"Viele Fehler"

Rückschlag für Seidenberg im NHL-Finale

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Dennis Seidenberg (r.) musste mit den Boston Bruins einen Rückschlag hinnehmen

Boston - Nach der 5:6-Niederlage nach Verlängerung gegen die Chicago Blackhawks beginnt für Dennis Seidenberg und die Boston Bruins das Finale um den Stanley Cup wieder bei null. Nach vier Spielen steht es 2:2.

Nach dem „plötzlichen Tod“ der Boston Bruins wusste Dennis Seidenberg gar nicht, wie es passiert war. „Ich habe überhaupt nicht gesehen, wie der Puck reingegangen ist“, sagte der Eishockey-Nationalspieler nach der 5:6-Niederlage nach Verlängerung im vierten NHL-Finale gegen die Chicago Blackhawks dem Sport-Informations-Dienst (SID). Nur wenige Zentimeter an seinem rechten Bein vorbei war die Scheibe ins Netz gerauscht - und der Kampf um den Stanley Cup war wieder völlig offen.

Verteidiger Brent Seabrook hatte nach 9:51 Minuten in der Overtime einen höchst unterhaltsamen, für Seidenberg und Co. aber auch äußerst ärgerlichen Eishockey-Krimi beendet. Nach dem torreichsten Finalspiel mit Verlängerung seit 31 Jahren steht es in der best-of-seven-Serie 2:2, und am Sonntag (2.00 Uhr) beginnt in Chicago eigentlich alles wieder bei null. „Jetzt haben wir eine best-of-three-Serie“, sagte Seidenberg.

Der 31-Jährige, der 30:06 Minuten auf dem Eis stand und damit erneut Bostons Dauerbrenner war, fand an dem Torspektakel nur wenig Gefallen. „Es war ein untypisches Spiel für uns. Wir haben viele Fehler gemacht, defensiv nicht so gut gestanden wie sonst und sind deshalb in einige Konter gelaufen“, bemängelte der gebürtige Schwenninger und forderte: „Wir müssen schlauer spielen.“

Die sonst so stabile Defensive der Bruins um den zuletzt überragenden Torhüter Tuukka Rask kassierte erstmals in den diesjährigen Play-offs sechs Gegentreffer - mehr als in den ersten drei Finalspielen zusammen. „Sie sind immer wieder in unseren Rücken gelangt und haben zu viele Abpraller gekriegt“, sagte Seidenberg.

Der Ex-Mannheimer und seine Teamkollegen, die beim 2:0 zwei Tage zuvor noch eine taktische Meisterleistung abgeliefert hatten, liefen von Beginn an hinterher. Michal Handzus (7.), Jonathan Toews (27.), Patrick Kane (29.) und Marcus Krüger (36.) sorgten bei Gegentreffern von Rich Peverley (15.) und Milan Lucic (35.) für eine 4:2-Führung des viermaligen NHL-Meisters aus Chicago. Patrice Bergeron glich zwar mit einem Doppelpack (38. und 43.) unter dem Jubel der 17.565 Zuschauer im TD Garden aus. Und nach Patrick Sharps 4:5 (52.) erzwang Johnny Boychuk (53.) die dritte Verlängerung im vierten Spiel. Doch am Ende standen die Gastgeber mit leeren Händen da.

Den zweiten Stanley-Cup-Triumph nach 2011 hat Seidenberg aber noch lange nicht abgeschrieben - auch wenn Chicago im fünften und im möglichen siebten Spiel Heimrecht hat. „Wir müssen cleverer sein und unsere Fehler in der Defensive begrenzen“, sagte der Verteidiger. Vor allem Goalie Rask, der erstmals seit dem 27. März sechs Gegentore kassierte (5:6 gegen Montreal), brauche mehr Unterstützung: „Wenn er die nicht bekommt, ist es schwer, Pucks zu stoppen.“

Moralische Unterstützung aus der eigenen Familie hat Seidenberg seit einigen Tagen. Sein Bruder Yannic, zuletzt bei der WM in Schweden und Finnland auf dem Eis, saß zum zweiten Mal auf der Tribüne. „Er bleibt bis Ende nächster Woche“, berichtete Dennis Seidenberg. Ob beide wie vor zwei Jahren gemeinsam mit der begehrtesten Eishockey-Trophäe der Welt feiern können, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Bis dahin heißt es für den älteren Seidenberg: „Abhaken, nach vorne schauen. Nachdenken bringt nicht viel.“

sid


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