wir haben ein paar interessante Namen als Stürmer auf dem Tisch, da müssen wir jetzt Verhandlungen führen und schauen, was da passiert. Sicher ist, dass wir für die Reihe mit Tyler noch einen ausländischen Stürmer holen.

Sie haben bestimmt gute Kontakte nach Finnland. Könnte ein Ausländer auch ein Finne sein?

Pasanen: Sicherlich, allerdings ist es mir persönlich egal, ob der Spieler Chinese ist oder aus Uganda kommt. Das spielt keine Rolle. Ich hab schon mit allen Nationalitäten gearbeitet. Wir versuchen, den bestmöglichen Spieler für uns zu finden, der auch zu uns passt und uns weiter bringt. Die Nationalität spielt keine Rolle.

Es sind noch eineinhalb Monate, bis das Eis gemacht ist. Was ist bis dahin von ihrer Seite noch zu tun und was haben die Spieler für Aufgaben?

Pasanen: Die wichtigste Aufgabe für die Spieler ist, als Profi-Sportler fit zu werden und sich im Sommer bestmöglich vorzubereiten. Das wissen die Spieler auch. Ich habe schon gesehen, wie sie hart gearbeitet haben, das hat mit mir gut gefallen. Es ist für mich eigentlich selbstverständlich, dass die Spieler im August topfit hier antreten und ich hoffe, dass das bei jedem der Fall ist. Jeder kennt unser Ziel und darüber brauchen wir auch nicht jeden Tag zu reden.

„Atmosphäre und Wille sind entscheidend“

Sie haben also schon Teile der Mannschaft persönlich kennengelernt.

Pasanen: Wir haben schon eine Videokonferenz gemacht, bei der fast alle Spieler dabei waren und auch mit den Spielern, die hier sind, habe ich Gespräche geführt und sie kennengelernt. Im Juli komme ich noch einmal und ich hoffe, dass ich dann alle deutschen Spieler gesehen habe, bevor es losgeht. Und falls nicht, werden wir uns in der ersten Augustwoche, in der wir noch nicht auf das Eis gehen, kennenlernen. Es ist eine lange Saison und wir haben es nicht eilig.

Sie legen viel Wert auf das Kollektiv. Was sind für sie die entscheidenden Kriterien für eine gute Mannschaft?

Pasanen: Für mich sind eigentlich zwei Dinge entscheidend: Die Atmosphäre in der Mannschaft und dass die Spieler den Willen mitbringen, um besser zu werden. Wenn ich hier in die Halle komme, sollte nicht das Ziel sein, mit den Kumpels Zeit zu verbringen und Kaffee zu trinken, sondern die Spieler sollten mit dem Ziel kommen, heute besser zu werden. Wenn das tagtäglich, Woche für Woche, Monat für Monat 23 Leute mitbringen, dann habe ich die Voraussetzungen im März und April gutes Hockey zu spielen. Und dazu gehört auch die gute Atmosphäre. Und wenn diese zwei Dinge passen, ist das für mich schon die halbe Miete.

Und die andere Hälfte der „Miete“ sind die individuellen Fähigkeiten . Bei den bisherigen Verpflichtungen ist viel Wert auf Schnelligkeit gelegt worden. Hat diese Komponente mittlerweile einen höheren Stellenwert als die Körperlichkeit?

Pasanen: Ja, das kippt ein wenig. Schnelligkeit ist A und O, um die vier Runden in den Play-offs zu gewinnen. Im September, Oktober, November vielleicht noch nicht, aber später in der Saison spielen Schnelligkeit und Fitness schon eine große Rolle. Du kannst Strafzeiten provozieren, wenn du schnell bist. Du kannst besseres Forechecking spielen. Du kannst aggressiver in Unterzahl agieren und du kannst die Scheibe zwischen den blauen Linien besser erobern. Es bringt einfach viele Vorteile, wenn ein Spieler schnell ist. Natürlich sollte nicht jeder Spieler ein Speed-Skater sein. Wir brauchen auch Leute, die die Scheibe gut verteilen oder Verteidiger, die vor dem eigenen Tor ihre Stärken haben. Aber insgesamt ist das Hockey schneller geworden, die Regeln haben sich geändert, bevorzugt für die Spieler, die schnell und technisch gut sind. Die Holzhacker sind nicht mehr so gefragt. Wenn du langsam und nur stark bist, hast du mittlerweile Probleme.

„Es gibt viele Spieler, die enorm wichtig sind“

Sie haben gerade Spieler angesprochen, die auch enorm wichtig für den Erfolg sind. Gibt es Spieler in einer Mannschaft, die ihrer Meinung nach zu wenig Wertschätzung bekommen?

Pasanen: Natürlich, diese ,Unsung-Heroes‘, diese ,unbesungenen Helden‘, gibt es immer. Für uns Trainer nicht, wir lieben es, wenn eine Defensivreihe gut funktioniert. Unterzahlspieler, Verteidiger, die vor dem Tor ihre Arbeit gut machen, ob das vor dem Tor die Schlägerkontrolle ist oder das Blickfeld für den Torwart freizumachen – das sind unglaublich wichtige Spieler. Auch die Spieler, die für die Stimmung in der Kabine und auf der Bank zuständig sind, sind unheimlich wichtig. Es sind nicht immer die Leute, die die meisten Punkte machen, sondern auch dahinter gibt es viele Spieler, die wichtig sind. Wir Trainer wissen das schon, die Öffentlichkeit leider nicht immer.

Das können möglicherweise auch ganz junge Spieler sein. Die Starbulls sind bekannt für ihre gute Nachwuchsarbeit. Gibt es junge Spieler, die in den Kader eingebaut werden sollen?

Pasanen: Natürlich, das ist ein großes Thema. Wir werden vier bis fünf Spieler beim Training mitmachen lassen. Ich hätte ganz gerne, dass wir immer 20 Feldspieler beim Training haben. So wie es ausschaut, werden wir zwei bis drei junge Spieler immer dabei haben beim Training. Vormittags sind die leider in der Schule, aber Schule geht ja vor. Aber am Nachmittag werden sie mittrainieren und dann ist es abhängig von den jungen Spielern, wie gut sie sich integrieren lassen und wie gut sie trainieren. Wenn wir meinen, sie sind bereit zu spielen, dann lassen wir sie natürlich auch spielen. Ob wir die ganze Zeit mit vier Reihen spielen, das weiß ich noch nicht.

„Wir Finnen nehmen Eishockey sehr ernst“

Was sind Sie eigentlich für ein Trainer-Typ?

Pasanen: Ich bin ein netter Typ, aber wenn es um Hockey geht, bin ich sehr ernst. Wenn Hockey vorbei ist, bin ich ein ruhiger, lustiger Mensch, aber wenn ich arbeite, dann nehme ich das sehr ernst. Das ist vielleicht das, was ich als Finne aus Finnland mitgebracht habe. Wir nehmen Eishockey halt sehr ernst. Vielleicht sollte ich da mal etwas lockerer werden, aber anscheinend kann ich das nicht. Die Dänen, wo ich zuletzt trainiert habe, hatten auch Probleme, was Arbeit und Professionalität betrifft. Jeden Tag Gas zu geben ist nicht immer einfach. Aber nur so kannst du besser werden und nur so kannst du dich optimal aus der Mannschaft herausheben.

„Wir wollen aggressiv spielen und attackieren“

Jari Pasanen kann schon auch laut werden: Der neue Starbulls-Trainer in seiner Iserlohner Zeit.

Die Finnen sind bekannt für ihre defensive Spielweise gepaart mit viel Disziplin. Soll Rosenheim unter Ihnen auch so ähnlich spielen?

Pasanen: Ohne Disziplin gewinnst du keine Meisterschaft. Disziplin muss sein, beim Training, in der Kabine, auf dem Eis, zu Hause. Wenn du diese Disziplin von zuhause mitbringst, dann hast du sie auch auf dem Eis und das ist das Wichtigste. Wir werden aggressiv spielen, wir wollen jede Chance nutzen, die wir haben, um aggressiv zu spielen und um die gegnerische Mannschaft zu attackieren. Aber wir machen nicht nur das. Der Stürmer, der dem Gegner am Nächsten ist, muss die Situation erkennen, weil alleine Forechecking zu machen lohnt sich nicht. Die Mannschaft muss das zusammen tun. Das ist wahrscheinlich die schwierigste Aufgabe hier – der Mannschaft das beizubringen, wann wir mit fünf Leuten pressen und wann wir uns zurückziehen und die Scheibe nach fünf Sekunden zwischen den blauen Linie erobern, um dann organisiert gegen eine unorganisierte Mannschaft zu attackieren. Ich glaube, die Defensivarbeit im eigenen Drittel wird die größte Aufgabe für mich sein.

Wir haben jetzt viel über die Spieler gesprochen, was sie zu tun haben. Wie waren sie eigentlich selbst als Spieler? Haben Sie als Spieler schon wie ein Trainer gedacht?

Pasanen: Ja, das war bei mir so. Ich hatte 1986 eine schlimme Verletzung. Mein Knie war kaputt und die Ärzte haben gesagt, dass ich nicht mehr Eishockey spielen kann. Zehn Jahre später habe ich in der DEL gespielt. Ich musste mich selbst trainieren, wie ich mein Knie in Ordnung bekomme. Ich war nie ein super Spieler, aber ich habe immer gut trainiert und letztendlich von der Regionalliga bis zur DEL alles gespielt. Als mein Knie noch nicht zu 100 Prozent in Ordnung war, habe ich als Spielertrainer in Wedemark und Wilhelmshaven gearbeitet. Aber als das Knie okay war, hatte ich meine Ziele erreicht. Ich konnte wieder voll angreifen, war Verteidiger und Stürmer. Ich war deshalb wertvoll für die Mannschaft, weil ich das gemacht habe, was der Trainer wollte. Vielleicht habe ich schon als Spieler zu viel wie ein Trainer gedacht. Ich habe dann auch als Spielertrainer aufgehört und gleich danach meine Trainerlizenz gemacht.

„Dann ist etwas falsch gelaufen“

Wie ist denn der Trainer Jari Pasanen hinter der Bande? Impulsiv oder eher ruhig?

Pasanen: Das kommt auf die Situation an. Ich bereite meine Mannschaft auf das Spiel vor. Ich brauche keinen Hampelmann hinter der Bande, der da Zirkus macht. Die Spieler müssen sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Es ist mein Job zu vermitteln, wie ich das Spiel spielen will. Die Spieler müssen schon motiviert sein, wenn sie zum Spiel gehen, ich muss sie auf der Bank nicht mehr motivieren. Eishockey ist so schnell, die Spieler brauchen heutzutage mehr die Ruhe, als dass man sie pushen muss. Wenn der Trainer während des Spiels pushen muss, ist etwas falsch gelaufen. Die Spieler brauchen kurze Ansagen, aber mehr auch nicht.

„Das hat mir alles der Tratti beigebracht“

Nach dem Interview standen Weißwürste auf dem Tisch in der Starbulls Lounge – Jari Pasanen weiß, was sich in Bayern gehört: „Das hat mir alles der Tratti in unserer gemeinsamen Wedemarker Zeit beigebracht“. Der „Tratti“ das ist Jürgen Trattner, Rosenheimer Meisterspieler von 1989 und in der Saison 1995/96 Mitspieler von Pasanen beim ESC Wedemark. „Wir sind damals Meister in der 2. Liga geworden und in die DEL aufgestiegen. Ich habe mit Trattner und Markus Menschig in einer Reihe gespielt. Der Tratti hat uns die Tore aufgelegt. Er hatte gute Hände und eine Wahnsinns-Übersicht. Und in der Kabine war er für uns auch ganz wichtig“, erinnert sich Pasanen. Zu den Kabinenfesten hat Trattner, dessen Sohn Louis bei den Hannover Scorpions spielt, immer Weißwürste, Schweinshaxn und Leberkäs mitgebracht.

bz

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